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Arbeitssicherheit und Versicherungsschutz

Keine Anfahrtszeiten, keine Kleiderordnung, flexible Arbeitszeiten: Arbeit im Homeoffice hat viele Vorteile. Dennoch gibt es auch im häuslichen Arbeitszimmer einiges zu beachten – vor allem in puncto Versicherungsschutz und Arbeitssicherheit.

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03/2017

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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Welche Vorschriften zur Arbeitssicherheit gelten im Homeoffice?

Im Homeoffice gelten die gleichen sicherheitstechnischen und ergonomischen Standards wie im Büro. So ist ein Laptop oder ein Tablet ergonomisch gesehen fürs tägliche Arbeiten ungeeignet. Der Arbeitgeber müsste also eine externe Tastatur, einen Bildschirm und eine Maus bereitstellen. Auch Tisch, Stuhl und Beleuchtung müssen für die ausgeübte Tätigkeit geeignet sein. Arbeitsmittel wie Drucker und Aktenvernichter müssen regelmäßig geprüft und gewartet werden. Beim erstmaligen Einrichten des Homeoffice muss der Arbeitgeber überprüfen, ob der Arbeitsplatz den gesetzlichen Vorgaben genügt, und notfalls nachbessern.

Das bedeutet dann auch, dass entweder ein Mitarbeiter der Firma oder ein Beauftragter für Arbeitssicherheit Zutritt zum Homeoffice erhalten muss. Wie ein solches Zutrittsrecht aussieht, sollte am besten in der Homeoffice-Vereinbarung geklärt sein. Maßnahmen zum Brandschutz muss das Unternehmen übrigens nicht durchführen, also weder Brandmelder noch Feuerlöscher zur Verfügung stellen oder Fluchtwege überprüfen. Auch Bad oder Küche gehen den Arbeitgeber im Falle eines Homeoffice nichts an.

Wie sieht es mit der gesetzlichen Unfallversicherung im Homeoffice aus?

Die gesetzliche Unfallversicherung gilt grundsätzlich auch am heimischen Arbeitsplatz. Angestellte sind automatisch über ihren Arbeitgeber versichert, Selbstständige und Freiberufler müssen sich selbst um ihren Versicherungsschutz bei der Berufsgenossenschaft kümmern. Allerdings ist im Homeoffice wirklich nur das versichert, was im unmittelbaren Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht. Im Arbeitszimmer sind alle arbeitsbezogenen Tätigkeiten versichert. Diese Regelung gilt auch für weitere Räume, wenn beispielsweise der Drucker oder Kopierer in einem anderen Raum steht. Die Wege dorthin sind ebenfalls versichert. Kein Versicherungsschutz gilt hingegen auf dem Weg zur Toilette oder in die Küche. Diese Wege sind – anders als im Betrieb – im heimischen Büro nicht versichert. Wer bei schönem Wetter auf der Terrasse arbeitet, genießt Versicherungsschutz. Wer jedoch auf dem Weg dorthin stolpert und sich verletzt, genießt keinen Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaft.

Welche Versicherungen braucht man im Homeoffice?

Selbstständige und Freiberufler müssen sich selbst um eine Unfallversicherung bei der Berufsgenossenschaft kümmern. Angestellte sind bereits gesetzlich unfallversichert. Zusätzlich ist es wichtig, dass auch die Einrichtung des Homeoffice abgesichert ist. Was passiert beispielsweise im Falle eines Brandes oder nach einem Einbruch? Die private Hausratversicherung dürfte in den meisten Fällen nicht für den heimischen Arbeitsplatz gelten. Gegebenenfalls lässt sich das Arbeitszimmer zusätzlich versichern oder der Arbeitgeber schließt eine Versicherung ab. Auch eigene Missgeschicke oder die der Kinder sollten nach Möglichkeit abgesichert werden. Deshalb empfiehlt es sich, den Familienhaftschutz zu prüfen, etwa für den Fall, dass ein Kind den Bildschirm vom Tisch schießt oder sonstigen Schaden anrichtet. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die beschränkte Arbeitnehmerhaftung normalerweise nur für den Arbeitnehmer gilt, nicht hingegen für seine Kinder oder den Ehepartner. Dies kann aber in der Homeoffice-Vereinbarung geregelt werden.

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Ausgewählte Rechtstipps zum Thema „Arbeitssicherheit und Versicherungsschutz“

Wichtige Gesetze und Urteile zum Thema

  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV): Die Arbeitsstättenverordnung enthält Regelungen zum Schutz der Gesundheit von Arbeitnehmern beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten. Für sog. Telearbeitsplätze gilt sie allerdings nur in Teilen, denn es werden nur die §§ 3 und 6 sowie der Anhang Nummer 6 angewendet.
  • Bildschirmarbeitsplatzverordnung (BildscharbV): Diese Verordnung hat früher die Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze geregelt. Bei der Novellierung der Arbeitsstättenverordnung wurde die Verordnung als Anhang 6 in diese integriert. Die Anforderungen gelten damit weiterhin, und zwar sowohl im Büro als auch im Homeoffice.
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Das Arbeitsschutzgesetz ist quasi das Grundgesetz des deutschen Arbeitsschutzes. Zu den wichtigsten Regeln gehört die sog. Gefährdungsbeurteilung, die Arbeitgeber durchführen müssen. Es handelt sich dabei um den Prozess der systematischen Ermittlung und Bewertung aller relevanten Gefährdungen, denen Arbeitnehmer bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind. Sie muss nicht nur im Büro, sondern auch im Homeoffice durchgeführt werden.
  • Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und Datenschutzgrundverordnung (DSGVO): Wird im Homeoffice mit personenbezogenen Daten gearbeitet, müssen die Regeln zum Datenschutz eingehalten werden. Diese sind im Datenschutzgesetz bzw. der Datenschutzgrundverordnung verankert.  
  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG): Das Arbeitszeitgesetz regelt die öffentlich-rechtlichen Vorgaben zur Arbeitszeit. Davon abzugrenzen ist aber die Arbeitszeit, zu der Arbeitnehmer arbeitsvertraglich verpflichtet sind.
  • BSG, Urteil v. 05.07.2016, Az.: B 2 U 5/15 R: Wegeunfälle innerhalb der Wohnung sind im Homeoffice nicht unfallversichert. 
  • SG Hannover, Urteil v. 17.12.2015, Az.: S 22 U 1/15: Der Weg zum Kindergarten ist beim Homeoffice nicht vom Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung erfasst. 

Checkliste: Sicherheit und Versicherungen im häuslichen Arbeitszimmer

Einhaltung der Arbeitsstättenverordnung kontrollieren

In der Arbeitsstättenverordnung ist klar geregelt, wie ein Arbeitsplatz im Homeoffice auszusehen hat. Ein Blick in die Verordnung lohnt sich, schon allein um festzustellen, was gegebenenfalls an Büromöbeln und Technik angeschafft werden muss. Sind Neuanschaffungen notwendig, so muss normalerweise der Arbeitgeber die Kosten übernehmen.

Sicherheitsmaßnahmen regeln

Wichtig ist für Arbeitnehmer auch, ganz klar zu regeln, welche Sicherheitsvorkehrungen sie im Homeoffice zu treffen haben und welche Regeln sie einhalten müssen. Der sicherste Weg hierzu ist eine eindeutige Regelung in der Homeoffice-Vereinbarung, die z. B. klärt, wie wichtige Dokumente aufzubewahren sind, welcher Passwortschutz einzuhalten ist, ob und wann das häusliche Zimmer abgeschlossen werden muss usw.

Arbeitshöchstzeiten nach dem Arbeitszeitgesetz beachten

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gilt uneingeschränkt auch im Homeoffice. Danach müssen Arbeitnehmer nach spätestens sechs Stunden mindestens eine Pause von 15 Minuten machen. Insgesamt müssen Sie 30 Minuten Pause machen. Arbeiten sie insgesamt mehr als neun Stunden, muss die Pause sogar mindestens 45 Minuten lang sein. Die maximal zulässige tägliche Arbeitszeit beträgt 11 Stunden. Zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn müssen sie eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben.

Schutz der Unfallversicherung gilt nur mit Einschränkungen

Arbeitnehmer sind auch im Homeoffice gesetzlich unfallversichert. Wer neuerdings zu Hause arbeitet, sollte sich nur klarmachen, wann die gesetzliche Unfallversicherung nicht leistet. So sind beispielsweise Toilettengänge oder das Mittagessen in der Küche nicht versichert. Der Versicherungsschutz ist im Betrieb damit umfassender als bei der Arbeit zu Hause. Selbstständige und Freiberufler müssen sich selbst um den Versicherungsschutz bei der Berufsgenossenschaft kümmern.

Versicherungsschutz für Einrichtung des Homeoffice klären

Klären Sie am besten, ob Ihre private Hausratversicherung auch Schäden im Homeoffice übernimmt oder ob der Versicherungsschutz erweitert werden muss. Gegebenenfalls muss auch das Unternehmen eine Police abschließen, damit das Firmeneigentum bei Einbruch oder Brand versichert ist. Das Gleiche gilt für Schäden, die Sie oder Ihre Familienangehörigen verursachen. Klären Sie mit Ihrer Versicherung, ob von Ihnen oder Familienmitgliedern verursachte Schäden an Technik und Möbeln der Firma versichert sind. Unter Umständen ist auch hier der Arbeitgeber dafür zuständig, eine entsprechende Versicherung abzuschließen.

Schäden durch Familienangehörige absichern

Wichtig ist zudem, dass Sie den Anwendungsbereich der sog. beschränkten Arbeitnehmerhaftung in der Homeoffice-Vereinbarung auf ihre Familienangehörigen ausdehnen. Andernfalls müssen Sie diese Schäden immer in voller Höhe ersetzen, auch wenn Sie nur leicht fahrlässig gehandelt haben.

Notwendigkeit weiterer Versicherungen klären

Abhängig davon, ob Sie als Arbeitnehmer oder als Selbstständiger im Homeoffice arbeiten, können weitere Versicherungen wie etwa eine Berufshaftpflicht oder eine eigene Krankenversicherung nötig sein. Welche Risiken Sie als Unternehmer absichern können und sollten, erfahren Sie in unserem Themengebiet Versicherungsschutz.

Brandschutz sicherstellen  

Sich vor Bränden zu schützen, ist im privaten Wohnbereich besonders wichtig. Wer auf Nummer sicher gehen will, sorgt deshalb auch im häuslichen Arbeitszimmer für Brandschutz. Ein Rauchmelder ist in jedem Fall zu empfehlen, ebenso wie ein Feuerlöscher.

Wussten Sie schon?

Ende 2016 ist die neue Arbeitsstättenverordnung in Kraft getreten, die erstmals regelt, wie sogenannte Telearbeitsplätze oder eben das Homeoffice auszusehen haben. Unter Telearbeitsplätzen versteht die Arbeitsstättenverordnung vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten. Mit der Neuregelung der Arbeitsstättenverordnung soll sichergestellt werden, dass Arbeitgeber sich auch um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Arbeitnehmer kümmern, wenn diese ihre Arbeit nicht im Betrieb, sondern im häuslichen Arbeitszimmer erbringen.

Ursprünglicher Entwurf war mit der Privatsphäre von Arbeitnehmern unvereinbar

Im Entwurf von 2014 war zunächst vorgesehen, dass Telearbeitsplätze die allgemeinen Anforderungen an Arbeitsplätze einhalten müssen. Das war in der Praxis aber nicht umsetzbar. Eine solche Regelung hätte dazu geführt, dass Arbeitgeber in regelmäßigen Abständen verpflichtet gewesen wären, die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter zu überprüfen. Dazu würden dann auch Faktoren wie Raumtemperatur, Sonneneinstrahlung oder auch die Kontrolle der sanitären Einrichtungen, des Brandschutzes und von Fluchtwegen gehören. Ein solcher Eingriff in die Privatsphäre und ein regelmäßiges Erscheinen des Arbeitgebers in Privaträumen ist rechtlich aber kaum durchzusetzen.

Arbeitgeberpflichten bei der Arbeitssicherheit im Homeoffice

Deshalb legt die Neuregelung der Arbeitsstättenverordnung lediglich fest, dass die Anforderungen für Bildschirmarbeitsplätze erfüllt werden müssen. Das bezieht sich hauptsächlich auf die Einrichtung und Ausstattung des Bildschirmarbeitsplatzes mit Mobiliar, Kommunikationsmitteln und sonstige Arbeitsmitteln.

Demnach müssen Arbeitgeber den Arbeitsplatz nur zu Beginn der Arbeit im Homeoffice beurteilen und danach nicht regelmäßig überprüfen, ob auch weiterhin alles seine Richtigkeit hat. Auch muss eine erstmalige Unterweisung erfolgen, beispielsweise auch zu den Themen Arbeitsschutz und Pausen.

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