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Studie zur Smartphone-Nutzung: Todesnachricht am Steuer

Rechtstipp vom 11.04.2016
(11)
Rechtstipp vom 11.04.2016
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Studie zur Smartphone-Nutzung: Todesnachricht am Steuer
Die Ablenkungsgefahr wird zu sehr unterschätzt.

Schnell eine WhatsApp-Nachricht schreiben, E-Mails checken, im Internet surfen: Nicht wenige machen das auch, wenn sie am Steuer sitzen. Dass die Smartphone-Nutzung gefährlich ist, weiß dabei so gut wie jeder. Auch das bereits seit 2001 geltende Handyverbot ist bekannt. Dennoch siegt die Neugier häufig über die unterschätzte Gefahr. Wird schon gut gehen, denken viele … bis es eines Tages nicht mehr gut geht. Dass man mit Tempo 50 bereits nach einer Sekunde 14 Meter weiter ist, bedenken nur wenige. Mitunter rast man deshalb ungebremst in ein Hindernis. Im schlimmsten Fall ist es ein Radfahrer oder Fußgänger. So wie im Fall einer im November 2015 vom Landgericht Stuttgart wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und versuchten Mordes verurteilten Frau. Diese hatte auf gerader Strecke zwei Radfahrer überfahren, weil sie eine Nachricht tippte. Ein Radfahrer starb, der andere wurde schwer verletzt. Die junge Frau flüchtete und nahm seinen Tod billigend in Kauf.

Tippen häufiger als telefonieren

Über 390.000 Verstöße gegen das Handyverbot verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt im Jahr 2014. Andererseits soll nur jeder tausendste Unfall auf Smartphone-Nutzung zurückzuführen sein. Eine Zahl, die angesichts der tatsächlichen Handynutzung als zu gering erscheint. In der Tat erweist sich die nachträgliche Feststellung einer Smartphone-Beteiligung an Unfällen schwer. Einerseits wird diese nicht intensiv verfolgt. Nur bei besonders schweren Unfällen wird beispielsweise die Nutzung beim Netzbetreiber nachverfolgt. Andererseits gibt kaum jemand zu, dass er gerade mehr mit seinem Smartphone als mit dem Straßenverkehr beschäftigt war. Die Unfallzahlen mit ungeklärter Unfallursache steigen jedoch seit Jahren. Und erstmals seit 15 Jahren verzeichneten die Statistiken das zweite Jahr in Folge mehr Verkehrstote als im Vorjahr.

Neueste Zahlen zur Handynutzung am Steuer nennt nun eine Studie der Technischen Universität Braunschweig. Von knapp 12.000 demnach im Verkehr beobachteten Fahrern hatten 4,5 Prozent ein Handy in der Hand. Dabei wurde häufiger getippt als telefoniert.

Handy am Steuer kostet 60 Euro und 1 Punkt

Angesichts dieser Zahl erscheint das zuletzt im Mai 2014 um 20 Euro erhöhte Bußgeld für die Handynutzung am Steuer wenige Verkehrsteilnehmer zu schrecken. Dieses beträgt aktuell 60 Euro, wenn ein Fahrzeugführer ein Handy bei laufendem Motor aufnimmt oder hält. Zusätzlich gibt es einen Punkt in Flensburg. Wer zudem wiederholt gegen das Handyverbot verstößt, dem kann auch ein Fahrverbot drohen. Auch für Radfahrer gilt übrigens Handyverbot. Sie zahlen 25 Euro Bußgeld, wenn sie ihr Handy während der Fahrt nutzen. Bei einem Unfall kann die Handynutzung als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden und so die Kaskoversicherung ihre Leistung verweigern.

(GUE)

Foto : ©Fotolia.com/animaflora


Rechtstipp aus der Themenwelt Straßenverkehr und dem Rechtsgebiet Verkehrsrecht

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