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Zum Wechselmodell, zur elterlichen Sorge und zum Umgang

aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

Wechselmodell

Seit einigen Jahren möchten getrennt lebende Eltern immer häufiger, dass ihre Kinder nicht nur bei einem Elternteil aufwachsen. Sie entscheiden sich in diesen Fällen für das sogenannte Wechselmodell. Das gilt insbesondere dann, wenn die Kinder lange Zeit im gemeinsamen Haushalt mit beiden Elternteilen lebten. Das ist der Tatsache geschuldet, dass diese Eltern möchten, dass ihre Kinder sie weiter jeweils im Alltag erleben können.

Bei dem Wechselmodell handelt es sich um einen gesetzlich nicht geregelten Sonderfall.

Von einem Wechselmodell spricht man dann, wenn die Kinder in gleich großen oder annähernd gleich großen Betreuungsanteilen von beiden Elternteilen betreut werden. Wie dies geschieht, kann in ganz unterschiedlichen Modellen umgesetzt werden, etwa dass die Kinder eine Woche bei ihrer Mutter leben und in der darauffolgenden Woche beim Vater. Es gibt jedoch auch Regelungen, wonach die Kinder alle zwei Tage, tageweise oder in einem 14-tägigen Rhythmus zwischen den Eltern wechseln.

Voraussetzungen

Voraussetzung für ein Wechselmodell ist, dass die Eltern mit dem jeweils anderen Elternteil die Belange ihrer Kinder noch gut absprechen können. Da das Leben der Kinder bei einem Wechselmodell in zwei verschiedenen Haushalten stattfindet, muss zwischen den Eltern viel Kommunikation stattfinden, etwa über die Hausaufgaben der Kinder, über Schultermine, die Sport- und Freizeitveranstaltungen oder gesundheitliche Belange der Kinder. Solche Gespräche sollten noch vertrauensvoll und konstruktiv möglich sein.

Darüber hinaus ist es sehr hilfreich, wenn die beiden Haushalte der Elternteile in unmittelbarer räumlicher Nähe sind, damit die Kinder gut zwischen den Haushalten wechseln können. Hilfreich sind zudem ein ähnlicher Erziehungsstil der Eltern und die Bereitschaft, sich auf Veränderungen bei dem jeweiligen anderen Elternteil einlassen zu können. Großer Vorteil des Wechselmodells ist, dass die sozialen Bezüge des Kindes erhalten bleiben, insbesondere beide Elternteile und die Kinder sich noch im Alltag erleben können.

Das Wechselmodell ist in den letzten Jahren populärer geworden. Die hiesigen Familiengerichte sind jedoch noch vorsichtig mit der Installierung eines Wechselmodells. 

Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hierzu

Kürzlich hat der Bundesgerichtshof eine Entscheidung zum Wechselmodell getroffen, die große Aufmerksamkeit erhielt.

Dabei hat sich der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung vom 01.02.2017 (XII ZB 601/15) mit der Frage auseinandergesetzt, ob ein Wechselmodell durch eine gerichtliche Umgangsregelung angeordnet werden kann.

Die Oberlandesgerichte gingen bisher weit überwiegend davon aus, dass eine gerichtliche Anordnung eines Wechselmodells nicht ohne einen entsprechenden Konsens der Eltern möglich sei.

Dem hat der Bundesgerichtshof in seiner o. g. Entscheidung widersprochen und festgestellt, dass die Anordnung eines Wechselmodells durch das Gericht im Rahmen einer gerichtlichen Umgangsregelung vom Gesetz nicht ausgeschlossen ist. Bisher ist meist davon ausgegangen worden, dass das Wechselmodell im Rahmen der elterlichen Sorge und des Aufenthaltsbestimmungsrechts zur Anwendung kommt. 

Der Bundesgerichtshof hat mit seinem o.g. Urteil den Umgangsbegriff sehr weit ausgedehnt. Das ist jedoch nur im Kontext einer, dem Kindeswohl am bestens gerecht werdenden Betreuung der Kinder zu sehen.

Auch nach der o. g. Entscheidung des Bundesgerichtshofs bleibt es dabei, dass das Wechselmodell nur dann gerichtlich angeordnet werden kann, wenn es dem Kindswohl am besten entspricht. Dazu bedarf es eines Mindestmaßes an elterlicher Kommunikation. Das Wechselmodell ist nicht in jedem Fall und für jedes Kind geeignet.

In den Fällen, in denen zwischen den Eltern ständiger Streit über die Belange der Kinder besteht, ist das Wechselmodell überhaupt nicht geeignet.

Vorteil

Der Vorteil des Wechselmodells ist zum einen das Erleben beider Eltern im Alltag und nicht nur am Wochenende und in den Ferien.

Zum anderen können die Eltern auch auf schulische Belange besser Einfluss nehmen und insofern ihr gemeinsames Sorgerecht ausüben. 

Regelfall

Abschließend sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass auch weiterhin die meisten Kinder nach Trennung oder Scheidung der Eltern im Haushalt eines Elternteils leben und der andere Elternteil Umgang wahrnimmt.

In diesen Fällen verbleibt in der Regel das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei einem Elternteil und der andere macht von seinem Umgangsrecht Gebrauch.

Rechtsanwalt Frank Weiland, Zella-Mehlis

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