Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Mehrere Testamente – nur welches gilt?

(50)
Mehrere Testamente – nur welches gilt?
Mehrere Testamente können nebeneinander gültig sein.

Ein Verstorbener kann durchaus mehrere Testamente hinterlassen. Dabei gilt nicht automatisch allein das neueste davon. Stattdessen kommt es auf eventuelle Widersprüche an.

Die Meinung, wer was vom Erbe bekommen soll, kann sich im Laufe des Lebens durchaus ändern und tut es nicht selten. Dann drängt sich eine Testamentsänderung auf. Mitunter wird - gerade wenn das ursprüngliche Dokument gerade nicht auffindbar ist - einfach ein neues Testament aufgesetzt. Die Verfasser des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) haben dieses Problem erkannt. Der Glaube, dass das früher Verfügte einfach seine Gültigkeit verliert, trügt dabei jedoch.

Widerruf schafft Testament aus der Welt

Denn der Widerruf eines Testaments erfolgt zwar durch Testament. Dieser Widerrufswille muss darin aber in Bezug auf ein früheres Testament zum Ausdruck kommen. Ein Widerruf kann im Übrigen auch direkt auf dem ursprünglichen Testament - etwa durch deutliche Hinweise wie „ungültig", „überholt" oder „annuliert" - erfolgen. Auch dessen mit dem entsprechenden Willen verbundene Vernichtung stellt im Übrigen einen Widerruf dar. Ebenso die Rücknahme aus der amtlichen Verwahrung. Für den Widerruf wechselseitiger Verfügungen in gemeinschaftlichen Testamenten zwischen Ehegatten und Lebenspartnern gelten besondere Regeln. Unabhängig davon gilt aber: Wer glaubt, es reiche einfach ein neueres Testament zu verfassen, um alle davor getroffenen Entscheidungen ungültig werden zu lassen, denkt in der Regel nicht an dieses Vorgehen.

Früheres Testament nur bei Widerspruch aufgehoben

Vorweg der Hinweis: Ein Testament muss keine Datumsangabe zur Wirksamkeit beinhalten. Derartige Angaben erleichtern beim Vorhandensein mehrerer Testamente die Ermittlung des Erblasserwillens aber erheblich. Denn laut § 2258 BGB wird ein früheres Testament durch Errichtung eines neuen Testaments nur aufgehoben, insoweit das später entstandene im Widerspruch zum neueren Testament steht. Zeitangaben helfen daher zumindest bei der Frage, welches Testament das neuere ist. Ein Widerspruch liegt vor, wenn mehrere Anordnungen nicht nebeneinander zu verwirklichen sind. Auch explizit endgültig und abschließend getroffene Regeln können frühere Verfügungen aufheben. Dieser Wille muss jedoch klar hervortreten. Vorsicht: Enterbungen in bereits früher getroffenen abschließenden Erbregelungen beseitigt dieses Vorgehen nicht automatisch.

(GUE)

Foto : ©Fotolia.com/fairith


Rechtstipp vom 13.02.2013
aus der Themenwelt Erbe und Nachlass und dem Rechtsgebiet Familienrecht

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps der anwalt.de-Redaktion

Alle Rechtstipps der anwalt.de-Redaktion

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.