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Zwölf Stunden vor Ende wird die Auktion riskant

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Zwölf Stunden vor Ende wird die Auktion riskant
Zwölf Stunden vor Auktionsende bedarf der Abbruch eines Grundes.

Zwölf Stunden vor Ablauf einer eBay-Auktion kann das grundlose Beenden einer Auktion teure Schadensersatzforderungen zur Folge haben. Das spürten zuletzt zwei eBay-Verkäufer vor Gericht. Genau diese Erfahrung machte ein eBay-Verkäufer, der sich auf einmal mit einer Klage auf Zahlung von beinahe 2.400 Euro konfrontiert sah.

Was war passiert? Der Versteigerer wollte sein altes Auto loswerden. Er bot es gleichzeitig bei eBay ab einem Euro und in der Onlinebörse mobile.de für 750 Euro an. Mit der Gebotsentwicklung bei eBay unzufrieden, fragte er den Höchstbietenden kurz vor Auktionsende, ob dieser einer vorzeitigen Auktionsbeendigung zustimme. Der Bieter verneinte, der Anbieter brach trotzdem ab und verkaufte den Pkw über mobile.de. Knapp 2.400 Euro wollte der Bieter daraufhin vor dem Amtsgericht (AG) Menden von ihm. Er könne ein vergleichbares Fahrzeug sonst nur für 3.000 Euro bekommen. Die Differenz zu seinem Gebot von 605,99 Euro habe ihm der Anbieter daher zu zahlen. Der Beklagte behauptete dagegen, die Auktion gemäß eBays Allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB) wegen anderweitigen Verkaufs rechtmäßig abgebrochen zu haben.

Kaufvertrag wider Willen

eBays AGB verlangen in den letzten zwölf Stunden einer Auktion einen besonderen Grund für deren vorzeitiges Aus. Ist der Artikel verloren gegangen, beschädigt worden oder steht er anderweitig nicht mehr zum Verkauf, darf die Auktion beendet werden. Auch der zwischenzeitliche Diebstahl des Artikels berechtigt dazu, wie der Bundesgerichtshof (BGH) zuletzt entschieden hat. Trifft nichts davon zu, ist ansonsten ein Kaufvertrag mit dem Höchstbietenden zum Abbruchzeitpunkt zustande gekommen. Der BGH betont ferner, dass die AGB auch zwischen den eBay-Teilnehmern gelten.

Hier urteilte der Amtsrichter, dass „der anderweitige Verkauf“ und „anderweitig nicht mehr zum Verkauf stehen“ verschiedene Fälle darstellen. Der Beklagte musste Schadensersatz zahlen. Mit 300 Euro lag er nur dank der im Vergleich zum Kläger realistischeren Werteinschätzung des Sachverständigen unter den ursprünglich geforderten 2.400 Euro.

Der gleichzeitige Verkauf derselben Sache ist zwar möglich, aber riskant. Der leer ausgehende Käufer kann nämlich Schadensersatz in Höhe dessen verlangen, was er ausgeben muss, um eine vergleichbare Sache zu erlangen.

(AG Menden/Sauerland, Urteil v. 24.08.2011, Az.: 4 C 390/10; BGH, Urteil v. 08.06.2011, Az.: VIII ZR 305/10)

(GUE)

Foto : ©Fotolia.com/Corrie


Rechtstipp vom 19.12.2011
aus dem Rechtsgebiet IT-Recht

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