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Kein Schmerzensgeld für reine Haarspalterei

Rechtstipp vom 20.04.2012
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Kein Schmerzensgeld für reine Haarspalterei
Haarige Angelegenheit: Fällt der Haarschnitt zu kurz aus, gibt’s noch kein Schmerzensgeld.

Zwar können Friseure ihre Kunden mit dem neuen Haarschnitt nicht immer restlos zufriedenstellen. Aber Schmerzensgeld für eine verpatzte Haartracht gibt es nur in schwerwiegenden Fällen. Dass der Haarschnitt einmal zu kurz ausfällt, kommt schon einmal vor. Kunden, die regelrecht an jedem Zentimeter ihrer Haare hängen, sind für Friseure eine echte berufliche Herausforderung. Wird mehr abgeschnitten, als gewünscht, rechtfertigt das aber noch kein Schmerzensgeld. Für einen solchen Anspruch muss ein Rechtsgut des Kunden ganz erheblich verletzt sein, etwa sein allgemeines Persönlichkeitsrecht.

Zu kurz geschnitten

Wann ein so schwerer Fall vorliegt, dass ein Schmerzensgeld gerechtfertigt ist, musste zum Beispiel das Amtsgericht (AG) München entscheiden. Eine Frau hatte sehr dünnes Haar, sodass ihre Kopfhaut durchschimmerte. Weil die Kopfhaut bei kurzen Haaren noch deutlicher sichtbar war, bat sie die Friseurin, das Deckhaar um höchstens einen halben Zentimeter zu schneiden und drohte rechtliche Schritte an, falls sich die Friseurin nicht an ihren Wunsch halte. Tatsächlich schnitt die Friseurin drei Zentimeter weg. Die Kundin beschwerte sich zunächst nicht. Erst zwei Tage nach dem Friseurbesuch reklamierte sie den zu kurzen Haarschnitt. Da sie sich entstellt fühlte, forderte sie Schmerzensgeld und zog vor Gericht.

Anspruch auf Schmerzensgeld

Der Richter wies ihre Klage jedoch ab. Nur wenn die Frisur für den Kunden eine regelrechte Tortur ist, kommt ein Schmerzensgeldanspruch in Betracht. In aller Regel setzen die Gerichte dafür voraus, dass Haar oder Kopfhaut dauerhafte Schäden davongetragen haben. Hier war das aber nach Ansicht des Amtsrichters nicht der Fall. Schließlich wachsen die Haare bald nach. Dass hier die Wünsche der Kundin missachtet worden waren, mag zwar ärgerlich gewesen sein, rechtfertigt aber allein noch kein Schmerzensgeld.

(AG München, Urteil v. 07.10.2011, Az.: 173 C 15875/11)

(WEL)

Foto : ©iStockphoto.com/suslik83


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht

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