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Blumen schenken? Auch an andere denken!

Rechtstipp vom 14.02.2014
Rechtstipp vom 14.02.2014
Blumen schenken? Auch an andere denken!
Neben Blüte, Duft und Frische achten immer mehr Verbraucher beim Blumenkauf auch auf ökologische und soziale Aspekte.

Zum Valentinstag schenkt man seinem Herzblatt gerne eine kleine Aufmerksamkeit oder lässt Blumen für sich sprechen. Allerdings ist bei der Blumenpracht nicht immer alles so rosig, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Viele Blumen kommen aus Übersee, wo sie oft unter sozial und ökologisch katastrophalen Bedingungen produziert werden. Um dem Problem Herr zu werden, wurden inzwischen spezielle Zertifikate und Siegel etabliert, die gewisse soziale und ökologische Mindeststandards gewährleisten sollen. Nach diesem Konzept soll letztendlich der Verbraucher mit seiner Kaufentscheidung für lebens- und naturwürdige Bedingungen in den Anbauländern sorgen. Die Redaktion von anwalt.de gibt einige Tipps für den Blumenkauf.

Blumenland Deutschland

Hierzulande werden Blumen besonders gerne verschenkt - nicht nur am Valentinstag. Kein Wunder also, dass Deutschland weltweit inzwischen der viertgrößte Markt für Schnittblumen ist. Doch die wenigsten davon kommen aus Deutschland. Rund 82 Prozent der Blütenpracht wird importiert. Die meisten Blumen stammen aus den Niederlanden. Allerdings werden dort nicht alle Schnittblumen auch angebaut. Etwa die Hälfte wird in anderen Ländern produziert. Kenia, Ecuador, Kolumbien, Israel und Zimbabwe sind die Hauptlieferanten. Die Rosen aus dem Supermarkt stammen hauptsächlich aus Kenia, Israel und Zimbabwe. Besonders edle Rosensorten, die man im Blumenladen findet, werden meist in Ecuador und Kolumbien produziert. Tulpen stammen überwiegend aus den Niederlanden. Chrysanthemen und Gerbera werden dort ebenfalls oder in Deutschland produziert. Orchideen stammen vor allem aus den Niederlanden oder direkt aus Thailand.

Exportschlager und Risikofaktor

Welche Vor- und Nachteile solche Blumenfarmen haben können, zeigt sich in Kenia: Das Land ist inzwischen der weltgrößte Blumenexporteur. Rund 200.000 Menschen aus den sog. Entwicklungsländern rund um den Äquator leben vom Blumenanbau. Auf riesigen Farmen werden hauptsächlich Rosen angebaut, die dann per Lastwagen und per Flugzeug in die Endabnehmerländer transportiert werden. Die Pflücker auf den Plantagen schuften dort zu Hungerlöhnen und unter gefährlichen Bedingungen. Auf den Rosenfeldern müssen sie hochgiftige Pestizide oft ohne Schutzkleidung versprühen. Auch das Wasserproblem verschärft sich. Zum Beispiel am Naivasha-See: Wegen der riesigen Anbauflächen bleibt laut Greenpeace den Massai immer weniger Weideland für ihr Vieh. Bis zur nächsten Wasserstelle müssen sie viele Kilometer Umwege in Kauf nehmen. Das Abwasser aus den Plantagen verseucht den See mit Pestiziden. Die Massai müssen dort aber ihr Vieh tränken. In der Kilimandscharo-Region wird mittlerweile in den Dörfern nachts das Wasser abgedreht, damit die riesigen Anbauflächen bewässert werden können.

Soziale und ökologische Produktion

Diese Missstände sind inzwischen immer mehr Verbrauchern ein Dorn im Auge. Aus diesem Grund wurden Schutz-Labels gegründet, die Blumen nur von Farmen anbieten, die ein gewisses soziales und ökologisches Mindestmaß garantieren. In vielen Supermärkten werden Blumen mit dem Fairtrade-Siegel angeboten, das für eine Produktion unter Einhaltung gewisser sozialer Mindeststandards steht, etwa dass in den zertifizierten Betrieben keine Kinder arbeiten. In den Blumenläden kann man Blumen mit dem FLP-Siegel finden. Das Flower Label Program steht für einen sozialen und gleichzeitig auch umweltschonenden Anbau. In den Lieferbetrieben werden keine hochgiftigen und krebserregenden Chemikalien eingesetzt. Eine Kontrolle findet einmal im Jahr statt. Obwohl FLP-Produkte teurer sind, kommt ein Kauf bereits den Floristen zugute, die wegen der Giftstoffe häufig unter Allergien leiden. Bei Blumen aus den Niederlanden fällt die Ökobilanz wegen des energieintensiven Anbaus in Gewächshäusern ebenfalls eher schlecht aus. Blumen von dort sollten möglichst mit dem MPS-A-Siegel ausgezeichnet sein. Das Zertifikat wird an europäische Großhändler mit besseren ökologischen Produktionsbedingungen vergeben.

Saison für Freilandblumen

Wer auf den Klimaschutz wert legt, kann zur passenden Jahreszeit auf Blumen regionaler Anbieter zurückgreifen. So spart man Energie, die ansonsten bei Transport und Anbau im Gewächshaus anfällt. Besonders umweltschonend sind daher Freilandblumen. Man kann viele schöne Exemplare aus dem Freilandanbau finden. Die Blumen aus heimischen Gefilden haben von Ende April bis Anfang November Saison. Das farbenfrohe Sortiment reicht von Dahlien über Glockenblumen, Godetien, Lobelien, Malven, Rittersporn, Sonnenblumen bis hin zu Zinnien. Diese Blumen sind auf Wochen- oder Ökomärkten erhältlich oder werden direkt ab Hof oder in der Gärtnerei verkauft. In Blumenläden findet man sie noch selten. Dort greift man eher auf Produkte aus den erwähnten, teilweise zertifizierten Blumenfarmen zurück.

Ökologischer Pflanzenanbau

Eine umweltschonende Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur steht beim ökologischen Landbau hierzulande im Mittelpunkt. Die Öko-Anbaubetriebe verzichten auf chemische Dünger, Pflanzenschutzmittel und auf Genpflanzen. Sie beachten auch den Gewässer- und Grundwasserschutz. Das tut der heimischen Flora und Fauna gut. Bestimmte synthetische Substrate sind dort tabu, etwa Hygromull, Steinwolle oder Styromull. Und statt Pflanzen mit Chemie zu trimmen, greifen Ökoanbauer lieber zur Schere und setzten Dünger sparsam ein. Weiter kommen bei der Produktion erneuerbare Energien und Rohstoffe zum Einsatz. Die Bioblumen sind mit der EU-Öko-Kontrollnummer versehen.

Naturschutz in Deutschland

Viele Ökobetriebe vermeiden zum Beispiel, bei der Blumenproduktion Torf zu verwenden. Laut BUND werden in Deutschland pro Jahr an die 10 Millionen Kubikmeter Torf abgebaut, hauptsächlich in den norddeutschen Mooren. Torf wird im Gartenbau als Kultursubstrat eingesetzt. Außerdem wird er als Brennstoff und in der Medizin oder Kosmetik verwendet. Vor dem Abbau müssen Moorflächen entwässert und mit einem weitreichenden Grabennetz durchsetzt werden. Das zerstört wertvolle Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen. Hinzu kommt, dass die Torfvorkommen endlich sind. Zum Schutz der Moore verzichten ökologische Pflanzenanbaubetriebe deshalb auf Torf. Auch Hobbygärtner können zum Moorschutz etwas beitragen. Bislang werden in heimischen Gärten nämlich an die 2 Millionen Kubikmeter Torf pro Jahr verbraucht.

Vertragliches zum Blumenkauf

Im Internet werden inzwischen auch ökologisch angebaute und zertifizierte Blumen angeboten. Doch das sind derzeit noch die Ausnahmen. Die meisten Onlineshops bieten Blumen aus konventionellem Anbau an. Der Blumenkauf per Mausklick erfolgt in zwei Varianten. Zum einen über Direktversand und zum anderen durch klassische Floristikdienste, die Blumen von örtlichen Floristen anbieten. Damit die Blumen die Liebste oder den Liebsten rechtzeitig erreichen, sollte man den Strauß frühzeitig ordern. Direktversender stellen die Blumen per Post zu. Einige bieten einen erweiterten Lieferservice und stellen den Strauß per Boten zu. Diese Expressangebote sind jedoch oft teurer als die Zustellung per Post. Allerdings geht man hier sicher, dass der Strauß rechtzeitig ankommt.

Rückgabe ist ausgeschlossen

Bei der Bestellung sollte man weniger auf das Bild zum Bouquet achten, sondern eher auf die Beschreibung seiner Bestandteile. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Internetshops finden sich häufig Klauseln, die dem Anbieter erlauben, aus saisonalen Gründen auch Ersatzblumen zu verwenden. Schnittblumen gehören zu den Waren, bei denen für den Onlinekauf ausnahmsweise kein ansonsten für Fernabsatzgeschäfte geltendes Widerrufsrecht gilt. Reklamationen sind jedoch möglich, wenn der Strauß zu klein ist oder die Blumen nicht mehr frisch sind. Am besten, man fügt der Reklamation ein Bild des Straußes bei. Dann lassen sich die Anbieter eher auf eine Preiserstattung oder Lieferung eines neuen Blumenstraußes ein.

Tipps für Haushalte mit Kleinkindern

In Haushalten mit kleinen Kindern ist bei der Auswahl der einzelnen Bestandteile des Straußes Sorgfalt geboten. Kleinkinder könnten die Blumen in den Mund stecken oder verschlucken. Abgesehen von der Belastung durch die Pestizide sind einige Blumenarten von Natur aus giftig. Die Informationszentrale gegen Vergiftung der Universität Bonn hat eine Liste von Pflanzen nach ihrer Giftigkeit zusammengestellt. Auch bei Tierfreunden sollten die Blumen mit Bedacht ausgewählt werden. Besonders Samtpfoten können dem Grünzeug kaum widerstehen. Das kann für sie aber beispielsweise bei Orchideen gefährlich werden. Wer sich nicht sicher ist, ob sein Blumengeschenk auch ungefährlich ist, muss die Blütenpracht nicht gleich entsorgen. Man kann die Blumen ganz einfach außer Reichweite von Kindern oder Haustieren stellen.

Blühende Frischhaltetipps

Wer seine Blumen lieber im Blumenladen kauft, kann ebenfalls einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und von Kunststofffolien Abstand nehmen. Ein Strauß bereitet dem Beschenkten sicher auch ohne Plastikhülle Freude. Auf Frischhaltemittel sollte man möglichst verzichten, um das Abwasser nicht zu belasten. Mit einigen Tricks halten Blumensträuße auch ohne Chemie länger. Schnittblumen sollten in frisches, zimmerwarmes Wasser gestellt werden. Davor sollten die unteren Blätter entfernt und die Stängel angeschnitten werden. Bei Rosen bleiben die Dornen aber besser dran. Gut steht die Blumenvase an Orten, wo es keine direkte Sonneneinstrahlung, Heizungs- und Zugluft gibt. Außerdem bleiben Blumen länger frisch, wenn sie nicht in der Nähe von Obst stehen. Alle zwei bis drei Tage sollte man die Vase auswaschen und den Blumen frisches Wasser gönnen.

(WEL)

Foto : ©iStockphoto.com/DawnPoland


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