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Gericht sagt Verkehrssündern mit „Lesestrafe“ den Kampf an

aus dem Rechtsgebiet Strafrecht
Gericht sagt Verkehrssündern mit „Lesestrafe“ den Kampf an
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Die Lektüre des geschriebenen Wortes ist für viele wortwörtlich eine Strafe – dass allerdings auch ein Gericht das so sieht, ist wohl neu. Es las einem jungen Verkehrssünder nämlich die Leviten, indem es ihn wegen Kennzeichenmissbrauchs zu einer sog. Leseweisung verurteilte.

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Bereits zum zweiten Mal wurde ein junger Mann dabei erwischt, mit dem Kennzeichen an seinem Kraftrad herumgespielt zu haben. Er hatte es nämlich so schräg gekippt, dass es für andere nur schwer lesbar war. Was da wohl der Hintergedanke war? Auf jeden Fall hätte ein etwaiges Blitzerfoto zwar den Motorradfahrer in seiner „besten Form“ gezeigt – mangels Erkennbarkeit des Kennzeichens wäre er aber ungeschoren davongekommen.

Lesen als Strafe?

Das zuständige Gericht brummte dem unbelehrbaren Motorradfahrer eine ungewöhnliche Strafe wegen Missbrauchs von Kennzeichen nach § 22 I Nr. 3 Straßenverkehrsgesetz (StVG) auf: 20 Stunden lesen. Damit sollte er sich nach Ansicht der Richterin „auf intellektueller Ebene noch einmal mit der Tat“ auseinandersetzen.

Er durfte daher seine Nase nicht in jedes x-beliebige Buch bzw. Heft – z. B. Motorradmagazine oder Comics – stecken, sondern musste thematisch zu seinem „Problem“ passende Bücher an der Hochschule München auswählen. Doch damit nicht genug: Sein erworbenes Wissen musste er auch noch in einem Gespräch und einer Abschlussarbeit unter Beweis stellen. Hier war die Richterin aber etwas großherziger. Die Abschlussarbeit durfte nämlich auch gerappt werden. So kann man Verkehrssünder natürlich auch aus dem Verkehr ziehen und Literaturverächtern das Fürchten lehren.

Und die Moral von der Geschichtʼ: Verkehrssünder, leg Dich nicht an mit dem Gericht.

(AG München, Urteil v. 08.06.2017, Az.: 1022 Ds Js 134042/17 jug)

(VOI)

Foto : anwalt.de/;-)


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