Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Zum Welthundetag: Mediation als Alternative bei Konflikten rund um die Vierbeiner?

(4 Bewertungen) 4,0 von 5,0 Sternen (4 Bewertungen)
(4 Bewertungen) 4,0 von 5,0 Sternen (4 Bewertungen)
Zum Welthundetag: Mediation als Alternative bei Konflikten rund um die Vierbeiner?
Bei Streit um den Hund, ist mit einer Mediation oft allen geholfen.

Heute feiern weltweit wieder Tausende von Hundehaltern den Welthundetag oder Welttag des Hundes. Der Welthundetag ist ein besonderer Ehrentag, an dem die vierbeinigen Freunde des Menschen im Mittelpunkt stehen, die seit Generationen wichtige Rollen in unsrer Gesellschaft übernehmen – als „einfaches“ Haustier, als Blindenhund, als Polizeihund, als Bürohund oder als Gesellschafter für alte Menschen.

Aber nicht immer läuft das Miteinander mit den „besten Freunden des Menschen“ reibungslos, sondern rund um den Hund gibt es viel Streitpotenzial. Der Gang zu Gericht ist dann aber nicht die einzige Lösung. In vielen Fällen kann auch eine Mediation helfen.

Mediation – eigenverantwortliche Konfliktlösung, die auf Interessen basiert

Die Mediation ist ein außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren, bei dem keine außenstehende dritte Partei den Streit entscheidet, sondern die Streitenden selbst eine Lösung für ihren Konflikt entwickeln. Unterstützt werden sie dabei von einem Mediator, der den äußeren Rahmen setzt, das Verfahren strukturiert und den Streitenden – die man Medianten nennt – mit verschiedenen Kommunikationstechniken hilft, von ihren Positionen wegzukommen und sich stattdessen auf ihre eigentlichen Interessen zu fokussieren. Mehr Hintergrundinformationen zum Mediationsverfahren finden Sie in unserem Rechtstipp „Mediation – Konfliktlösung statt Hokuspokus“.

Vorteile der Mediation

Gegenüber dem Gerichtsverfahren hat die Mediation viele Vorteile. Die wichtigsten Vorteile der Mediation sind ihr interessensorientierter Ansatz, ihre Betrachtung des gesamten Konflikts, ihre Schnelligkeit und die Nachhaltigkeit ihrer Lösung. Gerade bei Konflikten rund um den Hund geht es in der Regel nicht nur um Rechtsfragen, sondern es spielen auch viele Emotionen, Wünsche und schließlich der Hund selbst eine wichtige Rolle. All diese Aspekte können in der Mediation aufgegriffen werden und mit in die Lösung einfließen. Bei einem Gerichtsverfahren ist das hingegen nicht möglich, da hier nur die beweisbaren juristischen Fakten gewertet werden können.

Die in der Mediation gefundene Lösung erweist sich als besonders nachhaltig. Das liegt daran, dass sie den Streitenden nicht von einer dritten Partei (wie dem Richter im Gerichtsverfahren) aufgezwungen wird, sondern die Medianten die Lösung gemeinsam erarbeiten. Hierbei steht dann auch weniger die Schuldfrage im Vordergrund als das zukünftige Miteinander. Gerade bei Konflikten um Hunde stehen die Streitenden häufig in einer Beziehung zueinander, die nach Möglichkeit erhalten werden soll (weil es sich z. B. um Nachbarn handelt, den Züchter oder einen Ex-Partner, den man nicht so ganz loswird). Da die Mediation darauf aus ist, eine Lösung zu finden, mit der alle Seiten gut leben können, ist nach Abschluss der Mediation meist auch wieder ein normaler Umgang miteinander möglich.

Typische Konflikte rund um den Hund

Die Mediation ist also ein interessensbasiertes Konfliktlösungsverfahren, das gegenüber der gerichtlichen Auseinandersetzung viele Vorteile hat. Gerade wenn um oder über den Hund gestritten wird, lohnt sich der Versuch fast immer. Mit der Mediation kann schnell eine Lösung gefunden werden, mit der nicht nur beide Konfliktparteien zufrieden sind, sondern die auch die tierischen Interessen des Hundes und die emotionale Verbundenheit mit ihm berücksichtigt. Dies verdeutlichen folgende drei Beispiele:

Beispiel Nummer 1: Streit mit dem Züchter, wenn der Hund krank ist

Viele Hundehalter kaufen ihr zukünftiges Familienmitglied bei einem Hundezüchter. Selbst wenn der Züchter alles richtigmacht, kann ein Hund krank sein oder krank werden. Da Hunde vom Züchter nicht ganz billig sind, ist die Verärgerung bei einem kranken Tier oft groß – zumal auf den Halter weitere Kosten zur Behandlung beim Tierarzt, für Medikamente, Spezialfutter usw. zukommen.

Wie wäre die rechtliche Lage?

Rechtlich gesehen handelt es sich beim Hund nach wie vor um einen gewöhnlichen Kaufgegenstand. Je nachdem, welchen Standardkaufvertrag der Züchter verwendet, sind die vertraglichen Vereinbarungen meist sehr knapp. Inwieweit und unter welchen Voraussetzungen eine Krankheit beim Hund einen Sachmangel darstellt, ist rechtlich nicht eindeutig geklärt und im Einzelfall schwer abzugrenzen. Selbst wenn der Hund mangelhaft sein sollte, sind die Gewährleistungsrechte des deutschen Kaufrechts für diesen Fall nur wenig zufriedenstellend. In der Regel kommt weder eine Nachbesserung (gerade genetische Krankheiten lassen sich in der Regel nicht heilen) noch ein Austausch (einen vergleichbaren andern Hundewelpen gibt es im Prinzip nicht) infrage.

Dem Käufer bliebe damit nur der Rücktritt oder die Minderung des Kaufpreises. Da die Hundebesitzer meist schon eine emotionale Bindung zu dem Hund haben, wollen sie ihn auch nicht mehr zurückgeben und die Minderung des Kaufpreises ist nicht ganz einfach: Wie viel ist der Hund denn durch seine Krankheit weniger wert? Und getan ist es mit dem Preisnachlass für den Halter auch nicht, denn Rechnungen des Tierarztes gehen sehr schnell in die Höhe. Diese Kosten muss der Züchter rechtlich aber nicht übernehmen, wenn er in der Zucht keinen Fehler gemacht hat.

Mediation zwischen Hundehalter und Hundezüchter

Rein juristisch ist die Lösung des Falls also verzwickt, dauert relativ lang vor Gericht und wird durch notwendige Gutachten sehr teuer werden. Zufriedenstellend wird das Urteil weder für den Züchter noch für den Hundebesitzer sein. In einer Mediation können Hundehalter und Hundezüchter dagegen schnell eine Lösung erarbeiten, mit der beide Seiten gut leben können. Gerade Hobbyzüchtern ist der gute Kontakt zu Ihren Welpenkäufern sehr wichtig. Gleichzeitig stecken sie weit mehr Geld in ihre Zucht, als sie über den Verkauf der Welpen zurückbekommen. Sämtliche Tierarztkosten zu übernehmen und einen Teil des Kaufpreises zu erstatten kann daher eine starke finanzielle Belastung darstellen. Wie viel Geld, Arbeit, Zeit und Liebe in der Zucht steckt, ist dem Hundebesitzer hingegen nicht bewusst. Gleichzeitig will auch er nicht auf den gesamten Kosten sitzen bleiben, für die er genauso wenig kann wie der Züchter. Mithilfe des Mediators werden diese verschiedenen Interessen, Motive, Gedanken und Emotionen beider Seiten beleuchtet und eine Lösung erarbeitet, mit der sowohl der Züchter als auch der Hundehalter gut leben können.

Beispiel Nummer 2: Streit zwischen Hundehaltern nach der Rauferei

Eine zweite typische Konfliktsituation ist diejenige zwischen zwei Hundehaltern, wenn deren Hunde sich nicht friedlich begegnet sind. Wurde bei der Auseinandersetzung eines der Tiere, beide Tiere und oder der Halter verletzt wird, ist der Streit danach meist groß.

Wie wäre die Rechtslage?

Rechtlich gilt in Deutschland, dass ein Hundehalter grundsätzlich für die Schäden geradezustehen hat, die sein Hund verursacht. Da Tiere Lebewesen sind, deren tierisches Verhalten nicht zu hundert Prozent beeinflussbar ist, kommt es bei dieser Haftung nicht auf ein etwaiges Verschulden des Hundehalters an. Daher muss der Hundehalter auch Schäden ersetzen, die sein Hund bei einer Rauferei mit einem anderen Hund verursacht. Da der Hund aber nicht alleine gerauft hat, ist diese Lösung nicht interessensgerecht. Der Schadensersatzanspruch des anderen Halters kann zwar durch ein sog. Mitverschulden reduziert werden, es ist aber praktisch sehr schwer im Nachhinein zu rekonstruieren, welche prozentuale Schuld den anderen Halter trifft.

Mediation zwischen den Hundehaltern?

Sich um die Haftung für Bissverletzungen vor Gericht zu streiten, ist vor diesem Hintergrund sicher nicht die optimale Lösung. Der Richter war nicht dabei und die Rekonstruktion der Rauferei stellt sich vor Gericht mehr als schwierig dar.
Ganz zu schweigen von der prozentualen Schuldzuweisung, auf die es vor Gericht ankommt. Bei einer Mediation können beide Hundehalter den Vorfall aus ihrer ganz persönlichen Sicht schildern und auch Umstände mit einbeziehen, die vor Gericht keine Relevanz hätten. Die Schuldfrage steht dabei bei der Mediation gerade nicht im Vordergrund. Vielmehr werden die mit der Rauferei verbundenen Emotionen der beiden Hundehalter herausgearbeitet, gefiltert und anschließend eine Lösung für den entstandenen Schaden gefunden, mit der beide Seiten gut leben können. Dabei kann z. B. auch eine Entschuldigung für etwaige Fehler (z. B. der Hund war nicht angeleint, der andere Halter viel zu weit weg usw.) eine große Rolle spielen. Auf emotionaler Ebene kann damit schon viel gelöst werden, vor Gericht hingegen kommt es auf eine Entschuldigung überhaupt nicht an.

Beispiel Nummer 3: Sorgerechtstreit bei Trennung und Scheidung

Das dritte Beispiel sind schließlich „Sorgerechtsstreitigkeiten“ um den Hund nach einer Trennung oder Scheidung. Während der gemeinsamen Zeiten bauen beide Partner eine emotionale Bindung zu dem Tier auf und wollen dieses nach der Trennung behalten oder zumindest ab und zu sehen.

Wie wäre die Rechtslage?

Die Frage, wer den Hund nach der Trennung oder Scheidung behalten darf, wurde schon oft vor Gericht gebracht, denn für viele ist der Hund ein Familienmitglied und damit emotional einem Kind sehr ähnlich. Trotzdem können die Regelungen über das Umgangsrecht mit Kindern nicht auf Haustiere übertragen werden, denn gesetzlich sind Tiere immer noch wie Sachen zu behandeln. Juristisch kommt es drauf an, ob der Hund einem Partner allein gehört oder als Sache zum gemeinsamen Hausrat gerechnet wird. Beide Varianten führen nicht zu einem Ergebnis, das beiden Seiten und dem Hund – der ja ebenfalls eine Bindung zu Herrchen und Frauchen hat – gerecht wird.

Mediation zwischen den Expartnern?

Die juristische Lösung empfindet mindestens einer der beiden Partner als ungerecht und auch für den Hund gibt es bessere Lösungen. Das Gericht muss jedoch nur entscheiden, wenn im Scheidungsverfahren um den Hund gestritten wird. Beide Parteien können auch mithilfe einer Mediation eine Vereinbarung erarbeiten, bei der z. B. beide Partner weiterhin Kontakt mit dem Hund haben können. Dabei kann in der Trennungsvereinbarung beispielsweise detailliert geregelt werden, wem der Hund zusteht und welches Umgangsrecht der andere hat.

Tipp: Die Mediation muss sich in diesem Fall nicht auf die Streitfrage über den Hund beschränken. Vielmehr können mit einer Familienmediation alle Scheidungsfolgen einvernehmlich geregelt werden. Geschieden werden kann die Ehe zwar nur durch einen Richter, dem Nochehepaar steht es aber frei alle formalen Scheidungsfragen (Vermögensaufteilung, Hausratsverteilung, Sorgerecht, Umgangsrecht usw.) selbst zu regeln. In diesem Fall muss der Richter nur noch der Ehescheidung zustimmen und eine Verhandlung über Vermögen, Kinder, Hunde usw. ist nicht mehr nötig. Statt in den Rosenkrieg zu ziehen können die Ehepartner daher auch die Mediation nutzen, um einvernehmliche Lösungen zu finden. Damit sparen sie nicht nur Zeit, sondern auch Geld und Nerven.

(THE)

Foto : fotolia.com/Robert Kneschke


Rechtstipp vom 10.10.2017
aus den Rechtsgebieten Mediation, Recht rund ums Tier

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps der anwalt.de-Redaktion

Alle Rechtstipps der anwalt.de-Redaktion

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.