Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Teilen

E-Mail

Facebook

Twitter

LinkedIn

Xing

Link

Anlageprospekt ist keine Pflichtlektüre

(8)
Anlageprospekt ist keine Pflichtlektüre
Eine Lektüre des Emissionsprospekts kann informativ sein.

Ein Anleger handelt nicht allein deswegen grob fahrlässig, weil er einen ihm überlassenen Emissionsprospekt nicht durchgelesen hat.

In einer aktuellen Entscheidung hat der Bundesgerichtshof (BGH) ein bedeutendes Fanal auch für weniger lesewillige Anleger gesetzt und deren Rechte im Falle von Beratungsfehlern der Anlageberater effektiv gestärkt. Allein die unterlassene Lektüre ausgehändigter Anlageprospekte begründe noch keine sich auf mögliche Schadensersatzansprüche nachteilig auswirkende grob fahrlässige Unkenntnis.

Klage zunächst abgewiesen

Der Kläger machte Schadensersatz wegen einer mutmaßlichen Pflichtverletzung bei Zeichnung einer Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds geltend. Zwar leistete die Fondsgesellschaft anfangs vereinbarungsgemäß die monatlichen Ausschüttungen. Nach deren erheblicher Kürzung versuchte der Kläger vergeblich, die Beteiligung zu beenden sowie eine Rückzahlung der geleisteten Einlage zu erreichen. Eine mehrere Jahre später eingereichte Klage aufgrund vermeintlicher Beratungspflichtverletzungen wies das erstinstanzlich zuständige Landgericht wegen Verjährung jedoch ab.

Verjährung relevant

Für die revisionsrechtliche Entscheidung war daher insbesondere die Frage erheblich, ob die geltend gemachten Schadensersatzansprüche bereits verjährt waren. Für den maßgeblichen Beginn der Verjährung war unter anderem von zentraler Bedeutung, ob der Gläubiger von den Anspruch begründenden Umständen Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangt haben müsste.

Keine grobe Fahrlässigkeit

Allein die unterlassene Lektüre des dem Anleger überlassenen Emissionsprospekts begründe jedoch nicht den Vorwurf grob fahrlässiger Unkenntnis von bei einer Prospektlektüre ersichtlichen Auskunfts- oder Beratungsfehlern des Anlagevermittlers. Insbesondere werde häufig den Ratschlägen und Auskünften des Beraters ein überwiegendes Gewicht beigemessen. Demgegenüber spiele der notwendigerweise allgemein gehaltene und mit immenser Detailfülle und Fachtermini angereicherte Emissionsprospekt lediglich eine untergeordnete Rolle. Eine im Vertrauen auf den Rat  des eigenen Beraters unterlassene Lektüre könne für sich allein weder einen objektiv schwerwiegenden noch subjektiv nicht entschuldbaren Verstoß begründen.

(BGH, Urteil v. 22.09.2011, Az.: III ZR 186/10)

(JOH)

Foto : ©iStockphoto.com/endopack

Newsletter

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.