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Voraussetzungen für Selbständigen-Visum in Kolumbien verschärft

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Das kolumbianische Außenministerium hat mit der Resolution 6045 / 2017 einen neuen Rahmen für Visumsanträge in Kolumbien geschaffen. Die neue Regelung gilt für alle Ausländer, die ab 15. Dezember 2017 einen Visumsantrag in Kolumbien stellen oder ein bestehendes Visum verlängern.

Im Wesentlichen beschränkt sich der neue Rechtsrahmen auf kosmetische Änderungen am bisher geltenden Regelwerk (Resolution 5512 / 2017), etwa die Einteilung aller bestehenden Visumstypen in die 3 Kategorien „visitante“, „migrante“ und „residente“. Aus der neuen Regelung wird deutlich, dass Kolumbien seine offene Einwanderungspolitik fortsetzt, offenbar mit dem Ziel, ausländische Investitionen zu generieren.

In Bezug auf einzelne Visumstypen ist es auch zu Verschärfungen gekommen, zum Beispiel im Bereich des Selbständigen-Visums, bislang bekannt als „visa TP-7 para el ejercicio de actividades y oficios independientes“, das etwa in Anspruch genommen wird von selbständigen Webdesignern, Sprachlehrern, Beratern, Grafikern etc., die von Kolumbien aus ihre Dienstleistungen anbieten, sei es auf dem nationalen Markt oder – praktisch relevant – für Kunden im Ausland.

Der Antrag auf ein Selbständigen-Visum, das fortan gemäß Art. 49 der Resolution 6045 / 2017 „visa de migrante como independiente“ heißt, erfordert nun im Gegensatz zur bisherigen Situation, dass der Antragsteller eine offizielle Anerkennung des kolumbianischen Staates hat für die selbständige Tätigkeit, die er in Kolumbien ausüben möchte.

Für die Klärung der Frage, welche Art von Anerkennung genau eingeholt werden muss, ist zunächst zwischen den so genannten regulierten Berufen (profesión regulada) und den nicht regulierten Berufen (profesión liberal no regulada) zu unterscheiden.

Möchte der Ausländer in Kolumbien einen regulierten Beruf ausüben (zum Beispiel Arzt, Architekt, Buchhalter, Ingenieur), so muss er grundsätzlich seine offizielle kolumbianische Zulassung vorlegen (etwa kolumbianischer Ingenieursausweis, Architektenausweis, etc.). Alternativ kann der Antragsteller einen temporären Ausweis für die Ausübung eines regulierten Berufs in Kolumbien vorlegen (permiso provisional), den er zuvor bei der zuständigen berufsständischen Kammer beantragen muss (etwa Ärztekammer, Architektenkammer, Ingenieurskammer etc.) Der temporäre Ausweis verfällt nach Ablauf eines Zeitraums von ca. 6 Monaten und eignet sich daher nicht als Grundlage für einen langfristigen Aufenthalt in Kolumbien.

Strebt der Ausländer die Ausübung eines nicht regulierten Berufs in Kolumbien an (etwa Grafiker, Unternehmensberater, Sprachlehrer oder Webdesigner), so muss er eine Bescheinigung des kolumbianischen Bildungsministeriums vorlegen, aus der hervorgeht, dass sein entsprechender ausländischer Bildungsabschluss in Kolumbien geprüft und offiziell anerkannt wurde (so genannte convalidación). Das Anerkennungsverfahren vor dem kolumbianischen Bildungsministerium kann bis zu 6 Monate dauern. Außerdem wird diese neue Vorschrift zu Problemen führen für in Kolumbien selbständige Ausländer, die keinen Bildungsabschluss speziell für die Tätigkeit haben, die sie in Kolumbien ausüben, was speziell bei Internet-affinen Tätigkeiten relativ häufig vorkommt (Beispiel: etwa ein Webdesigner ohne ausländischen Hochschulabschluss).

Betroffene Ausländer sollten sich mit der neuen Regelung jedenfalls rechtzeitig auseinandersetzen und entsprechend planen, um kurz vor Ablauf ihres aktuellen Visums Torschlusspanik zu vermeiden.


Rechtstipp vom 03.12.2017

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