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Behandlung und Kunstfehler

Auch Ärzte machen Fehler. Handelt es sich um einen Kunstfehler, steht dem Patienten eine Entschädigung zu. So können Patienten Ihre Rechte geltend machen.

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03/2017

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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist ein Kunstfehler?

Ein ärztlicher Behandlungsfehler wird in der Umgangssprache auch Kunstfehler genannt. Der Arzt hat sich bei der Behandlung also nicht an die Regeln der ärztlichen Kunst gehalten. Gemeint sind damit anerkannte fachliche Standards und Leitlinien, die der Arzt missachtet hat. Erleidet der Patient deshalb einen Schaden, spricht man von einem Behandlungsfehler. Fehler können in allen Stadien einer medizinischen Behandlung passieren: bei der Diagnose, der Auswahl der Medikamente, der Aufklärung des Patienten, beim organisatorischen Ablauf einer Behandlung etwa im Krankenhaus oder auch bei Hygienemaßnahmen. Typische Behandlungsfehler sind z. B. die Verabreichung eines falschen Medikaments oder wenn bei einer Operation versehentlich ein Nerv durchtrennt wurde. Hat der Arzt den Patienten vor einer Behandlung nur mangelhaft über Chancen, Risiken, Nebenwirkungen, Folgen und alternative Therapieformen aufgeklärt, kann das ebenfalls als Behandlungsfehler gelten. Neben Ärzten können auch Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Heilpraktikern, Hebammen oder Psychotherapeuten Behandlungsfehler unterlaufen.

Welche Rechte hat ein Patient bei einem Kunstfehler?

Hat der Patient nachweislich einen Schaden aufgrund eines Behandlungsfehlers erlitten, hat er Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Schmerzensgeld kommt in Frage, wenn er Schmerzen aufgrund des Fehlers hat, seine Lebensqualität leidet oder er dauerhafte körperliche Beeinträchtigungen hat. Schadensersatzansprüche entstehen, wenn dem Patienten finanzieller Schaden entstanden ist. Dazu gehören insbesondere Ausgaben für Behandlungskosten, zusätzliche Heilbehandlungen, Fahrtkosten zu Therapeuten, der Verdienstausfall oder Ausgaben für eine Haushaltshilfe.
Ist ein Kunstfehler eingetreten, so bietet sich zuerst ein außergerichtliches Verfahren an, um Ansprüche geltend zu machen. Es erfolgt oft in Zusammenarbeit mit den Gutachterkommissionen und den Schlichtungsstellen der jeweiligen Landesärztekammern. Ein solches Verfahren ist kostenlos. Am Ende steht eine gütliche Einigung mit dem Arzt oder der Klinik. Allerdings müssen Arzt und Patient einem solchen freiwilligen Einigungsversuch zustimmen. Scheitert die Einigung, bleibt dem Patienten der Gang vor Gericht. Stellt sich die Beweisführung als sehr kompliziert dar, ist das Klageverfahren oft von Anfang an der bessere Weg.

Wer muss beweisen, dass es sich um einen Kunstfehler handelt?

Schmerzensgeld und Schadensersatz kommen nur dann in Frage, wenn sich eindeutig beweisen lässt, dass die Beschwerden auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen sind. Den Beweis muss der Patient erbringen. Das ist meist schwierig, weil der Patient als medizinischer Laie oft nur Vermutungen anstellen kann. Wichtig ist deshalb, alle Dokumente zusammenzusuchen, die über eine falsche Behandlung Aufschluss geben können: Ärzte sind zu umfangreicher Dokumentation verpflichtet. Sie als Patient haben das Recht, Ihre Patientenakte einzusehen – Sie dürfen alle Aufzeichnungen, Befunde und Röntgenaufnahmen vom behandelnden Arzt einfordern. Anders sieht es mit der Beweislast aus, wenn der Arzt einen sehr schwerwiegenden Fehler begangen hat. Dann muss er selbst den Beweis erbringen, dass er keinen Fehler gemacht hat. Das gleiche gilt, wenn der Mediziner seiner Aufklärungspflicht vor einer Behandlung nicht korrekt nachgekommen ist. Auch dann muss er selbst nachweisen, dass alles vorschriftmäßig abgelaufen ist.

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Checkliste: So gehen Sie bei einem Kunstfehler Schritt für Schritt vor

Protokoll erstellen

Um Ihre Ansprüche durchzusetzen, müssen Sie den Behandlungsverlauf detailliert schildern können. Notieren Sie deshalb Ihre Krankengeschichte. Jedes Detail kann wichtig sein: Was ist genau geschehen? Wann ist es geschehen? Wie haben sich Ihre Beschwerden genau gezeigt? Was hat der Arzt gesagt und verordnet? Hat die Krankenschwester sich möglicherweise über eine ärztliche Anordnung gewundert? Vielleicht gibt es auch Zeugen, die Sie nennen können. Ein Zimmernachbar kommt in Frage, ein Besucher oder ein Pfleger. Sind die Beschwerden sichtbar, sollten Sie Fotos anfertigen, um Ihre Leiden zu dokumentieren.

Patientenakte anfordern

Um alle Unterlagen, die Ihren Krankheitsverlauf und die Behandlung dokumentieren, müssen Sie sich selbst kümmern. Fordern Sie beim Arzt Ihre Patientenakte an. Das sollten Sie schriftlich machen. Setzen Sie in dem Schreiben auch gleich eine Frist, bis wann der Arzt die Akte vorzulegen hat. Auch im Krankenhaus können Sie alle Unterlagen anfordern. Achten Sie darauf, dass die Berichte aller behandelnden Ärzte vorliegen, auch vom Chirurgen und Anästhesisten.

Krankenkasse kontaktieren

Mit dem Patientenrechtegesetz von 2013 sind die Krankenkassen verpflichtet, ihre Versicherten zu unterstützen, Ansprüche wegen eines Behandlungsfehlers geltend zu machen. Kontaktieren Sie Ihre daher umgehend Krankenkasse. Sie kann ein Gutachten durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) in die Wege leiten. Das Gutachten stellt klar, ob es sich überhaupt um einen Behandlungsfehler handelt. Das ist für Sie als Patient kostenlos. Privatpatienten erhalten nicht automatisch ein kostenloses Gutachten über Ihren Versicherer. Sie müssen es selbst bezahlen oder können sich an die Gutachterkommissionen der Landesärztekammern wenden.

Gutachterkommission einschalten

Geht es Ihnen vor allem darum, eine finanzielle Entschädigung zu erhalten, sollten Sie zunächst eine außergerichtliche Einigung anstreben. Konfrontieren Sie den Arzt schriftlich mit Ihrem Vorwurf. Gesteht er den Fehler ein, können Sie möglicherweise direkt mit seiner Haftpflichtversicherung über eine Entschädigung verhandeln. Meist führt der Weg aber über die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der jeweiligen Landesärztekammern. Auch hier wird ein kostenloses Gutachten erstellt. Allerdings wird der Fall nur nach Aktenlage beurteilt und der Schlichtungsvorschlag ist für beide Parteien nicht bindend.

Klage vor dem Zivilgericht

Ist eine außergerichtliche Einigung gescheitert oder das Ergebnis entspricht nicht Ihren Vorstellungen, können Sie Ihre Ansprüche vor Gericht durchsetzen. Sie können auch von Anfang an den Klageweg bestreiten. Die Höhe des geforderten Schadensersatzes und des Schmerzensgeldes bestimmt den sogenannten Streitwert. Dieser wiederum entscheidet, wo das Verfahren stattfindet: Bis zu einem Streitwert von 5.000 Euro ist das Amtsgericht zuständig, ansonsten das Landgericht. Hier ist es Pflicht, sich von einem Anwalt vertreten zu lassen. Jetzt müssen Sie alle Beweismittel vorlegen, aus denen der Behandlungsfehler hervorgeht. Ein Anwalt kann Sie beraten, ob ein selbstständiges Beweisverfahren sinnvoll ist.

Wussten Sie schon?

Vermuten Sie als Patient einen Behandlungsfehler, sollten Sie die Verjährungsfrist im Blick haben. Grundsätzlich verjähren Ansprüche aus Behandlungsfehlern nämlich nach drei Jahren. Allerdings gibt es auch Besonderheiten, denn oft ist nach einer Behandlung nicht gleich offensichtlich, dass ein Fehler unterlaufen ist. Manchmal stellt sich erst nach Jahren heraus, dass Beschwerden auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen sind. Als Patient sollten sie dann rasch reagieren: Die Verjährungsfrist beginnt nämlich mit dem Ablauf des Jahres, in dem Sie als Patient erkannt haben, dass es sich um einen Behandlungsfehler handelt oder wenn Sie hätten erkennen können, dass es sich um einen Behandlungsfehler handelt.

Es ist demnach nicht entscheidend, wann der Arzt den Fehler verursacht hat, sondern wann Sie als Patient davon wussten. Stichtag, an dem die Verjährungsfrist beginnt, ist damit der 1. Januar des darauffolgenden Jahres. Wird der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) oder die Gutachterkommission der Ärztekammer aktiv, gilt das als Zeichen, dass Sie als Patient einen Behandlungsfehler vermuten. Damit ist die Verjährungsfrist unterbrochen. Patienten sind gut beraten, beim geringsten Verdacht auf einen Behandlungsfehler aktiv zu werden. Sie sollten sich an einen spezialisierten Anwalt wenden, denn dieser kennt die Möglichkeiten, Ansprüche nicht verjähren zu lassen, denn es kann Monate dauern, medizinische Gutachten erstellen zu lassen.

Darf der Patient seine Patientenakte lesen?

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