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Diskriminierung? Zwei-Monatsfrist beachten

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Diskriminierung? Zwei-Monatsfrist beachten
Bewerber dürfen grundsätzlich nicht wegen ihres Alters vom potenziellen Arbeitgeber abgelehnt werden.

Entschädigungsansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz müssen innerhalb von zwei Monaten nach Ablehnung der Bewerbung geltend gemacht werden.

Bei der Bewerberauswahl darf der Arbeitgeber grundsätzlich zwar frei entscheiden, wer seiner Ansicht nach am besten in das Unternehmen passt. Er darf einem Bewerber aber nicht absagen, weil er z. B. behindert oder zu alt ist. Anderenfalls kann der abgelehnte Bewerber nach § 15 AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) Entschädigungs- und Schadensersatzansprüche durchsetzen.

Bewerberin zu alt?

Eine 47-jährige Frau bewarb sich auf eine Stelle als Storemanagerin. Sie erhielt einen Tag später eine Mail des potenziellen Arbeitgebers, der den Eingang der Bewerbung bestätigte und erklärte, sich in der nächsten Woche zu melden. Außerdem enthielt die E-Mail Anmerkungen, wonach die Bewerberin intern als zu alt eingestuft wurde. Die Arbeitsuchende wartete vergeblich auf eine Rückmeldung des potenziellen Arbeitgebers und fragte daher nach beinahe einem Jahr noch einmal nach dem aktuellen Stand des Einstellungsverfahrens. Als sie darüber informiert wurde, dass im Unternehmen kein Personalbedarf mehr bestehe, zog die Frau vor Gericht. Schließlich sei sie wegen ihres Alters nicht eingestellt und daher diskriminiert worden und verlange nun unter anderem eine finanzielle Entschädigung.

Zwei-Monatsfrist versäumt

Das Landesarbeitsgericht (LAG) wies sämtliche Ansprüche der Frau zurück. Schließlich hätte sie gemäß § 15 IV AGG eine Entschädigung innerhalb von zwei Monaten - nach Erhalt der Absage auf ihre Bewerbung - schriftlich geltend machen müssen. Zwar hat sie keine ausdrückliche Absage vom potenziellen Arbeitgeber erhalten. Sie kann aber auch schlüssig erklärt werden: Das Unternehmen hat zunächst versprochen, sich in der nächsten Woche zu melden, die Bewerberin danach aber nicht mehr kontaktiert. Nach Ablauf der folgenden Woche war die Absage damit wirksam. Nun hatte die Frau nur noch zwei Monate Zeit, ihren Entschädigungsanspruch geltend machen. Stattdessen schrieb sie das Unternehmen erst ca. ein Jahr später an. Die Frist war zu diesem Zeitpunkt aber schon fast 10 Monate abgelaufen.

(LAG Hessen, Urteil v. 19.06.2012, Az.: 12 Sa 1454/11)

(VOI)

Foto : ©Fotolia.com/eccolo


Rechtstipp vom 22.11.2012
aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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