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Fehlerhafte Anlageberatung

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Finanzprodukte werden sowohl über Banken und Sparkassen als auch über sonstige Finanzdienstleister vertrieben. In rechtlicher Hinsicht erfolgt der Vertrieb gegenüber dem Anleger entweder in Form eines Anlageberatungsvertrags oder als Anlagevermittlungsvertrag.

Der Kunde zeichnet dabei oftmals Anlageprodukte, die ihm inhaltlich nicht bekannt sind, weil er „seinem“ Berater/ Vermittler vertraut. Das Vertrauen erstreckt sich sowohl auf die Richtigkeit der überlassenen Prospekte als auch auf die Informationen die der Berater/Vermittler dem Kunden während des Gesprächs über das Anlageobjekt und deren Wirtschaftlichkeit mitteilt.

Im Interesse des Verbraucherschutzes sehen Gesetzgeber und Rechtsprechung weitreichende Aufklärungs- und Beratungspflichten vor. 

Wurden solche nicht eingehalten kann es zu einer Falschberatung kommen. Hierdurch erwachsen Ihnen Schadensersatzansprüche gegen den Anlageberater/ -vermittler.

Beide haften jedoch in unterschiedlichem Umfang. Da die Anlageberatung der häufigste Fall ist, erstreckt sich die nachfolgende Übersicht nur auf eine Haftung des Anlageberaters:

Welche Aufklärungs- und Beratungspflichten gibt es?

Der Anlageberater hat sowohl anlegergerecht (bezogen auf die subjektiven Interessen des Anlegers) als auch anlagegerecht (bezogen auf das Anlageobjekt) zu beraten.

a)  Anlegergerechte Beratung

Die Beratung hat sich auf die persönlichen Verhältnisse des konkreten Kunden zu richten. Insbesondere muss das Wissen und die Erfahrungen des Kunden und dessen Risikobereitschaft berücksichtigt werden und die Anlageempfehlung auf die persönlichen Verhältnisse des Kunden zugeschnitten werden.

Die Kundenangaben sind Grundlage für die Aufklärung durch den Anlageberater. Dieser hat den Kunden zumindest zu folgenden Punkten zu befragen:

  • Anlageziele
  • lang- oder kurzfristige Anlagen
  • Altersversorgung
  • Ausbildung (für Kinder, Enkel)
  • Verfügbarkeit der eingesetzten Mittel
  • Interesse an einmaligen oder wiederkehrenden Ausschüttungen/Erträgen
  • Risikobereitschaft.
  • Kenntnisse in verschiedenen Anlageformen (z. B. Schuldverschreibungen, Aktien, Investmentanteilscheine, Derivate, geschlossene Beteiligungen, Anleihen)
  • Erfahrungen mit verschiedenen Anlageformen in der Vergangenheit (Umfang und Häufigkeit der Geschäfte, Zeitraum u. a.).
  • finanzielle Verhältnisse des Kunden.

b)  Anlagegerechte Beratung

Die anlagegerechte (objektgerechte) Beratung bedeutet, dass sich die Beratung auf die

Eigenschaften und Risiken des Anlageproduktes beziehen muss, die für den konkreten Kunden wesentliche Bedeutung haben. Dabei ist zwischen den allgemeinen Risiken wie Konjunkturlage, Entwicklung des jeweiligen Marktes für das Produkt und den speziellen Risiken zu unterscheiden, die sich aus den individuellen Gegebenheiten des Anlageobjekts, z. B. Kurs-, Zins- und Währungsrisiko, ergeben.

Was kann ich als Schadensersatz fordern?

Als Schadensersatz erhalten sie zum einen ihre Einlagesumme, also die gezeichnete Summe, zurück. Daneben haben sie einen Anspruch auf entgangene Zinsen. Sie hätten ihr Geld auch in eine andere Kapitalanlage gewinnbringend anlegen können und sich so Zinsen erwirtschaften können. So haben folgende Gerichte bereits zugunsten der Verbraucher entschieden: BGH 06.07.1993 – XI ZR 12/93, BGH 22.03.2011- XI ZR 33/10, OLG Düsseldorf, Urt. v. 30.03.2006 – I 6 U 84/05, OLG Frankfurt am Main, Urt. v. 12.01.2011 – 17 U 130/10

Die Rechtsanwaltskanzlei Handan Kes spezialisiert sich zunehmend nur auf das Bank- und Kapitalmarktrecht. Frau Rechtsanwältin Handan Kes absolviert nebenbei den Fachanwaltslehrgang im Bank- und Kapitalmarktrecht und steht mit Kollegen aus demselben Rechtsgebiet in Kontakt.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Allgemeines Vertragsrecht, Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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