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Anlagebetrug: Meridian Interstate Europe hat keine Konzession für Wertpapiergeschäfte

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Die Meridian Interstate Europe SL gibt sich als ein Spezialist für IPOs (Initial Public Offering), institutionelle Finanzierung und Anlagefonds aus. Sie hat ihren Sitz in Palma de Mallorca. Investiert soll angeblich in neue Technologien, Biotechnologie und Rohstoffe werden. 

Auf der Webseite erscheint erstaunlicherweise nur ein einziger Manager für Fonds und Business, ein Chief Officer, ein Direktor, aber insgesamt 14 Verkäufer. Vermutlich ist das Verkaufen auch die einzige tatsächlich vorhandene Kompetenz. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat am 23. Mai 2019 schon mal vorsorglich angeordnet, das Geschäft sofort einzustellen.

Kaum zu überbietende Dreistigkeit

Angeblich zu den führenden Investmentfirmen gehören, aber keine Konzession für solche Geschäfte zu haben, ist schon ein starkes Stück. Meridian Interstate Europe behauptet ja, schon seit 18 Jahren im Geschäft zu sein und über 15 Milliarden Dollar von über 200 Kunden und Partnern investiert zu haben. 

Dabei wird auf der eigenen Webseite behauptet, der europäische Ableger der Meridian Interstate Bancorp Inc. zu sein, die das ausstehende Stammkapital der East Boston Savings Bank verwaltet. Um die Legende zu untermauern, verspricht Meridian Interstate Europe den Anlegern neben den hohen Zinsen von 2,65 Prozent im Jahr einen Bonus in Form von Aktien der Meridian Interstate Bancorp Inc. Tatsache ist, dass das amerikanische Finanzinstitut keinen europäischen Ableger hat.

Vieles deutet auf Betrug hin

Weil die Meridian Interstate Europe sich mit falschen Federn schmückt, über keine Erlaubnis verfügt und ganz offensichtlich nicht unter der Kontrolle irgendeiner Finanzaufsicht steht sowie keinerlei Expertise in den von ihr genannten Tätigkeitsfeldern nachweisen kann, liegt der Verdacht nahe, dass die Anleger um ihr Geld geprellt werden. 

Dabei bedienen sich Meridian Interstate Europe, der Anzeigen in Online-Magazinen und der klassischen Kaltakquise am Telefon, um Vertrauen bei ihren Opfern aufzubauen und sie zur Überweisung größerer Anlagesummen zu überreden. Zu denken geben sollte auch, dass es für die Meridian Interstate Bancorp Inc. keine Veranlassung geben könnte ein Büro in Mallorca zu eröffnen, bei dem keinerlei Besucherverkehr stattfindet. E-Mails und Telefonate kann man schließlich auch von Boston aus führen.

Wie die Medien darüber berichten

Dies berichten vor allem nichts. Der einzige auf der Website aufgeführte Artikel stammt von Wirtschaft.com. Das ist eigentlich nichts anderes als ein Presseportal, welches die Nachrichten anderer Medien nahezu unverändert wiedergibt. Betrieben wird es von der Schweizer KHT Media GmbH, die Wiederum nur als Projekt einer ebenfalls aus der Schweiz stammenden Webagentur auftaucht. 

Gegen Bezahlung kann auf Wirtschaft.com jeder ein sogenanntes Advertorial veröffentlichen. Ein Advertorial, auch Publireportage genannt, ist eine als Artikel getarnte Werbung die in ein redaktionelles Umfeld eingebettet wird. Das erklärt, warum eine nur wenige Monate aktive Firma empfohlen wird um Festgelder von Privatkunden zu verwalten.

Es sieht nach Boiler Room Scam aus

Beim Boiler Room Scam versuchen Betrüger, die wie seriöse Investmentberater erscheinen, am Telefon Investoren für Geldanlagen zu finden. In den meisten Fällen wird das Geld der Kunden abgegriffen, ohne jemals in eine Anlage investiert zu werden. Im Fall von Meridian Interstate Europe wurden den Kunden zwar keine Aktieninvestments angeboten, aber stattdessen Festgeld mit unüblich hohen Zinsen versprochen, sowie eine Bonuszahlung in Form von Aktien in Aussicht gestellt.

Verräterische Website

Die Seite strotzt vor Worthülsen und Allgemeinplätzen. Schon auf der Startseite steht da wörtlich: „Unsere Fachleute beteiligen sich regelmäßig an Aktivitäten in der Branche wie Veranstaltungen und ähnlichen Aufgaben.” Wenn man mehr erfahren möchte wird man auf die schon weiter oben erwähnte Über-uns-Seite weitergeleitet, wo die Lügengeschichte mit der amerikanischen Bank aufgetischt wird. 

Darunter werden unter dem Stichpunkt „Investieren Sie Ihr Geld bei echten Profis”, die ersten vier Personen des Teams gezeigt. Vermutlich handelt es sich um Phantasienamen und ebensolche Berufsbezeichnungen. Wenn man auf das Pluszeichen der Personen klickt, kommt nichts. Geht man auf Strategien sieht man gekaufte Bilder mit nahezu nichtssagenden Texten. 

Unter „News“ findet man drei Beiträge. Einer zum Thema Festgeld glänzt mit Sätzen, wie „Beim Festgeld wird das Geld immer fest angelegt” oder „Besonders gute Konditionen gibt es oft bei ausländischen Banken und Finanzinstituten”.

Was bleibt

„Sollten Sie zu den geschädigten Kunden der Meridian Interstate Europe gehören, rate ich so schnell wie möglich aktiv zu werden. Lassen Sie sich nicht länger täuschen. 

Denn ganz egal was man Ihnen versprochen und zugesichert hat, sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie es mit fragwürdigen Figuren zu tun haben, die weder über Fachkenntnisse, noch über die erforderlichen Genehmigungen verfügen“, sagt Rechtsanwalt Jochen Resch von der Anlegerschutzkanzlei Resch Rechtsanwälte.

Resch Rechtsanwälte – Anlegerschutz seit 1986

Resch Rechtsanwälte bieten den Anlegern bei Meridian Interstate Europe die kostenlose Prüfung ihres Falles an. Rufen Sie uns an.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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