Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Teilen

E-Mail

Facebook

Twitter

LinkedIn

Xing

Link

Blutsverwandtschaft als Erbvoraussetzung?

(11)
Blutsverwandtschaft als Erbvoraussetzung?
Der Streit ums Erbe kann Familien regelrecht entzweien.

Hat der Erblasser bestimmt, dass nur blutsverwandte Nachkommen erben sollen, so kann bereits darin die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft gesehen werden. Die Erstellung eines Testaments ist eine heikle Sache. Sinnlose oder sittenwidrige Bestimmungen bügeln die Gerichte als unwirksam ab. Außerdem kann es immer passieren, dass der bedachte Alleinerbe selbst verstirbt und somit entweder die gesetzliche Erbfolge – entgegen dem Willen des Erblassers – gilt oder sogar der Fiskus erbt. Es besteht aber die Möglichkeit, testamentarisch zu regeln, wer nach dem Bedachten den Nachlass erhalten soll.

Familienrecht Familienrecht: Das Wichtigste zu Ehe, Scheidung, Unterhalt und Sorgerecht

Tochter schlägt Erbe des Vaters aus

Der Erblasser erstellte ein Testament, nach dem seine Frau und seine Kinder ihn beerben sollten. Von den Kindern wiederum sollten nur mit dem Erblasser blutsverwandte Abkömmlinge etwas von dem Nachlass erben. Nach dem Tod des Erblassers und seiner Frau schlug eine seiner Töchter die Erbschaft aus, sodass ihre beiden Geschwister beim Nachlassgericht einen Erbschein beantragten, der sie als Miterben zu je 1/2 ausweisen sollte. Die Enkeltochter des Erblassers war jedoch der Ansicht, dass sie durch die Erbschaftsausschlagung ihrer Mutter an deren Stelle getreten und damit zu 1/3 Erbin geworden sei.

Enkeltochter wird Nacherbin

Das Oberlandesgericht (OLG) München gab der Enkeltochter Recht. Der Erblasser habe seine Kinder lediglich als Vorerben und seine blutsverwandten Abkömmlinge als Nacherben eingesetzt. Der Erblasser wollte mit seiner Bestimmung im Testament sicherstellen, dass der Nachlass in seiner Blutsverwandtschaft bleibt. Damit habe er nicht nur eine Ersatzerbfolge bestimmen wollen, nach der jemand nur „anstelle“ der vorzeitig verstorbenen Kinder Erbe wird. Sondern er habe zunächst die eigenen Kinder als Erben benannt und in einem zweiten Erbgang geregelt, wer den Nachlass nach deren Ableben bekommen soll. Nur im Zweifel stelle die Einsetzung als Nacherbe nach § 2102 I BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) gleichzeitig auch die Einsetzung als Ersatzerbe dar. Da die Mutter die Erbschaft ausgeschlagen habe, sei der Nacherbfall vorzeitig eingetreten, sodass die Enkeltochter den Erblasser zu 1/3 beerbt.

(OLG München, Beschluss v. 26.10.2011, Az.: 31 Wx 30/11)

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com/Nickilford

Newsletter

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.