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Vorsorge und Erbrecht in Panama: Sind Sie vorbereitet?

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Vorsorge und Erbrecht in Panama: Sind Sie vorbereitet?
Vorsorge und Erbrecht in Panama

Der Tod eines geliebten Menschen trifft uns oftmals überraschend. Neben der emotionalen Belastung und Trauer, muss man sich plötzlich mit rechtlichen, finanziellen und administrativen Verfahren auseinandersetzen, vor allem wenn der Verstorbene sein Vermögen nicht organisiert hatte. Der Alltag kann uns sehr schnell mit Situationen konfrontieren, in denen es absolut notwendig ist, einen Rechtsexperten zu konsultieren. Der Wissensvorsprung in Rechtsfragen hilft Ihnen, eine informierte Entscheidung zu treffen und nicht nur Ihre Anlage und Ihr Vermögen, sondern auch Ihre Familie, Erben und Angehörigen zu schützen. 

Zwei Fallbeispiele aus unserer Rechtspraxis zum Thema Erbrecht in Panama.

Machen wir eine Analyse von zwei Fallbeispielen mit ihren jeweiligen Pseudonymen: Aufgrund unvorhersehbarer Umstände trifft Michael Bauer in kritischem Zustand im Krankenhaus ein. Er und seine Frau Carola sind vor über drei Jahren von Kanada nach Panama gezogen. Während die Ärzte versuchen, seinen Gesundheitszustand festzustellen, bittet Michael seinen Anwalt, die notwendigen Dokumente vorzubereiten, um "alles geordnet" zu hinterlassen und seinen Anteil am Familienhaus in einer exklusiven Wohngegend in Boquete an seine Frau zu übertragen. 

Ich habe ein Testament, wozu brauche ich eine Stiftung?

Michael wollte nie eine Stiftung gründen, weil er es für "zu teuer" und eine "unnötige" Ausgabe erachtete. Leider verstirbt Michael, bevor er die rechtlichen Papiere unterschreiben konnte. Er hinterlässt in Panama einen PKW (im Wert von 10.000 Dollar), seinen Anteil am Haus (im Gesamtwert von 300.000 Dollar) in Boquete und ein Sparkonto bei einer örtlichen Bank. 

Es gibt ein formelles Testament, das vor einem Notar in Panama unterzeichnet wurde, und seine Frau Carola zur Alleinerbin erklärt. Sie fühlt sich in Panama einsam und will alles schnell verkaufen, um nach Kanada zurückzukehren. Es vergehen jedoch zwei lange Jahre, bis sie den Eigentumstitel des Autos und die Erbquote des Hauses in Boquete auf ihren Namen übertragen kann, um das Grundstück und das Fahrzeug endlich zum Verkauf anbieten zu können. Was ist passiert? Und wie hätten sich diese Situation vermeiden lassen können?

Das Erbrecht in Panama und seine Fallstricke 

Die Verzögerung im Verlassenschaftsverfahren ist auf die gesetzliche Grundlage in Panama zurückzuführen. Wenn der Verstorbene Vermögen innerhalb Panamas in seinem eigenen persönlichen Namen hatte, unabhängig davon ob er ein Testament hinterlassen hat oder nicht, muss ein Erbschaftsklage eingereicht werden. Dazu ist es notwendig, einen Anwalt zu beauftragen, der die Interessen der Erben im Rahmen der Erbschaftsklage (mit oder ohne Testamentsvollstreckung, was in der Praxis fast keine Unterscheid macht) vor Gericht in Panama geltend macht. 

Ihr Akt muss verschiedene Etappen und Hände im Gericht durchlaufen, und sobald alle Formalitäten erledigt sind, wird der Richter eine Entscheidung treffen und den/die Erben ernennen. Juristische Verfahren vor panamaischen Gerichten brauchen ihre Zeit, und selbst unter den besten Bedingungen wird es mindestens zwei Jahre dauern, bis Ihre Erben das Recht haben, Ihre Vermögenswerte auf ihren Namen zu übertragen, damit sie sie schliesslich verkaufen können. In der Zwischenzeit müssen sie u.a. für Auslagen, Anwaltskosten (15% des Nachlassvermögens, gemäß dem Mindestanwaltshonorar in Panama) und mehr aufkommen.

Vorbereitet sein... 

Unser zweites Fallbeispiel betrifft Herrn Max Müller. Er hat seit fünf Jahren seinen Nebenwohnsitz in Panama. Max verbringt gerne den deutschen Winter im sonnigen Panama, aber mit der Zeit wird der Langstreckenflug zu anstrengend. Es geht ihm gesundheitlich nicht gut. Herr Müller besitzt ein Stück Land in Las Lajas (mit einem Wert von 40.000US$), welches auf den Namen einer Stiftung im Grundbuch eingetragen ist, und dazu noch ein persönliches Sparkonto bei einer örtlichen Bank. Bei seiner letzten Reise sprach er mit seinem lokalen Bankberater und füllte ein Formular aus, um seinen Sohn Robert als Endbegünstigten des Kontos zu hinterlassen. Sein Anwalt hat eine Originalkopie des Reglements seiner Stiftung, die Robert als Zweitbegünstigten und zweiten Protektor der Stiftung erklärt. 

Eine Stiftung stirbt nicht 

Kurz nach seinem letzten Besuch in Panama verstirbt Max in Deutschland. Sein Sohn Robert kontaktiert den Anwalt seines Vaters in Panama. Er schickt ihm die Sterbeurkunde seines Vaters, die ordnungsgemäß mit einer Apostille versehen ist, und einige Wochen später reist er persönlich nach Panama. Da die Stiftung (bei der es sich um eine juristische Person handelt) Eigentümerin des Grundstücks im öffentlichen Register Panamas ist und die Dauer der Stiftung unbefristet ist, muss keine Klage, kein Prozess oder Gerichtsverfahren eingereicht werden. 

Robert ist nun der alleinige Begünstigte und Protektor der Stiftung. Er kann über das Vermögen der Stiftung frei verfügen. Beim Termin mit dem Anwalt vor Ort unterzeichnet Robert eine anwaltliche Vollmacht für den Verkauf des Grundstücks in Las Lajas, und beauftragt umgehend einen Immobilienmakler mit dem Verkauf der Immobilie. Bevor er nach Deutschland zurückkehrt, geht er zur örtlichen Filiale der Bank seines Vaters, wickelt die Formalitäten mit dem Bankberater ab, und kann auf die Gelder auf dem Konto zugreifen.

Erstellen Sie Ihren individuellen Nachlassplan

Eine panamaische Stiftung (PIF - Private Interest Foundation) kann sicherstellen, dass Ihr Nachlass nach Ihrem Tod ohne belastende Komplikationen, Verzögerungen oder Rechtsstreitigkeiten an die von Ihnen gewählten Begünstigten übergeht. Für den Gesetzgeber stellt das Vermögen einer PIF ein vom Vermögen des Stifters und der Begünstigten getrennten Nachlass dar. Genau wie in einem Testament regelt das private Reglement der Stiftung die Bedingungen der PIF. Es kann festgelegt werden, wie das Vermögen der PIF verteilt wird und wer die Kontrolle über die Verwaltung des Stiftungsvermögens hat. 

Es ist nicht erforderlich, dass der Stifter in Panama wohnt, und mit der Telematik, die durch die Covid-19-Pandemie entstanden ist, bemüht sich Panama darum, dass Anwälte Gesellschaften und Stiftungen gründen können, ohne dass ihre Mandanten vor einem Notar erscheinen müssen. Die Registrierung der juristischen Person wird elektronisch im Handelsregister eingereicht, was den Registrierungsprozess zügiger macht. 

Wissensvorsprung macht den Unterschied

Carola hofft, dass die Erbquote des Hauses in Boquete bald im Grundbuch auf ihren Namen eingetragen wird, damit sie das Anwesen zum Verkauf anbieten kann. Sie ist bereits viele Male nach Panama gereist, und manchmal fühlt sie sich müde und erschöpft wegen all den Formalitäten, Stress und Ausgaben. 

Robert erhielt vor einigen Wochen eine Nachricht vom Makler. Es gibt einen Interessenten, der das Grundstück in Las Lajas kaufen will. Die Anzahlung ist bereits geleistet worden, und die Transaktion wird diese Woche abgeschlossen. In einigen Tagen wird er die Geldmittel aus dem Verkauf der Immobilie auf seinem Bankkonto in Deutschland erhalten.

Foto : pixabay.com/congerdesign


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