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Das handschriftliche Testament: 10 Fragen und Antworten

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Das handschriftliche Testament: 10 Fragen und Antworten

Experten-Autor dieses Themas

Wer seinen letzten Willen aufsetzen will, kann das grundsätzlich handschriftlich selbst tun – ganz ohne Notar oder Anwalt. Dabei ist jedoch einiges zu beachten. Die Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen geben wir Ihnen in diesem Ratgeber.

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Wann ist ein handschriftliches Testament gültig?

Die wichtigsten Formvorschriften für ein handschriftliches Testament ergeben sich direkt aus § 2247 Absatz 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): „Der Erblasser kann ein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten.“ Das bedeutet, dass der gesamte Text persönlich, Wort für Wort und handschriftlich niedergeschrieben werden muss. Die Unterschrift gehört abschließend unter den Text. 

Auch chaotisches Gekritzel mit einem Bleistift auf einem Bierdeckel kann ein formgerecht errichtetes eigenhändiges Testament sein. Empfehlenswert ist aber natürlich ein gut lesbarer Text auf einem ordentlichen Blatt Papier – schon um Zweifel auszuräumen, ob überhaupt ernsthaft ein letzter Wille errichtet werden sollte.

Wann wird ein handschriftliches Testament nichtig und anfechtbar?

Abgesehen von der Form richtet sich die Gültigkeit von handschriftlichen Testamenten nach den allgemeinen Regeln des Erbrechts. Daher sind zum Beispiel Testamente bei fehlender Testierfähigkeit oder bei Sittenwidrigkeit nichtig. 

Außerdem können letztwillige Verfügungen – ob handschriftlich oder notariell – anfechtbar sein, wenn sie etwa aufgrund einer Täuschung oder eines Irrtums des Erblassers entstanden sind. Unwirksam kann ein Testament darüber hinaus auch sein, soweit es einer früheren Verfügung widerspricht, an die Sie gebunden sind – also ein Ehegattentestament oder ein Erbvertrag.

Müssen Ort und Zeit der Testamentserrichtung angegeben werden?

Anders als die Unterschrift sind die Angaben von Ort und Datum beim Testament keine zwingenden Kriterien für die Gültigkeit. Fehlen diese Angaben und entstehen hieraus Zweifel an der Wirksamkeit des Testaments, ist Ihr Testament aber nur dann gültig, wenn sich Zeit und Ort der Errichtung auf andere Weise feststellen lassen.  

Wichtig ist das Datum der Testamentserrichtung auch für die Frage, welche von mehreren Verfügungen die letzte war, da mit ihr die vorherigen regelmäßig widerrufen werden. Und auch bei demenzkranken Erblassern ist die Zeit der Errichtung entscheidend für die Frage, ob sie bei der Errichtung des Testaments noch testierfähig waren.

Welche Besonderheiten gelten für ein handschriftliches Berliner Testament?

Verheiratete Paare können auch gemeinsam eine letztwillige Verfügung errichten. Das bekannteste gemeinschaftliche Ehegattentestament ist das sogenannte Berliner Testament, bei dem sich die Ehegatten gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und nach dem Tod des Letztversterbenden die gemeinsamen Kinder als Schlusserben zum Zuge kommen.  

Auch solche gemeinschaftlichen Testamente können Sie handschriftlich errichten. Dann reicht es aus, wenn einer der Ehegatten den Text des Testaments niederschreibt und beide am Ende jeweils ihre Unterschriften mit Ort und Datum ergänzen.  

Im Gegensatz zum Berliner Testament kann ein Erbvertrag allerdings nicht handschriftlich errichtet werden. Erbverträge müssen stets notariell beurkundet werden, um wirksam zu sein.

Welche Nachteile hat ein handschriftliches Testament?

Eigenhändig errichtete Testamente bergen einige Gefahren. Vor allem geben sie häufig nicht den tatsächlichen Willen des Erblassers wieder, wenn dieser juristische Begriffe falsch verwendet, wichtige Punkte nicht regelt oder den Nachkommen zu viele Interpretationsmöglichkeiten gibt. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass das handschriftliche Testament nachträglich verfälscht wird, vernichtet wird oder auf sonstige Weise abhandenkommt.  

Auch bei der Abwicklung der Erbschaft ist das handschriftliche Testament nicht immer optimal. So kann man sich mit einem lediglich handschriftlich errichteten Testament gegenüber dem Grundbuchamt nicht als Erbe legitimieren und benötigt für die Grundbuchberichtigung für Nachlassimmobilien einen Erbschein, der bei einer notariellen Verfügung nicht nötig gewesen wäre.

Wo sollte man ein selbst geschriebenes Testament aufbewahren?

Das Risiko, dass die letztwillige Verfügung nachträglich verfälscht wird oder im Erbfall nicht auffindbar ist, besteht bei notariell errichteten Testamenten nicht. Diese landen automatisch in der amtlichen Verwahrung beim Nachlassgericht. Eine solche Hinterlegung ist jedoch auch für handschriftlich errichtete Testamente gegen eine Gebühr möglich und grundsätzlich empfehlenswert.  

Machen Sie dafür einen Termin bei der zuständigen Abteilung des Amtsgerichts und bringen Sie das Testament im Original, Ihren Personalausweis und eine Geburtsurkunde mit. Mit der amtlichen Verwahrung stellen Sie sicher, dass das Testament im Erbfall auch tatsächlich eröffnet wird.

Wo findet man Muster für ein handschriftliches Testament?

Im Internet finden Sie eine Vielzahl von Mustern und Vorlagen für Testamente. Deren Qualität hängt stark vom jeweiligen Verfasser ab. Auch bei einer sehr guten Vorlage ist es entscheidend, die hinter dem Text stehenden Regelungen auch im Detail zu verstehen. 

Darüber hinaus behandeln Testaments-Muster regelmäßig nur die besonders häufigen Konstellationen. Sie müssen also erkennen, ob Sie Ihre Vorstellungen hinreichend darin wiederfinden.

Kann man ein notarielles Testament handschriftlich ändern?

Nicht selten wollen Erblasser ihren letzten Willen nachträglich ändern beziehungsweise widerrufen. In den meisten Fällen erfolgt das durch ein neues Testament, mit dem auch das alte widerrufen wird.  

Wurde eine letztwillige Verfügung notariell errichtet und befindet sich in der amtlichen Verwahrung, kann auch dieses durch ein handschriftliches Testament widerrufen und geändert werden. Es empfiehlt sich aber stets, zusätzlich auch die notarielle Verfügung aus der amtlichen Verwahrung zu nehmen.

Wann ist die Beurkundung durch einen Notar sinnvoll?

Wenn Sie nicht über fundierte Kenntnisse im Erbrecht verfügen, werden Sie häufig nicht in der Lage sein, selbst ein Testament zu errichten, das nicht nur formwirksam ist, sondern auch zweckmäßig die Erbfolge und alles andere so regelt, wie Sie es geplant hatten. Bei der notariellen Testamentserrichtung berät Sie der Notar sowohl im Vorfeld als auch bei der Beurkundung hinsichtlich der Regelungsmöglichkeiten und der erbrechtlichen Konsequenzen der einzelnen Formulierungen. Ein weiterer Vorteil des notariellen Testaments ist, dass es in allen Fällen den Erbschein als Legitimation der Erben ersetzen kann.

In welchen Fällen ist die Hinzuziehung eines Anwalts sinnvoll?

Eine weitere Möglichkeit, ein Testament in die Welt zu setzen, besteht darin, gemeinsam mit einem Rechtsanwalt ein Testament zu entwerfen und dann handschriftlich selbst zu errichten. Ein erfahrener Anwalt für Erbrecht kann umfassend zu allen Bereichen der Nachfolge beraten, insbesondere auch – anders als der Notar – zu steuerlichen Aspekten und Optimierungsmöglichkeiten des Testaments. Anders als beim Notar, dessen Beurkundungsgebühr sich streng nach dem betroffenen Vermögen richtet, ist das Honorar für einen Testamentsentwurf durch einen Anwalt frei verhandelbar und wird bei großen Vermögen häufig unter den Kosten des Notariats liegen.

Foto(s): ©Pexels/Kampus Production

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Rechtstipps zu "Testament handschriftlich" | Seite 4

  • 22.09.2023 Rechtsanwältin Corinna Ruppel LL.M.
    „… ungültig sein kann, möchten uns jetzt näher beschäftigen. Mangelnde Testierfähigkeit Wann ist ein handschriftliches Testament ungültig ? Manchmal ist es die mangelnde Testierfähigkeit, die dazu führt …“ Weiterlesen
  • ERBSCHEIN
    31.05.2023 Rechtsanwältin Katharina Liffers
    „… vernichtet oder auf sonstige Weise widerrufen worden sei. Nach erfolgter Beweisaufnahme kam das Gericht jedoch zu dem Schluss, dass die Erblasserin ein formgültiges handschriftliches Testament erstellt …“ Weiterlesen
  • 24.05.2023 Rechtsanwalt Wolf Frhr. von Buttlar
    „… der notariellen Form oder der kostengünstigeren Variante des eigenhändigen Testaments, bei dem das Testament vollständig handschriftlich verfasst sein muss. In der Praxis tauchen immer wieder …“ Weiterlesen
  • 25.04.2023 Rechtsanwältin Kathrin Fedder-Wendt
    „… , dass die Handschrift des neuen Testaments (angeblich die Handschrift der Erblasserin) nicht mit der Handschrift des alten Testaments (definitiv die Handschrift der Erblasserin) übereinstimmte …“ Weiterlesen
  • 20.04.2023 Rechtsanwältin Eva Wolter
    „… , notarielles Testament oder öffentliches Testament erstellt werden. Ein eigenhändiges Testament kann vom Testierenden selbst handschriftlich geschrieben werden, während ein notarielles oder öffentliches …“ Weiterlesen
  • 04.04.2023 Rechtsanwalt Bernfried Rose LL. M.
    „… . Ein handschriftliches Testament reicht aber nicht aus, um die Anforderungen des Grundbuchamts zu erfüllen. Praxistipp : Häufig kann man gleichzeitig mit dem Erbschein auch die Grundbuchberichtigung beim Amtsgericht …“ Weiterlesen
  • 04.04.2023 Rechtsanwalt Dirk Wittstock
    „… , ein gemeinschaftliches Testament errichten können. Das Testament kann handschriftlich, als notarielles Testament oder als gemeinschaftliches öffentliches Testament errichtet werden …“ Weiterlesen
  • 29.03.2023 Rechtsanwältin Dorothee von Detten
    „… ) kennt dabei insbesondere das eigenhändige (handschriftliche) Testament als auch das notariell beurkundete Testament. Auch eine fehlende Testierfähigkeit aufgrund geistiger Defizite führt dazu …“ Weiterlesen
  • 14.03.2023 Rechtsanwalt Martin J. Haas
    „… ein handschriftliches Testament vorlag. Auf diese Rechtsprechung (zu Lasten von Banken) geht das Oberlandesgericht München in seiner Entscheidung mit keinem Wort ein, was zu dem jedenfalls auf den ersten …“ Weiterlesen
  • 13.03.2023 Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Gottwald
    „… Schlusserben (nicht Nacherben, das ist etwas anderes). b) Wie errichtet man ein Berliner Testament? Grundsätzlich so, wie jedes andere Testament auch, also entweder handschriftlich oder vor einem Notar …“ Weiterlesen
  • 12.03.2023 Rechtsanwalt Vladislav Dimitrov
    „… der gebräuchlichsten Testamentsformen: Eigenhändiges Testament : Das eigenhändige Testament wird vom Erblasser handschriftlich verfasst und unterschrieben. Es muss vollständig handschriftlich sein, d.h …“ Weiterlesen
  • 26.02.2023 Rechtsanwalt Christian Keßler
    „Trotz der unklaren Bedeutung des Begriffs "Berliner Testament" kann die Erklärung in einem gemeinschaftlichen Testament, dass das "übrige Vermögen durch ein Berliner Testament" vererbt …“ Weiterlesen
  • 24.02.2023 Rechtsanwalt Dr. Stephan Schmidt
    „… . Diese pflegte ihn auch nach einem Schlaganfall. Mit ihrer Tochter bestand ein enges familiäres Verhältnis. Er erteilte ihr deshalb eine umfassende Vorsorgevollmacht. In einem handschriftlichen Testament …“ Weiterlesen
  • 08.02.2023 Rechtsanwalt Burkhardt Jordan
    „… es handschriftlich oder notariell errichtet wurde. Dies kann sich jedoch in ausländischen Rechtsordnungen unterscheiden. Testamente synchronisieren Wenn also zwei Testamente vorhanden …“ Weiterlesen
  • 25.01.2023 Rechtsanwalt Martin J. Haas
    „… ZR 311/04 oder ein handschriftliches Testament nebst Eröffnungsniederschrift des Nachlassgerichts existiert (vgl. Urteil vom 5.4.2016, Az.: XI ZR 440/15) kann in diesen Fällen der Erbe im Regelfall …“ Weiterlesen
  • 21.03.2024 Rechtsanwalt Dr. Daniel Elias Serbu
    „… mit ihrem vorverstorbenen Ehemann ein gemeinsames handschriftliches Testament errichtet. Kurz vor ihrem Tod wurde sie in ein Krankenhaus eingeliefert, wo sie bis zu ihrem Tod in Behandlung war …“ Weiterlesen
  • 03.01.2023 Rechtsanwalt Paul Reckmann Maître en droit
    „… . Form des Berliner Testaments Das Berliner Testament als Ehegattentestament kann handschriftlich errichtet werden. Hierbei reicht es aus, wenn ein Ehegatte sämtliche Verfügungen handschriftlich …“ Weiterlesen
  • 28.11.2022 Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Gottwald
    „… ). Wenn Sie das nicht wollen, wäre das zum Beispiel ein Grund, über die Errichtung eines Testaments nachzudenken. 2. Testierfähigkeit Wenn Sie selber bestimmen wollen, von wem Sie einmal beerbt werden, dann …“ Weiterlesen
  • 21.11.2022 Rechtsanwalt Bernfried Rose LL. M.
    „… mit der gewünschten Erbfolge zu schreiben bzw. ein bestehendes Testament zu ändern. Meist wird dies ein handschriftliches Testament sein, aber auch notarielle Testamente sind nicht sicher vor Manipulation …“ Weiterlesen
  • 14.11.2022 Rechtsanwalt Bernfried Rose LL. M.
    „… oder an ein gemeinschaftliches Ehegattentestament mit Bindungswirkung gebunden sind. Welche Formvorschriften müssen beachtet werden? Wenn Sie ein Testament schreiben, müssen Sie das vollständig handschriftlich tund …“ Weiterlesen
  • 16.10.2022 Rechtsanwalt Bernfried Rose LL. M.
    „… . Wird es von dem, der es errichtet hat, persönlich aus dieser Verwahrung zurückgenommen, gilt es als widerrufen. Wird dagegen ein handschriftliches Testament aus der amtlichen Verwahrung genommen, verliert …“ Weiterlesen
  • 23.09.2022 Rechtsanwalt Hansjörg Looser
    „… ein notarielles Testament erstellt. Nur ein Jahr später errichtete sie ein neues handschriftliches Testament, in dem sie ihre erste letztwillige Verfügung wirksam widerrief. Einige Monate später …“ Weiterlesen
  • 21.09.2022 Rechtsanwalt Jörg Schwede
    „… gestritten. Die Klägerin war die Tochter des Erblassers aus erster Ehe, die Beklagte seine zweite Ehefrau. Der Erblasser hinterließ insgesamt drei Testamente. Es handelte sich um zwei handschriftliche …“ Weiterlesen
  • 20.09.2022 Rechtsanwalt Bernfried Rose LL. M.
    „… nachzuweisen. Dazu ist man als Erbe aber nicht verpflichtet, wenn man ein notarielles oder handschriftliches Testament vorlegen kann, das vom Nachlassgericht eröffnet wurde und aus dem klar hervorgeht …“ Weiterlesen