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Organspende – Chance auf ein neues Leben

Rechtstipp vom 11.11.2010
(76)
Rechtstipp vom 11.11.2010
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Organspende – Chance auf ein neues Leben
Die Spende eines oder mehrerer Organe kann Menschenleben retten. Ein Organspendeausweis kann dabei Klarheit schaffen.

Momentan geht das Thema Organspende durch die Medien, vor allem weil sich eine Person des öffentlichen Lebens für eine Lebendspende entschieden hat. Doch dies ist nur ein Einzelschicksal. In Deutschland warten momentan ca. 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan, im Jahr 2009 konnten nur 4.709 Organe transplantiert werden. Das bedeutet, dass der Bedarf wesentlich höher ist als die durchgeführten Transplantationen. Allerdings sind die telefonischen Anfragen zur Organspende bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) seit dem Bekanntwerden des aktuellen Falls stark angestiegen. Damit aber überhaupt eine Organspende möglich wird, sollte man sich zu Lebzeiten mit diesem Thema auseinandersetzen und seine persönliche Entscheidung dazu treffen. Das anwalt.de-Team hat für Sie die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Wichtigkeit der Organspende

Aufgrund der hohen Zahl benötigter Organe und des Mangels an Spenderorganen gibt es für die Schwerkranken, die auf eine Organtransplantation warten, eine sehr lange Wartezeit. Diese kann mehrere Jahre betragen und es kommt häufig vor, dass Patienten, die auf ein Organ warten, versterben, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ verfügbar war. Gründe für den Mangel an Spenderorganen ist einerseits die zurückgehende Zahl an tödlichen Unfällen und andererseits die Zunahme von schweren Erkrankungen, die nur durch eine Transplantation geheilt werden können.

Rechtliche Regelungen zur Organspende

Um bei Organspende und -transplantation jede Form von Missbrauch auszuschließen, und weil sich die Transplantationsmedizin im Grenzbereich zwischen Leben und Tod bewegt, wurde am 05.11.1997 das Transplantationsgesetz (TPG) erlassen und gilt momentan mit Stand vom 17.07.2009. Darin sind alle wichtigen Regelungen zur Organspende enthalten.

In Deutschland gilt die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung. Das bedeutet, dass die Zustimmung zur Organspende zu Lebzeiten zum Beispiel in einem Organspendeausweis dokumentiert werden kann. Liegt bei einem Verstorbenen keine dokumentierte Entscheidung zur Organspende vor und kommt im Todesfall nach ärztlicher Beurteilung eine Organspende in Betracht, so werden die nächsten Angehörigen befragt, ob sich der Verstorbene zu Lebzeiten zur Frage der Organspende schriftlich oder mündlich erklärt hat. Ist darüber nichts bekannt, so werden sie gebeten, nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen zu entscheiden.

Voraussetzungen der Organspende

Unter Organspende versteht man im Allgemeinen, das Zur-Verfügung-Stellen von Organen zur Transplantation für einen schwerkranken Menschen. Allerdings müssen für eine Organspende bestimmte Voraussetzungen gegeben sein.

  • Es muss eine Einwilligung des Verstorbenen oder - stellvertretend - seiner Angehörigen vorliegen.
  • Der Tod des Spenders muss durch einen vollständigen, irreversiblen Ausfall der gesamten Gehirntätigkeit (sog. Hirntod) eingetreten sein. Allerdings müssen gleichzeitig die Atmung und der Kreislauf künstlich aufrechterhalten worden sein. Der Hirntod muss von zwei dafür qualifizierten Ärzten unabhängig voneinander festgestellt worden sein. Diese müssen das Ergebnis ihrer Untersuchung schriftlich dokumentieren und dürfen weder dem Entnahme- noch dem Transplantationsteam angehören.
  • Nach § 2 Abs. 2 Satz 3 Transplantationsgesetz (TPG) können Personen ab dem vollendeten sechzehnten Lebensjahr ohne Zustimmung des Erziehungsberechtigten in die Organspende einwilligen oder die Übertragung der Entscheidung auf Dritte wirksam erklären und ab dem vollendeten vierzehnten Lebensjahr einer eventuellen Zustimmung zur Organspende durch Erziehungsberechtigte widersprechen.
  • Ein Höchstalter zum Spenden existiert nicht, entscheidend ist allein das biologische Alter, also der allgemeine Gesundheitszustand des Spenders.

Transplantierbare Organe

Nach der aktuellen medizinischen Entwicklung ist es möglich, relativ viele Organe zu transplantieren. Unterschieden wird bei den Organen zwischen solchen, die nur durch Todspende gewonnen werden können, und Organen, die durch eine sog. Lebendspende übertragen werden können. Die häufigsten transplantierten Organe einer Todspende sind Herz, Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Darm, Gehörknöchelchen, Blutgefäße, Sehnen, Haut, Hornhaut der Augen, Knochen- und Knorpelgewebe, Herzklappen und Teile der Hirnhaut.

Lebendspende

Bereits zu Lebzeiten ist es möglich, bestimmte Organe, Organteile oder Zellen zu spenden. Dabei sind die Organe entweder paarig vorhanden, beispielsweise die Nieren, segmenthaft angelegt wie die Leber oder besitzen ein hohes Maß an Regenerationsfähigkeit, z. B. das Knochenmark.

Voraussetzungen der Lebendspende

Die Voraussetzungen der Lebendspende sind in § 8 Abs. 1 TPG geregelt. Eine Übertragung eines Organs oder Organteils ist nur zulässig zum Zwecke der Übertragung auf Verwandte ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Verlobte oder andere Personen, die dem Spender in besonderer Art und Weise nahestehen.

Folgende Voraussetzungen müssen für eine Lebendspende vorliegen:

  • Der Spender muss in der Regel volljährig sein. Ausnahmen sieht das Gesetz nur für die Entnahme von Knochenmark vor. Hier ist es möglich, dass der Spender noch minderjährig ist. Außerdem muss der Spender einwilligungsfähig sein. Er muss durch einen Arzt in verständlicher Form aufgeklärt worden sein und in die Organspende eingewilligt haben.
  • Er muss als Spender geeignet sein und durch die Spende nicht über das Operationsrisiko hinaus gefährdet werden oder über die unmittelbaren Folgen der Entnahme hinaus gesundheitlich schwer beeinträchtigt werden.
  • Der Eingriff muss von einem Arzt vorgenommen und lege artis („nach den Regeln der Kunst”) durchgeführt werden.

Eine Lebendspende ist nur dann gerechtfertigt, wenn zum Zeitpunkt der Organentnahme kein geeignetes Organ eines toten Spenders zur Verfügung steht und die Übertragung nach ärztlicher Meinung dazu führt, dass bei dem Organempfänger die schwerwiegende Krankheit geheilt wird, ihre Verschlimmerung verhütet wird oder bereits bestehende Beschwerden gelindert werden.

Sozialversicherungsrechtliche Fragen

Grundsätzlich trägt die Krankenkasse des Organempfängers die Kosten der Transplantation. Allerdings erhält der Spender weder Krankengeld noch hat er einen Anspruch auf Lohnfortzahlung, da es sich nicht um eine Krankheit im Sinne des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EntFG) handelt. Der Organspender erhält stattdessen von der Krankenversicherung des Organempfängers seinen Verdienstausfall, Besserverdienende häufig allerdings nur zum Teil, erstattet. Dies entspricht der geltenden Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG, Urteil v. 12.12.1972, 3 RK 47/70). Der Versicherungsschutz der eigenen Krankenversicherung geht eventuell dann verloren, wenn eine Arbeitsunfähigkeit von über zwei Monaten vorliegt. Im Hinblick auf die Arbeitslosenversicherung und die Sozialversicherung sollte beachtet werden, dass durch die fehlenden Beitragszahlungen der Anspruch auf Arbeitslosengeld oder die Rente niedriger ausfällt als bei normal weiterlaufenden Zahlungen.

Organspendeausweis

Der Besitz eines Organspendeausweises ist die Verdeutlichung, dass sich der Besitzer mit dem Thema der Organspende befasst hat. In dem Organspendeausweis kann man sein Einverständnis zur generellen Entnahme von Organen erteilen, die Einschränkung auf bestimmte Organe oder Gewebe vornehmen bzw. einer Organentnahme widersprechen. Angehörige sollten in diesem Zusammenhang über den eigenen Stand zur Organspende informiert werden. Der Ausweis sollte am besten stets bei sich getragen werden. Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert und hinterlegt. Sollte man seine Meinung zur Organspende ändern, so kann der Ausweis jederzeit vernichtet werden.

Weiterführende Informationen

Unter der kostenfreien Service-Rufnummer 0800/9040400 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden von Montag bis Freitag zwischen 9 Uhr und 18 Uhr alle Fragen zur Organspende oder Transplantation beantwortet.

Auf den Homepages www.organspende-info.de oder www.organspende.de finden Sie ebenfalls weitere Informationen.

(WEI)

Foto : ©iStockphoto.com


aus den Rechtsgebieten Medizinrecht, Sozialrecht

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