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Erbscheinerteilung in deutsch-türkischen Erbfällen

  • 2 Minuten Lesezeit

Sowohl in Deutschland als auch in der Türkei benötigen Erben einen Erbschein, um als Erbe über den Nachlass verfügen zu können.

Der „Konsularvertrag zwischen dem deutschen Reich und der türkischen Republik“ vom 28.05.1929 bestimmt dabei, ob ein deutscher oder ein türkischer Erbschein erforderlich ist. Die Anerkennung eines ausländischen Erbscheins durch ein Anerkennungsverfahren ist mangels Rechtskraft (da Erbscheine nicht rechtskräftig werden und jederzeit geändert werden können) nicht möglich.

Es sind demnach für die Beantragung eines Erbscheins folgende Fallkonstellationen zu unterscheiden:

1. Türkischer Staatsbürger verstirbt und hinterlässt in Deutschland Nachlass

Wenn ein türkischer Staatsbürger verstirbt, ist zunächst zu unterscheiden ob dieser bewegliches oder unbewegliches Vermögen vererbt. Gehört zum Nachlass des Verstorbenen bewegliches Vermögen, ist es ausreichend, wenn die Erben einen türkischen Erbschein vorlegen können. Erforderlich ist allerdings, dass dieser Erbschein entweder mit einer Apostille oder einer Beglaubigung durch eine türkische Auslandsvertretung in Deutschland versehen ist. Hinterlässt der Verstorbene in Deutschland jedoch unbewegliches Vermögen (Wohnung, Haus, Grundstück), ist ein deutscher Erbschein bei dem zuständigen Amtsgericht/Nachlassgericht am letzten inländischen Wohnsitz des Verstorbenen zu beantragen.

2. Deutscher Staatsbürger verstirbt und hinterlässt Nachlass in Deutschland

Wenn ein deutscher Erblasser bewegliches oder unbewegliches Vermögen in Deutschland hinterlässt, ist es erforderlich, dass die Erben zum Nachweis der Erbschaft einen deutschen Erbschein vorlegen. Sofern die Erben in der Türkei ihren Wohnsitz haben, können diese den Erbschein bei der für ihren Wohnsitz in der Türkei zuständigen deutschen Auslandsvertretung beantragen. Erben mit Wohnsitz in Deutschland können den Antrag direkt bei dem zuständigen Amtsgericht/Nachlassgericht am letzten inländischen Wohnsitz des Verstorbenen stellen.

3. Deutscher Staatsbürger verstirbt und hinterlässt Nachlass in der Türkei

Zu unterscheiden ist bei dieser Fallkonstellation zwischen unbeweglichem und beweglichem Nachlass.

a. Unbeweglicher Nachlass (Immobilien/Grundstück usw.)

Hinterlässt ein deutscher Staatsbürger nach seinem Tod unbewegliches Vermögen in der Türkei, findet das türkische Erbrecht Anwendung und es ist zum Nachweis der Erbschaft ein türkischer Erbschein erforderlich. Um einen türkischen Erbschein zu beantragen, ist es ausreichend, dass mindestens einer der Erben bei einem beliebigen türkischem Zivilgericht einen Antrag auf Erstellung des Erbscheins stellt. Es erleichtert das Verfahren, wenn die Erben den deutschen Erbschein mit Apostille nebst der entsprechenden Übersetzung dem türkischen Gericht vorlegen.

b. Bewegliches Vermögen (Geld, Schmuck usw.)

Für unbewegliches Vermögen aus dem Nachlass eines deutschen Erblassers in der Türkei findet in der Regel das deutsche Erbrecht Anwendung. In der Praxis wird allerdings ein türkischer Erbschein von den Behörden (Banken usw.) beansprucht.

In diesem Fall ist es in der türkischen Praxis leider nicht ausreichend, dass trotz nach § 14 des Nachlassabkommens zum Nachweis der Erbschaft ein deutscher Erbschein vorgelegt wird. Erben, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben, sollen aus diesem Grund den Erbschein direkt bei dem zuständigen türkischen Amtsgericht/Nachlassgericht beantragen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht Türkisches Recht

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