Droht eine nachträgliche Beschränkung des Widerrufs nach Urteil des EuGH?

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Mit seiner Entscheidung vom 26.03.2020 – C-66/19 hat der EuGH für Aufsehen gesorgt. Mit dieser Entscheidung hat der EuGH festgestellt, dass die von Banken und Sparkassen in Deutschland nach Juni 2010 bis März 2016 verwendete Widerrufsinformation zu Darlehensverträgen nicht mit europäischem Recht vereinbar ist. Diese Entscheidung des EuGH bietet vielen tausenden Darlehensnehmern die Möglichkeit, sich von ihren Darlehensverträgen zu trennen und von der günstigen Zinsentwicklung zu profitieren.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang, dass damit auch der deutsche Gesetzgeber in die Schranken gewiesen wird. Denn diese von Banken und Sparkassen verwendete Widerrufsinformation entspricht regelmäßig den gesetzlichen Vorgaben des deutschen Gesetzgebers und dem von ihm zur Verfügung gestellten Muster. Damit hat auch der deutsche Gesetzgeber bei der Umsetzung der europäischen Richtlinie, welche die Grundlage für die Regelung des Widerrufsrechts bei Darlehensverträgen ist, gegen europäisches Recht verstoßen.

Daher stehen auch Ansprüche des Verbrauchers und der Banken und Sparkassen gegen den deutschen Staat im Raum.

Dies könnte möglicherweise den deutschen Gesetzgeber dazu bewegen, der massenhaften Erklärung des Widerrufs auf Grundlage der Entscheidung des EuGH im Schatten der aktuell alles – auch medial – beherrschenden Corona-Krise einen Riegel vorzuschieben und eine gesetzliche Befristung für den Widerruf bei den zwischen dem Juni 2010 und März 2016 betroffenen Darlehen vorzusehen.

Ähnlich hat der deutsche Gesetzgeber bereits in der Vergangenheit gehandelt. So wurden Banken und Sparkassen bereits für Darlehen, die zwischen 2002 und Juni 2010 abgeschlossen worden sind, mehrere Widerrufsbelehrungsmuster zur Verfügung gestellt, welche nicht unerhebliche Mängel aufwiesen bzw. zumindest erhebliche Kritik auf sich zogen. Folge dessen war, dass auf Banken und Sparkassen eine regelrechte Widerrufswelle hunderttausender Verbraucher, die von der positiven Zinsentwicklung profitieren konnten, zugerollt kam. Daraufhin hat der deutsche Gesetzgeber eine Ausschlussfrist zum Widerruf dieser Darlehen gesetzt.

Damals wurde medial sehr stark auf diese Ausschlussfrist hingewiesen, was zahlreiche Verbraucher noch dazu bewogen hat, den Widerruf zu erklären, bevor die Ausschlussfrist greift. Aktuell konzentriert sich die mediale Aufmerksamkeit sehr stark auf die Corona-Pandemie. Insofern besteht nicht nur die Gefahr, dass betroffene Darlehensnehmer von der Entscheidung des EuGH und den sich hierdurch für sie bietenden erheblichen wirtschaftlichen Vorteilen überhaupt keine Kenntnis erlangen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass medial unbemerkt dieses Widerrufsrecht durch gesetzgeberische Maßnahmen verfristen könnte.

Rechtsanwaltskanzlei KSR, Nürnberg. Wir beraten und vertreten als Fachanwaltskanzlei für Bank- und Kapitalmarktrecht seit mehr als 15 Jahren Mandanten im Zusammenhang mit der Vermittlung von Kapitalanlagen und der fehlerhaften Beratung von Kapitalanlegern in ganz Deutschland.


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