Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Anforderungen an Büroräume

Nur gesunde Mitarbeiter leisten langfristig gute Arbeit. Und die Pflicht des Arbeitgebers ist, dafür zu sorgen, dass sie gesund bleiben. Ein entscheidender Faktor hierfür ist die Gestaltung und Ausstattung ihrer Arbeitsplätze. Wir verraten, welche Anforderungen moderne Büroräume erfüllen müssen.

Bekannt aus: Der Tagesspiegel Money Soldan
Cosmopolitan Wiesbadener Kurier starting up

Gelistet bei: Deutsches Institut für Service-Qualität Öko Test

Testsieger mit Qualitätsurteil „gut"
03/2017

Bekannt aus: Der Tagesspiegel Money Soldan
Cosmopolitan Wiesbadener Kurier starting up

Gelistet bei: Deutsches Institut für Service-Qualität Öko Test

Testsieger mit Qualitätsurteil „gut"
03/2017

Die wichtigsten Fakten zum Thema „Anforderungen an Büroräume“

Die rechtliche Definition

Rechtlich gesehen ist ein Büro eine sogenannte Arbeitsstätte. Das bedeutet, dass dafür die sogenannte Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) gilt, die dafür maßgeblich ist, für welche Ausstattung der Arbeitgeber zu sorgen hat, um seinen gesetzlichen Pflichten zu genügen.

Der Umfang der Arbeitsstätte

Zu einer Arbeitsstätte gehören neben den Arbeitsplätzen auch sämtliche Verkehrswege, die Teil des Betriebs sind. Hierzu gehören auch die Sanitäranlagen, Fluchtwege und Notausgänge sowie alle Nebenräume, Lagerräume und Maschinenräume und etwaige vorhandene Liegeräume und Erste-Hilfe-Räume. Dem Arbeitgeber kommt hier überall die Pflicht zu, für ausreichend Sicherheit zu sorgen. Keine der besagten Räumlichkeiten darf für die Arbeitnehmer Gefahren aufweisen.

So werden Arbeitsplätze definiert

Arbeitsplätze sind laut ArbStättV die Räume innerhalb der Arbeitsstätte, in denen sich die Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens regelmäßig aufhalten. Die in modernen Büros üblichen Schreibtische mit PCs bezeichnet man als Bildschirmarbeitsplätze. Diese müssen besonderen Anforderungen genügen – mehr dazu im Abschnitt „Die wichtigsten Fragen und Antworten“. Hierzu gehören auch sogenannte „Telearbeitsplätze“, bei denen es sich laut Definition um Arbeitsplätze außerhalb der Gebäude des Arbeitgebers handelt. Zu diesen zählt auch das beliebte Homeoffice – in einem solchen Fall befindet sich der „Fernarbeitsplatz“ in der Wohnung des Arbeitnehmers.

Keine Pausenraumpflicht in Büros

Üblicherweise schreibt die ArbStättV vor, dass ab zehn Mitarbeitern ein Pausenraum bereitzustellen ist. Ausgerechnet Büros gelten hier jedoch als Sonderfall. Denn in der ArbStättV ist zu lesen, dass kein spezieller Pausenraum gestellt werden muss, wenn es Bereiche im Büro gibt, die eine „gleichwertige“ Erholung wie in einem Pausenraum ermöglichen. Als Kriterien hierzu gelten unter anderem die Abwesenheit von Störungen durch Publikumsverkehr oder Telefonate, genügend Platz für jeden Arbeitnehmer –eine Grundfläche von mindestens 1 Quadratmeter einschließlich Sitzgelegenheit und Tisch ist vorgeschrieben – sowie ausreichend Tageslicht.

Auch für Barrierefreiheit muss gesorgt werden

Beschäftigt der Arbeitgeber Menschen mit Behinderung, muss die gesamte Arbeitsstätte auch dementsprechend gestaltet werden. Zu einem barrierefreien Büroarbeitsplatz gehören etwa ausreichend große Räumlichkeiten, um Rollstuhlfahrern das Wenden zu ermöglichen, sowie passende Schreibtische, deren Höhe sich so einstellen lässt, dass gehbehinderte Mitarbeiter bequem an ihnen Platz nehmen können. Auch rollstuhlfahrergerechte Toiletten sind ein Muss. Blinde Mitarbeite benötigen PC-Systeme mit einer 80-stelligen Braillezeile und passende Screenreader. Auch was Fluchtwege betrifft, muss auf blinde Beschäftigte Rücksicht genommen werden. Hier ist die Installation von Fluchttreppen, die beim Betreten akustische Signale von sich geben, denkbar.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Welche Anforderungen muss ein Büroarbeitsplatz erfüllen?

Wer seinen Arbeitsalltag vor dem Computer verbringt, hält sich gemäß der Arbeitsstättenverordnung an einem „Bildschirmarbeitsplatz“ auf. Da hier Mängel auf lange Sicht schwere Haltungs- und Gesundheitsschäden mit sich bringen können, sind die Standards in diesem Bereich sehr hoch. Der Arbeitsplatz muss somit besonderen ergonomischen Ansprüchen genügen, die speziell an die Tätigkeit des Arbeitnehmers angepasst sind. Zum einen muss genügend Platz vorhanden sein, damit der Arbeitnehmer nicht gezwungen ist, die Arbeitszeit in ein- und derselben Körperhaltung zu verbringen.

Zum anderen muss auch die Schreibtischplatte geräumig genug sein, damit das Personal seine Arbeitsmittel nach seinen Bedürfnissen anordnen kann. Reflektierende Oberflächen, die augenschädigend wirken könnten, sind am Arbeitsplatz tabu. Einem Wunsch des Beschäftigten nach einer Fußstütze oder einem Manuskripthalter muss der Arbeitgeber nachkommen, weil sich auf diese Weise die Ergonomie am Arbeitsplatz noch zusätzlich verbessern lässt.

Auch die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten“ (ASR) sprechen eine deutliche Sprache. Denn hier ist zu lesen, dass Büro- und Bildschirmarbeitsplätze eine Grundfläche von mindestens 8 Quadratmetern (inklusive Möblierung) besitzen müssen. Bei Großraumbüros sind es aufgrund der höheren Geräuschbelastung mindestens 12 Quadratmeter. Zudem steht jedem Mitarbeiter auf seinem Arbeitsplatz eine mindestens 1,5 Quadratmeter große Fläche zu, innerhalb der er sich frei bewegen kann.

Für welche Standards muss der Arbeitgeber bei Computer, Monitor und Co. sorgen?

Bei den bereitgestellten Geräten darf genauso wenig am falschen Ende gespart werden. Bildschirme dürfen nicht blenden oder flimmern und der Text auf dem Monitor muss gut lesbar abgebildet werden. Zudem muss die Darstellung auf dem Bildschirm – der außerdem dreh- und neigbar sein muss – an die Bedürfnisse des Benutzers anpassbar sein. Es muss möglich sein, die Handballen auf der Tastatur abzulegen, denn auch hierbei handelt es sich um einen wichtigen ergonomischen Faktor. Ferner muss dafür gesorgt werden, dass die von den eingesetzten Monitoren abgegebene magnetische Strahlung auf einem niedrigen Niveau bleibt.

Auch was die auf dem Rechner installierten Anwendungen betrifft, gibt es Regelungen. Denn hier muss die Geschäftsleitung genauso auf Benutzerfreundlichkeit Wert legen und Sorge tragen, dass die eingesetzte Software sich problemlos an die Anforderungen der jeweiligen Tätigkeit anpassen lässt, für die sie zum Einsatz kommen soll. Als definitiv unzulässig erachtet die ArbStättV allerdings etwaige Vorrichtungen, die dazu bestimmt sind, die Quantität und Qualität der Arbeit des Arbeitnehmers ohne sein Wissen zu überwachen.

Auch die Ergonomie von Laptops und Tablets erscheint in der ArbStättV in keinem guten Licht. Solche „tragbaren Bildschirmgeräte“ dürfen nämlich nur für kurze Zeit am Stück zum Einsatz kommen. Als Ausnahmen gelten Fälle, in denen sich kein anderes Gerät für die betreffende Aufgabe eignet. Denkbare Beispiele wären hier eine externe Präsentation oder eine Dienstreise.

Welche Pflichten hat der Arbeitgeber bei unangenehmen Temperaturen im Büro?

Steigen die Temperaturen am Arbeitsplatz, sinkt die Konzentration und somit die Arbeitsleistung. Daher enthalten die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten“ (ASR) auch Regelungen über die zulässige Raumtemperatur. Als zulässige Höchstgrenze wird der Richtwert von 26° C angegeben. Sorgt zu viel Sonneneinstrahlung von außen dafür, dass er überschritten wird, muss der Arbeitgeber für ausreichenden Sonnenschutz wie Außenjalousien, hinterlüftete Markisen oder spezielle Sonnenschutzverglasungen sorgen. Hat er das getan und die Innentemperatur übersteigt trotzdem 26° C, wird ihm nahegelegt, zusätzlich aktiv zu werden, um seine Mitarbeiter vor möglichen Gesundheitsschäden zu schützen. Denkbare Maßnahmen können eine frühmorgens durchgeführte Lüftung, eine Nachtauskühlung oder auch die Bereitstellung erfrischender Getränke sein. Ein spezieller Schichtplan, der dafür sorgt, dass die betroffenen Büroräume zu heißen Tageszeiten unbesetzt bleiben, gehört ebenso zu den Empfehlungen der ASR. Ab einer Raumtemperatur von über 30° C ist der Arbeitgeber verpflichtet, diese Maßnahmen anzuwenden.

Eine besondere Ausnahme gilt für Räume, in denen schwere körperliche Arbeit geleistet oder spezielle Arbeits- oder Schutzkleidung getragen wird und für Arbeitsplätze, in denen Jugendliche, Ältere, Schwangere oder stillende Mütter beschäftigt werden. Hier ist der Arbeitgeber verpflichtet, einzuschreiten und Abhilfe zu schaffen, indem er etwa kühlere Arbeitsräume bereitstellt oder Betroffenen die Möglichkeit gibt, ihre Tätigkeiten vom Homeoffice aus zu erledigen.

Ist die Raumtemperatur heißer als 35° C Celsius, verlangt die ASR, den Arbeitnehmern technische Maßnahmen wie Luftduschen oder Wasserschleier oder Hitzeschutzkleidung zur Verfügung zu stellen – was sich in einem Büroraum kaum realisieren lässt. Kurzum: Wer seine Arbeitnehmer bei Temperaturen von über 35° C im eigenen Saft am Schreibtisch schmoren lässt, begeht einen Verstoß gegen die ASR und riskiert damit ein Bußgeld in Höhe von bis zu 5000 Euro.

Wussten Sie schon?

Wer seinen Arbeitsalltag in einem Büro verbringt, hat ein Recht auf einen tabakrauchfreien Arbeitsplatz. Auch hier spricht die ArbStättV eine deutliche Sprache und verpflichtet den Arbeitgeber, dafür zu sorgen, dass die Nichtraucher in seiner Belegschaft nicht gezwungen sind, gesundheitsschädlichen Qualm einzuatmen. Und diese Pflicht hat er nicht nur für die Arbeitsplätze, sondern auch für die Sanitäranlagen, Lagerräume und alle anderen Räume umzusetzen. Auch im Freien darf der Griff zum Glimmstängel verboten werden, da auch außerhalb des Gebäudes liegende Orte zur Arbeitsstätte gehören können.

Wie der Arbeitgeber diese Verordnung umsetzt, bleibt ihm überlassen. Das ist jedoch keine Rechtfertigung für die Unternehmensleitung, ihre Pflichten schleifen zu lassen. Denn ein Verstoß gegen die ArbStättV kann ein gepfeffertes Bußgeld mit sich bringen. Zu den Möglichkeiten des Arbeitgebers, gelebten Nichtraucherschutz von der Theorie in die Praxis zu überführen, gehören etwa spezielle, ausreichend abgedichtete Raucherzimmer oder Absaugvorrichtungen.

Wir helfen sofort

Fragen Sie einen Anwalt

Sie haben eine Rechtsfrage? Wir empfehlen Ihnen unverbindlich einen Experten aus über 20.000 Rechtsanwälten bei anwalt.de

Ihre Kontaktdaten können Sie im nächsten Schritt eingeben.

Wir benötigen noch einige Angaben, um Ihnen passende Anwälte zu empfehlen. Ihre Daten geben wir nicht an die Anwälte weiter, sondern nutzen Sie ausschließlich zur Kontaktaufnahme mit Ihnen. Datenschutzerklärung

Vielen Dank für Ihre Anfrage!
Leider ist etwas schiefgegangen.
Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Passende Anwälte in Ihrer Nähe

Daryai & Kuo Rechtsanwälte
Rechtsanwalt Nima Armin Daryai (Daryai & Kuo Rechtsanwälte)
Pariser Str. 47, 10719 Berlin
(61)
Fachanwaltschaften Mietrecht & Wohnungseigentumsrecht 030 46064794 030 46064794
AJT Jansen Schwarz & Schulte-Bromby
Rechtsanwalt Jens Schulte-Bromby LL.M. (AJT Jansen Schwarz & Schulte-Bromby)
Schorlemer Str. 125, 41464 Neuss
(4)
Fachanwaltschaften Mietrecht & Wohnungseigentumsrecht 02131 662020 02131 662020

Ausgewählte Rechtstipps zum Thema „Büroräume“

Wichtige Gesetze zum Thema

  • § 2 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV): Hier ist zu lesen, welche Räume, Wege und Einrichtungen eine Arbeitsstätte umfasst.
  • § 6 ArbStättV: Hier wird festgelegt, welche Kriterien Bildschirmarbeitsplätze erfüllen müssen.
  • § 4.2 Abs. 1 ArbStättV: Hier findet sich die Regelung, dass Büroräume keine Pausenräume benötigen, wenn es Räumlichkeiten gibt, die eine „gleichwertige“ Möglichkeit zur Erholung bieten.
  • Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR) V3a.2: Hier finden sich wichtige Verordnungen zur barrierefreien Gestaltung von Arbeitsstätten.
  • ASR A3.5 Raumtemperatur: Hier lassen sich detaillierte Regelungen nachlesen, welche Raumtemperaturen in einem Büro als zulässig gelten.
  • § 5 Abs. 1, 2 ArbStättV: Hier verpflichtet die ArbStättV die Geschäftsführung zum konsequenten Nichtraucherschutz.
  • § Abs. 1, 5 Mutterschutzgesetz (MuSchG): Hier ist hinterlegt, dass schwangere und stillende Frauen am Arbeitsplatz besonders vor Gefahren für Leben und Gesundheit zu schützen sind.
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Eine weitere Pflichtlektüre für jeden Arbeitgeber, die sich mit zahlreichen Maßnahmen zur Wahrung und Verbesserung der Gesundheit aller Beschäftigten befasst. Das ArbSchG bietet zudem die rechtliche Grundlage für den Erlass der ArbStättV und ASR.
  • ASR V3a.2: Hier finden sich ausführliche Regelungen zur barrierefreien Gestaltung von Arbeitsplätzen nach dem gegenwärtigen Stand der Technik.

Was droht einem Arbeitgeber, der sich nicht an die Vorgaben hält?

  • Bei Verstößen gegen die Arbeitsstättenverordnung und die Technischen Regeln für Arbeitsstätten können hohe Bußgelder drohen.
  • Auch wenn der Arbeitgeber Mängel, die in der Arbeitsstätte festgestellt worden sind, nicht schnellstmöglich behebt, begeht er einen Verstoß gegen die Arbeitsstättenverordnung, der ihm teuer zu stehen kommen kann.
  • Auch wenn der Arbeitgeber darauf verzichtet, seinen Arbeitsplatz barrierefrei zu gestalten, gilt dies als Verstoß gegen die Technischen Regeln für Arbeitsstätten, für den ein hohes Bußgeld fällig werden kann.

Wie bewerten Sie diese Seite?