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Geduldsprobe bestanden, Flug verpasst: Familie mit langem Atem verlangt Reisepreisminderung

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Geduldsprobe bestanden, Flug verpasst: Familie mit langem Atem verlangt Reisepreisminderung
anwalt.de kurios – skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Ruhe bewahren und geduldig warten, bis man endlich an der Reihe ist: So lassen sich etliche Probleme lösen. Dass diese Strategie allerdings nicht immer weiterhilft, lernen einige auf die harte Tour. So wie etwa eine Familie, deren Flugzeug ohne sie den Flughafen verließ.

Reiserecht Erstberatung Reiserecht: Diese Rechte stehen Ihnen zu!

Eine Warteschlange am Flughafen für mehrere Zielorte 

Eine vierköpfige Familie hatte eine All-inclusive-Reise nach Side in der Türkei gebucht und war zu spät zum Check-in gekommen. Vor ihrem Schalter fand sie noch eine lange Warteschlange vor und nahm deswegen an, dass es keinen Grund zur Besorgnis gab. 

Was die vier Reisenden nicht wussten: Die Wartenden hatten teils unterschiedliche Ziele. Es waren etliche darunter, die für einen Flug nach Griechenland abgefertigt wurden. Die Fluggäste mit dem Flugziel Antalya wurden bevorzugt eingecheckt und konnten daher auch an der Schlange vorbeigehen.

Geduld kann auch zum Verhängnis werden

Als die Familie an der Reihe war, erfuhr sie, dass ihr Flug bereits den Flughafen verlassen hatte. Was für sie folgte, war eine Nacht auf dem Fußboden bei Verwandten in Leipzig und ein neuer Flug nach Antalya ab Berlin-Tegel. Schließlich kamen die Reisenden drei Tage zu spät an ihrem Urlaubsort an. 

Nach ihrer Rückkehr hatten die vier Urlauber keine Geduld mehr mit ihrem Reiseveranstalter. Sie verlangten eine Reisepreisminderung und Schadensersatz. Das Reiseunternehmen stellte sich allerdings quer, sodass das das Amtsgericht (AG) München über den Fall entscheiden musste.

Die Airline hätte besser informieren müssen, entschieden die Richter

Vor Gericht zahlte sich die Beharrlichkeit der Familie endlich aus. Das Gericht sprach ihr eine Reisepreisminderung sowie Schadensersatz zu. Insgesamt wurden die vier geduldigen Reisenden mit 852 Euro entschädigt. 

Zwar hatte der Reiseveranstalter veranlasst, dass ein Mitarbeiter mehrmals laut gerufen hatte, um sich zu vergewissern, ob noch Reisende nach Antalya in der Schlange waren. Das sei allerdings kaum genug, befand das Gericht. Angemessen wäre beispielsweise eine Lautsprecherdurchsage gewesen. 

Eine Durchsage über Lautsprecher hätte es schon sein müssen

Schließlich sei es in einer solchen Situation praktisch unmöglich, sich laut genug zu verständigen, um von jedem Wartenden gehört zu werden. Somit sei es kein Wunder, dass die Familie von alledem nichts mitbekommen habe.

Es wäre wohl möglich gewesen, jeden Reisenden in der Schlange einzeln anzusprechen. Doch auch diese Mühe wollte sich die Airline anscheinend nicht machen. Zudem könne kaum jeder wissen, dass in einer einzelnen Schlange beim Check-in oft Reisende warten, die unterschiedliche Flüge gebucht haben.

Zu spät beim Check-in, keine einzige Nachfrage gestellt: Geduld ist nicht alles

Eine gewisse Mitschuld sahen die Richter allerdings auch bei der geduldigen Familie, weswegen sie nur teilweise recht bekam. 

Zum einen sei es nicht unbedingt die feine englische Art, zu spät zum Check-in zu erscheinen. Und zum anderen hatte sie anscheinend kein einziges Mal nachgefragt, ob alles mit rechten Dingen zuging – obwohl sie sich eine ganze Weile die Beine in den Bauch gestanden hatte. 

(JSC)

Foto : ©Shutterstock.com/Ollyy

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