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Fußball-EM 2008 II: Fit in Fair Play

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Fußball-EM 2008 II: Fit in Fair Play
Gelb-Rote-Karte: Die sog.

Die Fußball-Europameisterschaft ist in vollem Gange und bei einigen Spielen ist es bereits hart zur Sache gegangen. Doch wo fängt unfaires Spielverhalten an und wo hört sportliche Fairness auf? Die Redaktion von anwalt.de beantwortet diese Frage und stellt rechtzeitig zu den Finalspielen die Regeln für das legendäre Elfmeterschießen vor.

Freistoß und Strafstoß

Welche Art von Freistoß der Schiedsrichter anordnet, hängt von der Schwere des Regelverstoßes ab. Man unterscheidet zwischen direktem und indirektem Freistoß. Beim direkten Freistoß darf der ausführende Spieler den Ball direkt selbst weiter spielen, wohingegen beim indirekten Freistoß der Ausführende den Ball erst zu einem anderen Spieler spielen muss, der den Ball berührt, bevor er ihn weiterspielen darf. Einen indirekten Freistoß ordnet der Schiedsrichter beispielsweise an, wenn ein Spieler gefährlich spielt, wenn er den Lauf des Gegners oder den Torwart behindert.

Der Gegner erhält einen direkten Freistoß beispielsweise, wenn der Spieler fahrlässig, rücksichtslos oder unverhältnismäßig einen Gegner tritt, ihm ein Bein stellt, ihn anspringt, schlägt oder ihn stößt. Gleiches gilt, wenn er beim Tackling den Gegner vor dem Ball berührt, ihn hält, anspuckt und absichtlich den Ball mit der Hand spielt.

Begeht ein Spieler eines der genannten Vergehen zur Verteidigung innerhalb seines eigenen Strafraumes, so erhält die gegnerische Mannschaft einen Strafstoß, umgangssprachlich auch Elfmeter genannt, weil die Strafstoßmarke 11 m vom gegnerischen Tor entfernt ist. Der Strafstoß wird dann - unabhängig davon, wo sich der Ball zuvor befunden hat - von der Strafstoßmarke aus vom Gegner gespielt. Er muss auch noch ausgeführt werden, wenn die Spielzeit der Halbzeit oder Verlängerungshälfte bereits abgelaufen ist. Der Torwart muss mit Blick zum Gegner so lange im Tor bleiben, bis dieser den Ball mit dem Fuß abgestoßen hat. Die anderen Spieler der gegnerischen Mannschaft halten sich hierbei außerhalb des Strafraumes auf, also hinter der Strafstoßmarke und mindestens 9,15 m vom Ball entfernt. Auf das Signal des Schiedsrichters hin wird der Elfmeter ausgeführt.


Verwarnungen und Platzverweis

Der Schiedsrichter kann gegen einen Spieler außerdem Disziplinarmaßnahmen ergreifen. Eine Verwarnung oder einen Platzverweis signalisiert der Schiedsrichter, indem er dem Spieler die Rote Karte oder die Gelbe Karte zeigt. Rote Karte und Gelbe Karte können einem Spieler und auch einem Auswechselspieler vom Betreten bis zum Verlassen des Spielfeldes gezeigt werden.

Die Gelbe Karte wird gegenüber einem Spieler verhängt, wenn er sich nach Ansicht des Schiedsrichters unsportlich oder ablehnend verhalten, wiederholt gegen die Spielregeln verstoßen, die Wiederaufnahme des Spiels verzögert oder den vorgeschriebenen Mindestabstand bei einem Eckstoß, Freistoß oder Einwurf nicht eingehalten hat. Auch Protestieren und Reklamieren kann der Schiedsrichter mit einer Gelben Karte ahnden.

Wenn der Spieler im selben Spiel die zweite Gelbe Karte erhalten würde, kann ihm der Schiedsrichter wegen der wiederholten Regelverstöße mit der Gelb-Roten Karte einen Platzverweis erteilen. Die Entscheidung liegt im Ermessen des Schiedsrichters. Er signalisiert die Gelb-Rote Karte, indem er zuerst die Gelbe Karte und anschließend die Rote Karte zeigt. Erhält ein Spieler die Gelb-Rote Karte ist er für das laufende und das nächste Spiel des Wettbewerbs gesperrt.

Hat der Spieler ein grobes Foul begangen, gewalttätig gespielt, einen anderen angespuckt oder ein Tor durch unzulässiges Handspiel verhindert, so kann ihn der Schiedsrichter einen Platzverweis und die Rote Karte erteilen. Er darf dann am laufenden Spiel nicht mehr teilnehmen und ist regelmäßig für das nächste Spiel gesperrt. Bei einem Feldverweis mit Roter Karte kann die Kontroll- und Disziplinarkammer die Strafe auch verschärfen und die Dauer der Sperre verlängern, im Extremfall sogar bis zum Ende des Wettbewerbs.


Foul, Handspiel & Co.

Das Foul wird während des laufenden Spiels im Zweikampf begangen, wenn ein Spieler mit Körperkontakt gegen den Gegner rücksichtslos oder mit übertriebener Härte vorgeht, ohne Ellbogen und Arme einzusetzen. Ein grobes Foul begeht, wer brutal und übermäßig hart gegen seinen Gegner agiert, beispielsweise wenn er in ihn hineinspringt. Ein grobes Foul wird mit einer Roten Karte und Platzverweis geahndet. Es wird grundsätzlich nicht auf Vorteil entschieden, außer es hat sich eine klare Torchance ergeben. Das Spiel wird dann mit einem direkten Freistoß bzw. Strafstoß fortgesetzt.

Auch beim so genannten gefährlichen Spiel kann ein Platzverweis erteilt werden. Hier besteht zwischen den Spielern kein Körperkontakt. Der Spieler spielt so, dass jemand verletzt werden könnte und der Gegner wird aus Angst vor einer Verletzung daran gehindert, den Ball zu spielen. Voraussetzung für eine Disziplinarmaßnahme ist hier, dass dem Gegner durch die Aktion ein Nachteil entstanden ist. Entgeht dem Gegner wegen des gefährlichen Spiels eine Torchance, kann der Schiedsrichter dem Spieler einen Platzverweis erteilen.

Unter dem Begriff Tätlichkeit versteht man ein gewaltsames Spiel, das nicht mit dem Ballverlauf in Verbindung steht und gegenüber einem Mitspieler, einem Gegner, einem Offiziellen oder einer anderen Person verübt wird. Die Tätlichkeit wird mit der Roten Karte und einem Platzverweis sanktioniert. Wurde sie gegenüber einem Mitspieler verübt, so wird das Spiel mit einem indirekten Freistoß fortgesetzt. Ist der Spieler gegen einen Gegner, den Schiedsrichter oder eine andere Person tätlich geworden, wird das Spiel mit einem direkten Freistoß fortgesetzt.

Beim Handspiel sind mehreren Varianten möglich. Wird das Handspiel eingesetzt, um ein Tor zu erzielen, gilt dies als unsportliches Verhalten und wird mit einer Gelben Karte bestraft. Wenn mit dem Handspiel ein Tor des Gegners verhindert wird (so genannte „Notbremse"), erhält der Spieler die Rote Karte. Das Spiel wird mit direktem Freistoß oder einem Strafstoß fortgesetzt.

Der Torwart kann ebenfalls wegen Handspiel verwarnt werden. Er darf nur innerhalb des Strafraumes die Hände einsetzen, außerhalb des Strafraumes ist ein Handspiel für ihn ebenfalls unzulässig. Begeht der Torwart innerhalb des Strafraumes andere Verstöße, zum Beispiel wenn er den Ball länger als 6 Sekunden in den Händen hält, so wird das Spiel (höchstens) mit einem indirekten Freistoß fortgesetzt.


Elfmeterschießen

Bei der Europameisterschaft wird in Viertelfinale, Halbfinale und Finale ein Elfmeterschießen durchgeführt, wenn nach der zweimaligen Verlängerung von jeweils 15 Minuten bisher keine Mannschaft mehr Tore erzielt hat als die andere. Der Schiedsrichter entscheidet, welches Tor für das Elfmeterschießen verwendet wird bzw. bestimmt durch Münzwurf das Tor. Die Schiedsrichterassistenten und ein Offizieller notieren sich die Nummern der Spieler, die einen Elfmeter ausführen.

Der Mannschaftstrainer nominiert 5 Spieler, die am Elfmeterschießen teilnehmen und bestimmt auch die Reihenfolge, in der sie auf das Tor schießen. Es wird jeweils abwechselnd auf das Tor geschossen, die Torhüter wechseln sich nach jedem Schuss im Tor ab. Während der Ausführung darf der Torwart die Torlinie nicht verlassen. Eine Mannschaft hat gewonnen, sobald sie mehr Tore erzielt als die Gegenmannschaft mit den noch ausstehenden Torschüssen erzielen könnte. Besteht auch nach 5 Durchgängen Gleichstand, so wird aufs Neue auf das Tor geschossen. Entscheidend sind dann aber die erzielten Tore pro Durchgang je Spielerpaar, d.h. erzielt der Spieler ein Tor und verschießt der Gegenspieler den Ball, hat die Mannschaft des Spielers das Spiel gewonnen.

Das Redaktionsteam von anwalt.de wünscht allen Lesern weiterhin viel Spaß, Spannung und Fairness bei der Europameisterschaft 2008!

(WEL)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 12.06.2008
aus dem Rechtsgebiet Sportrecht

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