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Das Testament des Linkshänders wider Willen

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Das Testament des Linkshänders wider Willen
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Der letzte Wille muss bekanntlich mit der Hand verfasst werden, um gültig zu sein – so schreibt es der Gesetzgeber vor. Ob mit der linken oder der rechten, darüber schweigt sich das Erbrecht jedoch aus. Sie werden sich nun sicherlich fragen, wer sich daran stören könnte. Eine Antwort auf diese Frage hatten zwei Geschwister parat, die sich um ihr Erbe geprellt sahen.

Alle Linkshänder, die diese Zeilen lesen, dürfen übrigens aufatmen. Fraglos hat man es als Minderheit nicht leicht, der es im Alltag bereits Schwierigkeiten bereitet, bei der Benutzung gängiger Schreibgeräte nicht Papier und Finger zu besudeln. Der Autor dieses Beitrags spricht hier übrigens aus eigener Erfahrung.

Und hätten Linkshänder zu allem Überfluss durch die Bank mit erbrechtlichen Komplikationen zu rechnen, würde sich wohl so mancher freiwillig zum Rechtshänder umschulen lassen.

Vielmehr ging es in dem kuriosen Fall, über den wir heute berichten möchten, um einen Rechtshänder, der krankheitsbedingt gezwungen war, sich als Linkshänder zu betätigen. Und das Ergebnis war Trubel vor Gericht.

Gelähmte rechte Hand – Erblasser musste Testament mit der linken Hand verfassen

Der Zankapfel war das Testament eines im Alter von 62 Jahren verstorbenen Mannes, das zwei Besonderheiten aufwies. Die erste: Die Geschwister des Erblassers waren nicht berücksichtigt worden – stattdessen hatte er seine Nachbarn als Erben eingesetzt. Und die zweite: Aufgrund einer durch Lungenkrebs verursachten Lähmung seiner rechten Hand hatte er seinen letzten Willen mit der linken verfassen müssen, obwohl er Rechtshänder gewesen war.

Da die Geschwister des Verstorbenen mit dem Inhalt des besagten letzten Willens nicht einverstanden waren, wurden sie kreativ. Sie ließen verlauten, dass das Vermächtnis für den Fall eines „mit links“ verfassten Testaments viel zu leserlich geschrieben sei. Sie zweifelten die Echtheit des Testaments an und gingen vor Gericht.

Wie lesbar darf ein mit links geschriebenes Testament sein?

Die Richter des Oberlandesgerichts (OLG) Köln waren jedoch anderer Meinung. Etliche Rechtshänder seien durchaus in der Lage, ein gut lesbares Schriftbild zu Papier zu bringen, ohne auf ihre dominante Hand zurückgreifen zu müssen, so argumentierte man.

Doch die beiden engen Verwandten ließen nicht locker. Das Gericht reagierte hierauf jedoch prompt: Man holte ein grafologisches Gutachten ein, nahm Kontakt mit den ehemaligen Ärzten des Erblassers auf und zog mehrere Zeugenaussagen zurate.

Einem Zeugen gelang es schließlich, zu beweisen, dass er zugegen gewesen war, als der Erblasser das Testament errichtet hatte. Das Resultat: Die Richter sahen das „Linkshändertestament“ als gültig an und die beiden Geschwister hatten das Nachsehen.

Auch ein zweites Testament war im Nachlassgericht aufgetaucht

Der vollständige Thriller rund um das „Linkshändertestament“ ist hiermit jedoch noch nicht erzählt. Zusätzlich hatte ein Unbekannter nämlich ein zweites Testament beim Nachlassgericht hinterlegt, in dem nicht die Nachbarn, sondern die Geschwister des verstorbenen Mannes als Erben bestimmt worden waren.

Das zweite Schriftstück war jedoch durch die Sachverständigen als definitive Fälschung bestimmt worden. Das Schriftbild war nämlich definitiv zu filigran gewesen, um ohne die Zuhilfenahme der dominanten Hand zustande gekommen zu sein.

Ein Krimi mit Happy End – für die Nachbarn des Erblassers

Der Einfallsreichtum der enterbten Geschwister hatte somit allem Anschein nach kaum Grenzen gekannt. Schade nur, dass sich in den gängigen Quellen sowie den Medien keine Hinweise über die Höhe des Nachlasses zutage fördern lassen. Denn angesichts der Tatsache, dass sich der vorliegende Fall problemlos in einen Kriminalroman umfunktionieren ließe, liegt durchaus die Vermutung nahe, dass sich die Hinterbliebenen keineswegs um „Peanuts“ gestritten hatten.

Sollten weitere Details im Rahmen des „Linkshändertestament-Thrillers“ ans Tageslicht kommen, werden wir selbstverständlich berichten.

(OLG Köln, Beschl. v. 03.08.2017, Az.: 2 Wx 149/17)

(JSC)

Foto : ©anwalt.de/;)


Rechtstipp vom 03.11.2017
aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

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