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Let's Rock: Festival abgebrochen, Band ausgefallen, Gehör verloren ... und was dann?

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Let's Rock: Festival abgebrochen, Band ausgefallen, Gehör verloren ... und was dann?
Die Hauptfeinde jedes Festivals: schlechtes Wetter, der Band ist schlecht und schlechter Sound.
  • Fällt das Festival wegen schlechten Wetters aus, ist eine teilweise Kostenerstattung möglich.
  • Fällt eine ganze Band aus, muss sich der Veranstalter besonders um Ausgleich bemühen, wenn deren Auftritt wichtig für viele Besucher war.
  • Fällt das Gehör aus, entscheiden Vorkehrungen des Veranstalters und das Verhalten des Verletzten über die Haftung.

Mehr als 100.000 Fans fiebern diesem Wochenende schon lange entgegen. Denn es ist wieder Zeit für Rock am Ring und Rock im Park. Musikbegeisterte und Feierwütige strömen massenhaft an den Nürburgring sowie nach Nürnberg. Ihr gemeinsames Ziel: mächtig Spaß mit guter Mucke. Ab und zu leider gibt’s doch Probleme.

Wetter und andere Katastrophen

Gewitter sind bekanntlich Fans von Rock am Ring und Rock im Park. Schon mehrmals haben sie die beiden Festivals besucht. Auch in diesem Jahr sorgte bereits eine Gewitterwarnung am Nürburgring für Spannung. Für die kommenden Tage prophezeit der Wetterbericht Rock am Ring wie Rock im Park milde Temperaturen mit nur etwas Regen. Gut zu hören. 

Schließlich wirft Extremwetter Open Airs schnell mal komplett über den Haufen. Neben schweren Schauern, heftigen Stürmen und Gewittern drohen weitere Katastrophen, auf die kein Veranstalter einen Einfluss hat.

Fällt ein Festival bereits vor Beginn buchstäblich ins Wasser, zahlen Veranstalter den Besuchern meist Ticketpreis und eine eventuell gezahlte Vorverkaufsgebühr über die Vorverkaufsstelle zurück. Entschließt sich der Veranstalter erst nach Beginn zum Abbruch, muss zumindest eine teilweise Rückerstattung möglich sein. Schließlich wurde nur ein Teil der Leistung erbracht.

Mit der Erstattung von Anreisekosten, sieht es in solchen Fällen hingegen schlecht aus. Denn dazu müsste der Veranstalter den Ausfall zu vertreten haben. Das heißt, der Veranstalter oder seine Helfer haben den Abbruch vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt. Bei schlechtem Wetter sieht es daher schlecht aus, da solche nicht beeinflussbaren Situationen höhere Gewalt darstellen. Und für die gibt es keinen Fahrtkostenersatz.

Auftritt abgesagt oder miese Performance

Ein weiteres festivaltypisches Ärgernis sind auch plötzlich abgesagte Auftritte. Das nervt besonders, wenn sich gerade die Lieblingsband verabschiedet, bevor es überhaupt losging. Muss der Veranstalter dann zumindest Geld zurückzahlen? 

Fehlen entsprechende AGB, fällt es dem Veranstalter hier schwerer, eine Rückzahlung bzw. Minderung des Eintrittspreises zu verweigern. Denn Besucher haben aufgrund ihres Vertrags mit dem Veranstalter Anspruch auf eine ordentliche Leistung.

Das gilt vor allem dann, wenn der Veranstalter mit dem konkreten Künstler besonders geworben hatte. Das heißt, er muss zumindest für gleichwertigen Ersatz sorgen, wenn er heil aus der Sache rauskommen will. Ausgerechnet hier fällt die Antwort bei einem Klassikkonzert leichter als bei Auftritten bestimmter Bands. Denn während sich ein Geiger, bei dem es sich nicht gerade um den Solisten handelt, austauschen lässt, kann auf einem Festival nicht einfach eine andere Gruppe die Songs der ausgefallenen Band spielen.

Fragt sich aber, ob AGB das verhindern können. In diesen steht nicht selten, dass es für die Absage einzelner Künstler nichts gibt, wenn der Veranstalter sich erfolglos um Ersatz bemüht. Aber geht das so leicht? Bemüht sich der Veranstalter jedenfalls ausgiebig um Ersatz und trifft ihn keine Schuld an der Absage, dann kommt es darauf an, welchen Stellenwert die Gruppe fürs Festival hatte.

Persönliche Vorlieben bleiben außen vor. Und auch Gerichte legen die Messlatte dafür relativ hoch. Handelt es sich nicht gerade um einen Headliner, der besonders viele Besucher anzieht, bedeutet das schlechte Karten. Fällt aber ein Topact aus, dann ließe sich trotz der AGB ein Teil des Eintrittspreises zurückfordern. Schließlich hat der Veranstalter einen wesentlichen Teil der versprochenen Leistung nicht erbracht.

Bei einer anderen Frustquelle in Form einer schlechten Performance sieht es dagegen schlecht aus. Fällt der Musiker beispielsweise betrunken von der Bühne, muss der Veranstalter grundsätzlich dafür einstehen. Gegebenenfalls kann er von ihm Schadensersatz verlangen. Anderes gilt hingegen, wenn ein Künstler seinen Mikroständer ins Publikum wirft und dabei jemanden verletzt. Damit muss der Veranstalter im Regelfall nicht rechnen und haftet deshalb nicht neben dem Künstler.

Hörschäden und Haftung

Schlimmer als ein schlechter Auftritt, über den der Frust relativ schnell verfliegt, sind hörbare Spätfolgen. Damit auch die hinteren Reihen bei zigtausend Besuchern noch etwas hören, ist die Lautstärke auf Großveranstaltungen entsprechend hoch. Zu hoch für das ein oder andere Ohr. Wer haftet dann für Dauerschäden, wenn das Pfeifen nicht mehr aufhört? Der Veranstalter oder der jeweilige Künstler? Ganz ausschließen lässt sich die Haftung für Hörschäden jedenfalls nicht.

Bei vorsätzlich und fahrlässig verursachten Schäden haften Veranstalter auch hier aufgrund einer verletzten Verkehrssicherungspflicht. Schließlich müssen sie dafür Sorge tragen, gefährliche Folgen zu vermeiden und auf das Einhalten vorgegebener Lautstärken achten. Um einer Haftung zu entgehen, weisen sie Besucher zudem darauf hin, sich nicht direkt vor die Lautsprecher zu stellen und Ohrstöpsel im Bühnenbereich zu tragen.

Sollte eine Band von sich aus zu laut spielen, endet die Verkehrssicherungspflicht allerdings nicht automatisch. Denn Veranstalter müssen andere, in deren Händen das Risiko nun liegt, immer noch kontrollieren und gegebenenfalls eingreifen. Die Verkehrssicherungspflicht gilt im Übrigen auch für andere nicht abgesicherte Gefahrenstellen.

Sollte ein Veranstalter nicht ausreichend für Sicherheit gesorgt haben, müssen geschädigte Besucher aber immer noch beweisen, dass das Konzert Ursache für den Schaden war. Selbst wenn das gelingt, kann ein Gericht immer noch eine Mitschuld annehmen. Vorsicht ist deshalb besser als Nachsicht.

(GUE)

Foto : ©Fotolia.com/DWP


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht

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