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Scheidungsfolgenvereinbarung – wann ist eine solche Vereinbarung nützlich für mich?

  • 4 Minuten Lesezeit
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Jede vernünftige Vereinbarung im Leben vermeidet Streit. So ist auch eine Scheidungsfolgenvereinbarung die beste Grundlage, wenn Sie mit Ihrem Partner über eine einvernehmliche Scheidung verhandeln und damit die meist kostenträchtige streitige Scheidung vermeiden wollen. In einer Scheidungsfolgenvereinbarung regeln Sie alle Rechte und Pflichten, die Sie im Hinblick auf Ihre Scheidung für regelungsbedürftig erachten.

Das Wichtigste für Sie

  • Sich einvernehmlich scheiden zu lassen, ist durchaus der Wunsch vieler Ehepaare. Dennoch gehen viele Paare Ihre Scheidung von vornherein auf eine eher streitige Herangehensweise an. Streitige Scheidungen kennen meist weder Sieger noch Verlierer.
  • In einer Scheidungsfolgenvereinbarung regeln Sie alle Rechte und Pflichten, die Sie im Hinblick auf Ihre Trennung und Scheidung für wichtig erachten. Sie vermeiden die mit einer streitigen Scheidung einhergehenden Risiken und Belastungen.
  • Mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung schaffen Sie die Grundlage, sich einvernehmlich scheiden zu lassen.
  • Auch wenn Sie darin möglicherweise Kompromisse eingehen, stellen Sie sich erfahrungsgemäß immer besser, als wenn Sie sich streitig vor Gericht auseinandersetzen und sich im Ergebnis als Verlierer fühlen.
  • Mit einer einvernehmlichen Scheidung, die Sie mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung absichern, reduzieren Sie den Kostenaufwand für Ihr Scheidungsverfahren auf ein Minimum.

Inhalt

1. Habe ich denn die Wahl, wegen meiner Scheidung überhaupt eine Vereinbarung zu treffen?

2. Was ist eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

3. Worin liegt der vorrangige Vorteil einer Scheidungsfolgenvereinbarung?

4. Wo ist der Zusammenhang zwischen einvernehmlicher Scheidung und Scheidungsfolgenvereinbarung?

5. Vermeide ich mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung die streitige Scheidung?

6. Welche Bedeutung hat eine Scheidungsfolgenvereinbarung für meine Zukunft?

7. Worin liegen die finanziellen Vorteile einer Scheidungsfolgenvereinbarung?

8. In welchen Fällen empfiehlt sich eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

1. Habe ich denn die Wahl, wegen meiner Scheidung überhaupt eine Vereinbarung zu treffen?

Ihre Frage ist begründet. Es ist wie beim Friedensschluss zwischen zwei verfeindeten Staaten. Jede Vereinbarung setzt voraus, dass sich beide Parteien einig sind und den Frieden wirklich wollen. Voraussetzung ist also von vornherein, dass Sie in Ihrer Person den Wunsch und das Ziel haben, Ihre Scheidung möglichst einvernehmlich abzuwickeln. Damit schaffen Sie selbst die Grundlage, dass auch Ihr Partner die Chance sieht, sich einvernehmlich scheiden zu lassen. Einer muss den Anfang machen. Dann dürfen Sie die Erwartung haben, dass der andere nachzieht. Wenn Sie aber von vornherein „auf Streit gebürstet“ sind, dürfen Sie umgekehrt davon ausgehen, dass Sie Ihren Partner zur Gegenwehr provozieren. Also: Grundsätzlich haben Sie die Wahl. Machen Sie den Anfang. Nur so gelingt der erste Schritt. Verhält sich Ihr Partner kompromisslos, sollten Sie gute Argumente an der Hand haben, ihn oder sie davon zu überzeugen, die Scheidung einvernehmlich abzuwickeln. Um genau diese Vorteile geht es im nachfolgenden Text. Wichtig ist, dass Sie sich mental selbst davon überzeugen, dass die einvernehmliche Scheidung der beste Weg ist, Ihre Ehe abzuwickeln. Die bloße Absicht ist schon gut. Im Hinblick auf Ihren Partner sollten Sie aber auch wissen, warum und aus welchen Gründen dieses Ziel keine wirkliche Alternative hat.

2. Was ist eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

In einer Scheidungsfolgenvereinbarung regeln Sie die Rechte und Pflichten, die Sie im Hinblick auf Ihre Trennung und ihre Scheidung regeln möchten. Im Idealfall treffen Sie die Scheidungsfolgenvereinbarung außergerichtlich, ohne dass Sie das Familiengericht bemühen müssen. Gegebenenfalls lässt sich eine solche Scheidungsfolgenvereinbarung auch noch im Scheidungsverfahren unter den Augen des Richters verhandeln. Besser ist dennoch, dass Sie von vornherein die Weichen richtigstellen und mit einer frühzeitig dokumentierten Scheidungsfolgenvereinbarung Ihre einvernehmliche Scheidung ermöglichen.

3. Worin liegt der vorrangige Vorteil einer Scheidungsfolgenvereinbarung?

Viele Scheidungen verlaufen unnötigerweise als streitige Scheidung. Die Ehepartner sind sich meist nicht bewusst, auf was für ein kostenträchtiges, zeitaufwendiges und nervenaufreibendes Verfahren sie sich einlassen. Selten ist wirklich kalkulierbar, was der Richter entscheidet. Sie vermeiden dieses Szenario, wenn Sie Ihre Scheidung als einvernehmliche Scheidung gestalten und eventuelle Scheidungsfolgen außergerichtlich in einer Scheidungsfolgenvereinbarung regeln.

4. Wo ist der Zusammenhang zwischen einvernehmlicher Scheidung und Scheidungsfolgenvereinbarung?

Das eine bedingt das andere: Eine einvernehmliche Scheidung setzt regelmäßig voraus, dass Sie sich über eventuelle Scheidungsfolgen verständigt haben. Dazu bietet sich eine Scheidungsfolgenvereinbarung geradezu an. Beispielsweise regeln Sie, wie Sie den gesetzlich vorgesehenen Zugewinnausgleich handhaben wollen, in welcher Form der nicht betreuende Elternteil den Umgang mit dem gemeinsamen Kind wahrnimmt, wie lange und in welcher Höhe Ehegattenunterhalt gezahlt wird oder wie Sie mit gemeinsam begründeten Verbindlichkeiten umgehen wollen. Sehen Sie sich in der glücklichen Lage, eine Scheidungsfolgenvereinbarung zu treffen, ist der Weg für eine einvernehmliche Scheidung offen.

5. Vermeide ich mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung die streitige Scheidung?

Es ist gerade Sinn und Zweck der Scheidungsfolgenvereinbarung, die streitige Scheidung und den oft damit einhergehenden Rosenkriegen oder Schlammschlachten zu vermeiden. Sie vermeiden auch, dass Ihre Kinder und Ihre Familienangehörigen in Ihre ehelichen Auseinandersetzungen hineingezogen werden. Sie schaffen also klare Verhältnisse.

6. Welche Bedeutung hat eine Scheidungsfolgenvereinbarung für meine Zukunft?

Sie sollten sich vor Augen führen, dass jede streitige Auseinandersetzung im Scheidungsverfahren Geld kostet, viel Zeit bindet und Sie fortlaufend emotional an Ihre Ehe erinnert. Wenn Sie geschiedene Paare nach der Scheidung fragen, warum Sie eigentlich so gestritten haben, werden Sie selten sachlich fundierte Antworten bekommen. Meist geht es nur darum, dass Enttäuschungen, Rachegefühle, Wut und Eitelkeiten maßgebliche Faktoren waren, sich streitig scheiden zu lassen. Die Aussage: „Hätten wir es anfangs besser gewusst, hätten wir uns anders verhalten“, ist das beste Argument dafür, dass Sie mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung Ihre eheliche Vergangenheit hinter sich lassen und die Kraft haben, Ihr Leben nach der Scheidung neu zu gestalten. Jede streitige Auseinandersetzung blockiert und verzögert diesen Prozess. Letztlich torpediert sie den Prozess sogar, weil Sie nach einer streitigen Scheidung immer das Gefühl haben werden, Verlierer zu sein. Sie vermeiden diese Situation, wenn Sie in einer Scheidungsfolgenvereinbarung einvernehmlich regeln, was Ihnen wichtig ist.

7. Worin liegen die finanziellen Vorteile einer Scheidungsfolgenvereinbarung?

Ein wichtiger Vorteil einer solchen Scheidungsfolgenvereinbarung zeigt sich, wenn Sie sich den Kostenaufwand für Ihre Scheidung vor Augen führen. Mit der Scheidungsfolgenvereinbarung vermeiden Sie, dass Sie eine Scheidungsfolge vor Gericht verhandeln und entscheiden lassen müssen. Jede gerichtliche Auseinandersetzung über eine Scheidungsfolge verursacht zusätzliche Gebühren für das Gericht. Außerdem muss jeder Ehepartner durch einen eigenen Rechtsanwalt vertreten werden, sodass Gebühren für zwei Rechtsanwälte anfallen.

Verständigen Sie sich jedoch auf die einvernehmliche Scheidung, die Sie mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung abrunden, fallen lediglich die Gebühren für die notarielle Beurkundung an, die im Verhältnis zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung nahezu zu vernachlässigen sind. Selbst wenn Sie alternativ die Scheidungsfolgenvereinbarung gerichtlich protokollieren lassen, ist der Kostenaufwand immer noch weitaus geringer, als wenn Sie es auf eine streitige Scheidung ankommen lassen würden. Hinzu kommt noch, dass die Gerichte Ihre einvernehmliche Scheidung belohnen, indem sie den Verfahrenswert für Ihr Scheidungsverfahren so gering wie möglich ansetzen.

8. In welchen Fällen empfiehlt sich eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

Der Begriff der Scheidungsfolgenvereinbarung erfasst jede Absprache, die Sie im Hinblick auf Ihre Scheidung mit Ihrem Ehepartner treffen. Verständigen Sie sich darauf, dass Sie in der ehelichen Wohnung verbleiben und Ihr Partner auszieht, treffen Sie bereits eine Scheidungsfolgenvereinbarung. Eine solche Vereinbarung ist formlos wirksam und kann problemlos mündlich vereinbart werden. Gleiches gilt, wenn Sie den Hausrat untereinander aufteilen oder sich wegen dem Umgangsrecht für das gemeinsame Kind absprechen. Geht es jedoch darum, dass Sie vor Ihrer Scheidung Vereinbarungen über die Ausgestaltung des Zugewinnausgleichs, den nachehelichen Unterhalt oder den Versorgungsausgleich treffen, müssen Sie die Absprache notariell beurkunden lassen. Nur dann ist diese rechtsverbindlich. Alternativ kommt in Betracht, Absprachen dieser Art im mündlichen Scheidungstermin vom Richter protokollieren zu lassen. Auch dann sind diese rechtlich verbindlich. Allgemein ist festzustellen, dass Sie eine Scheidungsfolgenvereinbarung immer dann möglichst notariell beurkunden sollten, wenn Sie finanzielle Ansprüche untereinander regeln und eine gewisse Rechtssicherheit herbeiführen möchten.

Fazit

Eine Scheidungsfolgenvereinbarung kann nur eine gute Sache sein. Das Ergebnis, das Sie darin festschreiben, dürfte erfahrungsgemäß fast immer besser sein, als das, was Sie in einer streitigen Scheidung vor Gericht erreichen könnten.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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