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100.000,00 € Schmerzensgeld wegen zu spät erkannter Hautkrebserkrankung

(10.12.2015)

Das Oberlandesgericht Hamm hat mit Urteil vom 27.10.2015 AZ: 26 U 63/15 entschieden, dass einem Witwer wegen des Tods seiner Ehefrau ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000,00 € zusteht, da die behandelnden Hautärzte eine Hautkrebserkrankung grob fahrlässig nicht erkannt haben.

In dem Fall war eine 55-jährige Frau wegen der Verfärbung eines Zehennagels in dermatologischer Behandlung. Sie berichtete dabei von einer Stoßverletzung. Der behandelnde Hausarzt vermutete ein Nagelhämatom und forderte eine Nagelprobe zur histologischen Untersuchung an. Hierbei ergab sich eine bakterielle Infektion, worüber die Frau telefonisch informiert wurde. Eine weitere Behandlung durch die Dermatologen unterblieb.

In den Folgejahren ging die Verfärbung nicht weg, so dass die Frau einen zweiten Hautarzt aufsuchte. Dieser diagnostizierte bei der Frau Krebs, wobei sich in der Folge Metastasen in Lunge und Lymphknoten entwickelten. Vier Jahre nach dem ersten Besuch bei dem beklagten Hautarzt verstarb die Patientin.

Das Gericht warf dem beklagten Hautarzt vor, er hätte die Nagelprobe selbst entnehmen müssen, da nur er aufgrund seiner hautärztlichen Kenntnisse, das für die Probe relevante Gebiet sicher bestimmen konnte. Ferner wäre er verpflichtet gewesen, die Patientin wieder einzubestellen, da er sich nicht darauf verlassen konnte, dass ihr die Notwendigkeit einer weiteren Behandlung bekannt war. Das Gericht bewertet das Fehlverhalten als einen schweren Behandlungsfehler, bei dem eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln verstoßen worden ist.

gez. Julia Fellmer
Fachanwältin für Medizinrecht


Rechtstipp vom 10.12.2015
aus der Themenwelt Arzt und Patient und den Rechtsgebieten Arzthaftungsrecht, Medizinrecht

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