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„Krank“ im Fitnessstudio: Kündigung?

Rechtstipp vom 26.04.2012
(18)
Rechtstipp vom 26.04.2012
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„Krank“ im Fitnessstudio: Kündigung?
Fitnessstudio - eine Möglichkeit um wieder gesund zu werden.

Dass ein Arbeitnehmer, der „arbeitsunfähig krank“ geschrieben ist, im Fitnessstudio von seinem Arbeitgeber gesichtet wird, ist für sich genommen kein Beweis für die Vortäuschung der Krankheit.

Aus diesem Grund kann es sein, dass ein krankgeschriebener Arbeitnehmer während seiner Krankheitszeit ein Fitnessstudio besuchen kann, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Fitness trotz Grippe

Der Kläger, ein Kfz-Prüfingenieur, der sich gegen seine Entlassung wegen dieses Vorfalls zur Wehr setzte, war wegen eines grippalen Infekts arbeitsunfähig krankgeschrieben. Trotz allem besuchte er während dieser Zeit ein Fitnessstudio und wurde dabei „gesichtet".

Für den Arbeitgeber ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht hatte. Die Kündigung folgte auf dem Fuße.

Beweiskraft muss erschüttert werden

Während das Arbeitsgericht (AG) Köln der Ansicht des Arbeitgebers noch folgte, kam das Landesarbeitsgericht (LAG) Köln zu dem Ergebnis, dass der Arbeitsunfähigkeits-bescheinigung ein hoher Beweiswert zukommt. Die Bescheinigung würde in erster Linie zunächst eine tatsächliche Vermutung für die Erkrankung des Arbeitnehmers darstellen. Zweifelt der Arbeitgeber an, dass der Arbeitnehmer tatsächlich arbeitsunfähig erkrankt war, muss diese Beweiskraft erschüttert werden, der Arbeitgeber also Gründe darlegen und im Zweifel beweisen, dass der Arbeitnehmer eigentlich arbeitsfähig war.

Fitness dient der Genesung

Die Richter des LAG ließen sich in diesem Fall nicht überzeugen, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber seine Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht habe. Der Besuch eines Fitnessstudios an sich - vor allem wenn nur leichte Übungen gegen Verspannungen absolviert werden - reiche nicht aus, um den Beweiswert der sogenannten „AU-Bescheinigung" zu erschüttern. Im Gegenteil: ein solches Verhalten könne durchaus geeignet sein, die Genesung voran zu bringen.

Arbeitsrechtliche Konsequenzen hatte der Fitnessstudiobesuch für den Arbeitnehmer also im Ergebnis nicht.

(LAG Köln, Urteil v. 02.11.2011, Az.: 9 Sa 1581/10)

(LOE)

Foto : ©Fotolia.com/Kzenon


Rechtstipp aus der Themenwelt Abmahnung und Kündigung und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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