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Würden Sie Ihre Tasche kurz hochheben?

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Würden Sie Ihre Tasche kurz hochheben?
Beim Großeinkauf kann es schon mal unübersichtlich werden.

Das kennt jeder: Beim Einkauf besorgt man zuerst die Kleinigkeiten in verschiedenen Geschäften und am Ende noch den Rest im Supermarkt. Während die Waren schon auf dem Kassenband liegen, bleiben eigene Körbe, Taschen oder Tüten von vorher besuchten Geschäften im Einkaufswagen.

Die freundliche Kassiererin bittet nun, diese doch mal kurz hochzuheben. Aber muss ich das wirklich tun?

Blick in den Einkaufswagen ist erlaubt

Tatsächlich können Mitarbeiter eines Marktes das Anheben der Taschen im Einkaufswagen verlangen. Dabei wird aber nicht das Tascheninnere kontrolliert. Durch das reine Anheben ist das Persönlichkeitsrecht kaum beeinträchtigt. Schließlich handelt es sich um einen offenen und grundsätzlich einsehbaren Wagen. Der steht im Eigentum des Marktes, ebenso wie mögliche Waren, die zwischen oder unter die Taschen gerutscht sein könnten.

Zudem hat der Betreiber ein Hausrecht und dürfte Kunden, von besonderen Einzelfällen abgesehen, auch gleich zum Verlassen seines Ladens auffordern. Auch in diesem Fall müssten die eigenen Taschen genommen und der volle Blick auf den Einkaufswagen freigegeben werden.

Taschenkontrollen nur bei Verdacht

Anders ist die Lage bei echten Taschenkontrollen. Will ein Mitarbeiter des Geschäftes eine schon woanders gekaufte Tüte, Tasche oder gar private Handtasche mit eventuell sehr persönlichen Inhalten durchsuchen, ist das nur bei einem begründeten Verdacht erlaubt. Ein solcher Verdacht ist beispielsweise gegeben, wenn der Kunde von einem Kaufhausdetektiv beim Einstecken der Ware beobachtet wurde. Die Kontrolle gegen den Willen des Kunden führt dann ggf. die Polizei durch. Solange dürfen Mitarbeiter des Ladens den potentiellen Dieb aber festhalten.

Ein Diebstahl kann übrigens schon vorliegen, wenn der Täter das Geschäft noch gar nicht verlassen hat. Den dafür erforderlichen Gewahrsam an einer Sache kann er nämlich auch schon innerhalb des Ladens erlangen. Dafür reicht es bereits wenn Ware, ohne sie bezahlen zu wollen, in die eigene Tasche gesteckt wird. Das bewusste Verbergen von Produkten im Einkaufswagen wird dagegen zum Diebstahl, wenn der Kassenbereich einmal passiert ist.

Freundlichkeit hilft beiden Seiten

Auch wenn es viele im ersten Moment als ärgerlich empfinden, nach vielleicht längerem Warten an der Kasse auch noch die eigenen Taschen hochheben zu müssen, sollte man freundlich und gelassen bleiben. Missverständnisse lassen sich so im beiderseitigen Interesse besser vermeiden.

(ADS)

Foto : ©Fotolia.com/Eisenhans


Rechtstipp vom 14.03.2013
aus den Rechtsgebieten Kaufrecht, Strafrecht

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