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Fahrradfahren ohne Helm: Tragen Sie bei einem Unfall Mitschuld?

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Kommt es zu Fahrradunfällen mit Kopfverletzungen, dann behaupten die Versicherungen immer wieder, dass der Verletzte eine Mitschuld trage, wenn dieser keinen Fahrradhelm getragen hat. 

Die Rechtsprechung ist dabei alles andere als eindeutig. Doch Einschätzungen des Landgerichtes Kiel sowie des Bundesgerichtshofes fallen zugunsten der Fahrradfahrer aus. 

Der BGH hatte dem Rechtsverständnis der Versicherungen bereits 2014 eine Absage erteilt. Das galt jedoch vorläufig nur für Unfälle bis zum Jahr 2011. Begründet hat der BGH seine damalige Entscheidung damit, dass gemäß einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen nur 11 % der Radfahrer aller Altersgruppen innerorts einen Fahrradhelm tragen würden. 

Ungeachtet der allgemeinen Empfehlungen an Teilnehmer am Radverkehr, einen Helm zu tragen, sei daher nicht davon auszugehen, dass die Erforderlichkeit des Tragens von Fahrradhelmen im Jahr 2011 dem allgemeinen Verkehrsbewusstsein entsprochen habe. 

Die durch den Bundesgerichtshof vorgenommene Einschränkung auf Unfälle bis 2011 lässt die Frage offen, wie sich diese Rechtsprechung bis heute entwickelt hat oder wie sie sich zukünftig entwickeln wird. 

Landgericht Kiel folgt Rechtsprechung des BGH

Am 18.12.2018 nahm das Landgericht Kiel in seinem Urteil zu einem Unfall aus Mai 2017 Stellung dazu.

Ebenso wie der BGH berücksichtigte das Landgericht Kiel bei seiner Einschätzung die Veröffentlichung der Bundesanstalt für Straßenwesen. 

Demzufolge trugen 2017 nur 19 % der Radfahrer einen Schutzhelm. Zwar ist das eine Steigerung zu den Feststellungen des Bundesgerichtshofes bzgl. dem Jahr 2011, von einer allgemeinen Überzeugung der Erforderlichkeit, einen Schutzhelm zu tragen, kann aber weiterhin nicht die Rede sein. 

Folglich ist auch für das Jahr 2017 – und somit mutmaßlich auch noch für heute – anzunehmen, dass das Nichttragen eines Schutzhelmes bei einem Fahrradunfall nicht zum Mitverschulden an möglichen Verletzungen führt. Ein darauf begründeter Abzug des Schmerzensgeldes durch die Versicherung ist damit unzulässig. 

Entwicklung der Rechtsprechung

Die Rechtsprechung auf diesem Gebiet befindet sich offensichtlich noch im Wandel. Ob sie auf dem derzeitigen Stand bleibt oder sich weiter verändert, wird maßgeblich durch die Politik und, nicht zuletzt, durch die Akzeptanz in der Gesellschaft entschieden werden. 

Die Anwaltskanzlei Lenné rät Ihnen grundsätzlich, einen Fahrradhelm zu tragen – vor allem zu Ihrer eigenen Sicherheit. Sollte eine gegnerische Versicherung aber versuchen, das Ihnen zustehende Schmerzensgeld aufgrund dessen zu kürzen, müssen Sie das keinesfalls akzeptieren. 

Suchen Sie sich anwaltliche Hilfe und gehen Sie gegen den Kürzungsversuch vor. Wir beraten und vertreten Sie gerne. Nutzen Sie einfach unsere kostenlose Erstberatung.



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