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Kein Nutzungsausfall, kein Schadensersatz

Rechtstipp vom 25.04.2012
(9)
Rechtstipp vom 25.04.2012
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Kein Nutzungsausfall, kein Schadensersatz
Ist das Auto nach einem Unfall nicht mehr zu reparieren, sollte man mit einer Ersatzbeschaffung nicht lange warten.

Kauft ein Unfallgeschädigter erst neun Monate nach dem Unfall ein Ersatzfahrzeug, ist davon auszugehen, dass er auf die Nutzung des Kfz nicht angewiesen war. Ein Nutzungsausfall ist dann zu verneinen. Ist es einem Kfz-Eigentümer nicht mehr möglich, sein Auto zu nutzen, weil es bei einem Unfall beschädigt wurde, kann er grundsätzlich einen Nutzungsausfallschaden geltend machen, bis er ein Ersatzfahrzeug oder einen gleichwertigen Pkw für die Dauer der Reparatur angemietet hat. Voraussetzung ist allerdings, dass der Kfz-Eigentümer auf die Nutzung eines Wagens angewiesen sein muss.

Ersatzbeschaffung nach neun Monaten

Das Cabrio einer Frau hatte bei einem Unfall im Sommer einen Totalschaden. Erst neun Monate später erwarb die Frau ein neues Cabrio und begründete ihr Verhalten damit, dass sie kurz nach dem Unfall kein Geld gehabt habe, sich ein neues Kfz zu kaufen. Außerdem seien Autos im Winter billiger, sodass sie mit einem Erwerb trotz Erhalt des Schadensersatzes im August noch gewartet habe. Als sie beim Unfallverursacher einen Nutzungsausfallschaden für 14 Tage geltend machte, weil es angeblich so lange dauere, bis ein Ersatzwagen wiederbeschafft werden könne, verweigerte der Unfallgegner die Zahlung. Der Streit endete vor Gericht.

Gericht verneint Nutzungsausfall

Das Amtsgericht (AG) Andernach lehnte einen Anspruch der Cabriofahrerin ab. Da sie erst nach neun Monaten ein Ersatzfahrzeug erworben hatte, war ein Nutzungsausfall zu verneinen. Zwar hat sie die Gebrauchsmöglichkeit des Wagens aufgrund des Unfalls verloren; sie war aber nicht auf die Nutzung des Kfz angewiesen, weil sie ihr Leben für immerhin neun Monate auch ohne Auto bewältigen konnte. Nach Erhalt des Schadensersatzes hätte sie sich ein anderes Kfz kaufen können; stattdessen wartete sie jedoch den Winter ab, um das neue Auto reduziert kaufen zu können. Ihr Verhalten ließ daher keine spürbare Beeinträchtigung durch die fehlende Nutzungsmöglichkeit erkennen.

(AG Andernach, Urteil v. 20.12.2011, Az.: 63 C 651/11)

(VOI)

Foto : ©Fotolia.com/Sven Bähren


Rechtstipp aus der Themenwelt Ersatz des Unfallschadens und Schmerzensgeld und dem Rechtsgebiet Verkehrsrecht

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