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Zugewinnausgleich im Verbund oder im isolierten Verfahren?

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Ob der Zugewinnausgleich im Verbund des Scheidungsverfahrens oder in einem isolierten Verfahren durchgeführt werden soll, hängt stets vom Einzelfall ab. Dabei hat jede Variante ihre Vor- und Nachteile.

Ein Vorteil des Verbundverfahrens ist die gute Prognostizierbarkeit des Kostenrisikos. Die Kosten der Scheidungs- und der Folgesachen im Verbund werden gegeneinander aufgehoben (§ 150 Abs. 1 FamFG) und es fallen aufgrund der Streitwertaddition und des abnehmenden Gebührenanstiegs insgesamt niedrigere Kosten an.

Im isolierten Verfahren ist das Kostenrisiko dagegen weniger gut prognostizierbar, da über § 113 FamFG die Regelungen der ZPO gelten. Hier trägt nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO die unterliegende Partei stets die Kosten des Rechtsstreits.

Der Zugewinnausgleich verzögert als Folgesache das Verbundverfahren. Dies kann gewünscht sein, um beispielsweise die Familienversicherung oder öffentlich-rechtliche Gehaltsbestandteile (Familienzuschläge) zu erhalten.

Zu beachten ist hierbei jedoch unbedingt, dass die Zugewinnausgleichsforderung erst mit Beendigung des Güterstands entsteht, § 1378 Abs. 3 Satz 1 BGB, und demzufolge auch erst ab Rechtskraft der Scheidung zu verzinsen ist.

Je mehr der Zugewinnausgleich also das Verbundverfahren verzögert, desto später liegt auch der Zinsbeginn. Hierdurch kann es zu erheblichen finanziellen Auswirkungen in Form eines sehr hohen Zinsverlusts kommen.

Je später die Rechtskraft des Scheidungsbeschlusses eintritt, umso größer ist auch das Risiko, dass kein Vermögen mehr vorhanden ist, da die Höhe der Ausgleichsforderung durch den Wert des Vermögens begrenzt wird, welches nach Abzug der Verbindlichkeiten bei Beendigung des Güterstands vorhanden ist, § 1378 Abs. 2 BGB.

Auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht bietet die isolierte Geltendmachung des Zugewinnausgleichs mehr Möglichkeiten, da hier auch reine Auskunfts- und Teilklagen zulässig sind und nicht – wie im Verbundverfahren – eine Stufen- oder Leistungsklage erhoben werden muss. Denn auch durch die Erhebung einer Stufenklage kann es zu erheblichen Verfahrensverzögerungen kommen, wenn beispielsweise auf allen Stufen vollstreckt werden muss.

Sinnvoll aber oft übersehen ist die Möglichkeit eines vorzeitigen Zugewinnausgleichs. Ein solcher Antrag ist bsp. wichtig, wenn die Gefahr besteht, dass der ausgleichspflichtige Ehepartner während der Trennungszeit noch vor Zustellung des Scheidungsantrags Manipulationen anstellt, um sein Vermögen zu vermindern.



Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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