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Testamentsauslegung

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Ob ein Testament ausgelegt werden muss, hängt davon ab, was der Erblasser mit seinem Text zum Ausdruck bringen wollte. Auslegungsfähig sind nicht nur handschriftlich vom Erblasser selber errichtete Testamente, sondern auch notarielle Testamente. Ein Testament ist auch auslegungsfähig, wenn es zunächst so scheint, als ob es einen klaren Wortlaut hätte. Entscheidend ist jedoch, was der Erblasser damit meinte, aus seiner subjektiven Sicht auszudrücken.

Die Testamentsauslegung orientiert sich somit nicht nur an dem tatsächlich geschriebenen Text, sondern auch an Umständen außerhalb des Testaments, also mündlichen Erklärungen des Testierenden, Vorgängen im Umfeld des Erblassers, anderen Schriftstücken des Erblassers usw. Als Hilfen zur Testamentsauslegung können sogar frühere, auch nichtige, Testamente herangezogen werden oder auch Entwürfe von früheren Testamenten, die nicht umgesetzt wurden. Bestehen nebeneinander mehrere gültige Testamente, sind für die Auslegung alle Testamente heranzuziehen.

Bei der Auslegung kann auch auf den Umfang des Vermögens des Erblassers abgestellt werden, seine Herkunft, unter welchen Umständen der Erblasser das Vermögen erworben hat (stammt es aus seiner Familie?, hat er es erarbeitet?, stammt es aus einem Lottogewinn? usw.).

Auch die Beziehungen des Erblassers zu seinem Vermögen und bestimmten Vermögenswerten oder Immobilien und wie der Erblasser zu seinen Lebzeiten mit seinem Vermögen umgegangen ist (hat der Erblasser sein Vermögen zu seinen Lebzeiten zusammengehalten oder zeigte er sich freigiebig oder hat er bereits Teile seines Vermögens auf Dritte?, insbesondere seine Erben übertragen etc.) spielen bei der Auslegung eine Rolle.


Rechtstipp vom 09.12.2017
aus der Themenwelt Erbe und Nachlass und dem Rechtsgebiet Erbrecht

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