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Global Financial Invest AG: Werden monatliche Auszahlungen gestoppt?

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Verbraucher, die eine Lebensversicherung an die Global Financial Invest AG verkauft haben, sorgen sich darum, ob diese ihre Zahlungsverpflichtungen in Zukunft erfüllt.

Derzeit berichten mir Kunden von einer Einstellung der monatlichen Zahlungen. Anlass genug, das Geschäftsmodell der Global Financial Invest AG näher unter die Lupe zu nehmen:

Geschäftsmodell

Die Global Financial Invest AG betätigt sich als Aufkäufer von Lebens- und Rentenversicherungen am Markt. Dieser Markt wurde aus der Idee heraus geboren, dass es in vielen Fällen günstiger ist, einen Lebensversicherungsvertrag zu verkaufen, als ihn gegenüber der Versicherung zu kündigen. Hintergrund ist, dass mit der Kündigung erhebliche Verluste (Stornoverluste) für den Versicherungsnehmer entstehen.

Beim Verkauf einer Police werden solche Stornoverluste vermieden. Allerdings wachsen auch bei einem Verkauf einer Police die Bäume „nicht in den Himmel“: Der Kaufpreis liegt in der Regel lediglich 5 % bis maximal 15 % über dem jeweiligen Rückkaufswert.

Unseriöse Anbieter

Auf dem Markt der Versicherungsaufkäufer tummeln sich etliche unseriöse Anbieter. Hier steht nicht das Kundeninteresse im Mittelpunkt, sondern es soll möglichst schnell Kasse gemacht werden. Unseriöse Anbieter sind nicht immer leicht für den Kunden erkennbar, es gibt jedoch einige Indizien.

Sehr hohe Rückzahlung

Unseriöse Anbieter bieten häufig eine Rückzahlung an, die erheblich über dem Rückkaufswert liegt: So können Sie davon ausgehen, dass ein unseriöses Angebot vorliegt, wenn Ihnen der Aufkäufer eine Rückzahlung des zwei- oder dreifachen Rückkaufswerts anbietet.

Rückzahlung in Raten

Häufig wird die Rückzahlung nur in Form von Ratenzahlungen angeboten. Vielfach vereinbaren die Aufkäufer sehr lange Zahlungsfristen von 10 bis zu 30 Jahren. Problem dabei ist, dass der Kunde seine Police los ist, der im Gegenzug vereinbarte Kaufpreis jedoch erst in etlichen Jahren vollständig bezahlt sein wird. Während dieser Zeitspanne übernimmt der Kunde damit unfreiwillig auch das Insolvenzrisiko des Aufkäufers.

Kunden sollten daher nur solche Angebote akzeptieren, die eine sofortige und vollständige Auszahlung vorsehen. Ansonsten kann es passieren, dass der Kunde nur ein Teil des Kaufpreises ausgezahlt bekommt.

Konkrete Situation bei der Global Financial Invest AG

Die Global Financial Invest AG bietet ihren Kunden die Auszahlung des doppelten Rückkaufswerts an. Gleichzeitig wird die Auszahlung des Rückkaufswerts auf bis zu 120 Monate (d.h. zehn Jahre) gestreckt.

Das Geschäftsmodell der Global Financial Invest AG war zudem auch Gegenstand von Ermittlungen der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht). Diese ist der Ansicht, dass es sich bei dieser Art von Geschäften um ein Einlagengeschäft handelt, welches eine Banklizenz notwendig macht. Laut Bescheid der BaFin sind die eingegangenen Einlagengeschäfte untersagt worden. Weiterhin wurde die Rückabwicklung der eingegangenen Geschäfte angeordnet, danach sind die angenommenen Gelder unverzüglich zurückzuzahlen (siehe Mitteilung der BaFin vom 28.02.2014).

Der Bescheid ist noch nicht bestandskräftig.

Ausblick in die Zukunft

Das weitere Schicksal der Global Financial Invest AG ist ungewiss. Laut dem Internetauftritt konzentriert sich die Firma nunmehr auf Investitionen in Immobilien. Es ist zu hoffen, dass die Global Financial Invest AG weiterhin liquide bleibt, um ihre langfristigen Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Kunden zu erfüllen.

Der Jahresabschluss für das Jahr 2012 weist Verbindlichkeiten in Höhe von 25.141.555,14 € aus. Davon sind 18.168.941,32 € kurzfristige Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr. Weiterhin weist der Jahresabschluss einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von 5.167.636,45 € aus. Der Fehlbetrag ist im Vergleich zum Jahr 2011 angestiegen (Fehlbetrag 2011: 4.568.913,29 €).

Die wirtschaftlichen Aussichten der Global Financial Invest AG sind daher durchwachsen.

Was können Kunden nun tun?

Kunden sollten die weitere Entwicklung im Auge behalten, insbesondere was die Auseinandersetzung mit der BaFin anbetrifft. Sollte es zu einer Rückabwicklung kommen, so könnten die Kunden ihr Geld unter Umständen schon eher wiedersehen.

Allerdings könnte die Global Financial Invest AG hierdurch in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Kunden sollten sich anwaltlich beraten lassen, um im Wege eines Vergleichs eine zügige Rückzahlung zu erreichen. Denkbar sind zudem Schadensersatzansprüche, wenn dem Kunden von einem Finanzberater zum Verkauf der Police geraten wurde.

Robert Nebel, M. A.

Rechtsanwalt

Licenciado en Derecho


Rechtstipp vom 14.01.2015

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