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FaceApp: Wie geht der beliebte Fotofilter mit Ihren Daten um?

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FaceApp: Wie geht der beliebte Fotofilter mit Ihren Daten um?
FaceApp macht einfach Spaß – doch welche Daten sammelt die beliebte App?
  • Die Smartphone-App FaceApp steht momentan in der Kritik von Datenschützern.
  • Die Nutzungsbedingungen gewähren dem Hersteller von FaceApp umfangreiche Rechte, die hochgeladenen Fotos zu verbreiten und zu verändern. 
  • FaceApp verrät nicht, wohin die verarbeiteten Daten übertragen werden.
  • Laut Hersteller ist FaceApp unbedenklich und verletzt nicht die Privatsphäre des Nutzers.
  • Mit Schadsoftware verseuchte Fakes machen bereits die Runde.

FaceApp ist überall. Die populäre Smartphone-App verpasst Selfies einen radikal neuen Look. Wie könnte man in 30 Jahren aussehen? Oder nach einem Geschlechtertausch? FaceApp beantwortet diese Frage in Sekunden, mit täuschend echt aussehenden Resultaten.

Doch Datenschützer schlagen Alarm. Hinter der beliebten App soll eine unseriöse Firma aus Sankt Petersburg stecken, der es angeblich nur um das Sammeln von Nutzerdaten geht. Ein Fall von Panikmache oder sind die Vorwürfe gegen FaceApp berechtigt? 

Der Hersteller hat umfangreiche Rechte an den hochgeladenen Fotos

In den Nutzungsbedingungen von FaceApp steht, dass der Nutzer dem Hersteller eine unwiderrufliche, übertragbare Unterlizenzierung zur Verbreitung und Veränderung seiner veröffentlichten Bilder gewährt. Und das auch, wenn der Nutzer das bearbeitete Foto später von seinem Handy löschen sollte. 

Zudem lädt FaceApp die ausgewählten Fotos auf externe Server hoch, ohne genaue Angaben über deren Standort zu machen. In den Nutzungsbedingungen ist nur von Servern in den USA und „anderen Ländern“ die Rede. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen die Nutzungsbedingungen nur auf Englisch vor.

Welche Daten sammelt FaceApp?

Laut Datenschutzexperten erfasst das Programm zudem die IP-Adresse, die das internetfähige Gerät im Netz identifiziert. Dazu wird dem Hersteller das verwendete Handy- oder Tablet-Modell und das Betriebssystem mitgeteilt. Weshalb eine Foto-App solche Informationen benötigt, sei dahingestellt.

Branchen-Insider befürchten außerdem, dass FaceApp auch biometrische Informationen über das Gesicht des Nutzers erfasst und übermittelt. Darüber hinaus wurde der Verdacht laut, dass FaceApp im Hintergrund sämtliche auf dem Handy gespeicherten Fotos an den Hersteller überträgt. 

Die DSGVO wird ignoriert

Auch die Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung erfüllt FaceApp nicht. Hierfür müsste die Datenschutzerklärung in deutscher Sprache vorliegen. Des Weiteren muss klar und transparent angegeben werden, an wen die eingegebenen Daten übertragen werden und zu welchem Zweck. All diese Pflichten hat der Hersteller bis heute ignoriert.

Das Team hinter FaceApp nahm selbst zu den Vorwürfen Stellung

Laut Medienberichten hat der Fraktionsführer der Demokraten im US-amerikanischen Senat das FBI angewiesen, FaceApp zu untersuchen. Die Entwickler der beliebten App wiesen anschließend in einem von der Forbes veröffentlichten Statement die Vorwürfe zurück. 

Laut FaceApp-Gründer Yaroslav Goncharov überträgt die App keine Daten nach Russland und die Bildbearbeitung findet überwiegend auf externen Cloud-Servern statt. Auch lädt FaceApp nur die Bilder hoch, die der Nutzer tatsächlich bearbeiten möchte.

Ist der Vorgang abgeschlossen, werden die auf den Cloud-Servern gespeicherten Bilder nach 48 Stunden wieder gelöscht. Und hiermit nicht genug: FaceApp-Nutzer haben zusätzlich die Möglichkeit, sämtliche über sie gespeicherte Daten entfernen zu lassen. Hierfür gibt es eine entsprechende Funktion in der FaceApp-Benutzeroberfläche. Das klingt löblich, mag zu den sehr restriktiven Nutzungsbedingungen jedoch nicht recht passen.

Wirkliche Bedrohung der Privatsphäre oder viel Lärm um nichts?

FaceApp-Nutzer haben nun die Qual der Wahl, wem sie glauben wollen. Dass die Medien auf der Suche nach der nächsten Skandal-Story über das Ziel hinausschießen, ist an der Tagesordnung. Und dass Software-Hersteller die Sicherheitsrisiken ihrer Produkte kleinreden, ist mittlerweile branchentypisch. 

Wie so oft, liegt die Wahrheit wohl in der Mitte. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte vorerst auf die Nutzung von FaceApp verzichten, bis Datenschutzexperten Entwarnung geben.

Vorsicht vor ähnlich aussehenden Fake-Apps wie „FaceApp Pro“

Eine definitive Gefahr sind dagegen die Nachahmer und Fake-Apps wie „FaceApp Pro“, „faceapp!“ und „FaceApp Pro Free“, die mittlerweile den Google-Play-Store überschwemmen. Kriminelle benutzen solche Fake-Apps dazu, von der Popularität von FaceApp zu profitieren, und installieren damit Schadsoftware auf dem mobilen Gerät des betroffenen Nutzers. 

Entscheiden Sie sich dafür, FaceApp zu installieren, sollten Sie daher unbedingt darauf achten, das Original auf Ihr Handy zu laden. Potenziell gefährliche Produkte von Nachahmern sollten Sie im App Store links liegen lassen.

(JSC)

Foto : ©Fotolia.com/cinnarach

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