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Müllmann: Belastung wie Berufsfußballer

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Müllmann: Belastung wie Berufsfußballer
Springen, Laufen, Heben: Belastungen wie im Profisport hinterlassen auch bei Müllwerkern Spuren.

Müllmann ist ein Knochenjob, sagt man. Das Hessische Landessozialgericht drückt sich differenzierter aus und stellt die körperliche Belastung eines Müllwerkers mit der eines Leistungssportlers gleich.

So äußerte sich das Gericht in einem Streit um die Frage, ob die Meniskuserkrankung eines Müllwerkers als Berufskrankheit im Sinne des § 9 Abs.1 SGB VII (Sozialgesetzbuch VII) anzuerkennen ist.

Knie verdreht

Der Kläger klagte im Jahr 2005, da bei ihm nach gut 10 Jahren Tätigkeit als Müllmann eine degenerative Meniskopathie - Verschleiß des Kniegelenksmeniskus - festgestellt wurde. Diesen Verschleiß führte er auf seine Arbeit zurück und wollte dies als „Berufskrankheit" anerkannt wissen. Festgestellt wurde der Verschleiß, als der Kläger in Folge eines akuten Arbeitsunfalls - er hatte sich bei der Arbeit das Knie verdreht - am Knie untersucht wurde.

Keine Berufskrankheit

Die Berufsgenossenschaft war aber der Auffassung, dass es sich bei der Meniskopathie um eine, von dem akuten Unfall unabhängige Erkrankung handle und sie deswegen nicht zur Zahlung von weiteren Leistungen - über den akuten Unfall hinaus - verpflichtet sei. Eine Berufskrankheit im Sinne der Anlage zur Berufskrankheitenverordnung (BKV) liege nicht vor.

Ihr Argument: Ein Müllwerker sei keiner gefährdenden Belastung im Sinne der BKV ausgesetzt, Müllwerker würden in der maßgeblichen BK 2102 („Berufskrankheiten Knie", dort aber Berufsfußballer, Handballspieler etc.) nicht genannt.

Überdurchschnittliche Belastung der Kniegelenke - Berufung erfolglos

Das Sozialgericht (SG) gelangte zu dem Ergebnis, dass die Anerkennungsvoraussetzungen der BK 2102 vorliegen. Die dortige Auflistung der Berufe mit gefährdender Belastung sei nur beispielhaft sei, denn Berufssportler würden aufgelistet und die körperliche Belastung beider Berufe sei durchaus vergleichbar.

Und so blieb auch die Berufung der Genossenschaft zum Landessozialgericht (LSG) erfolglos: Die Arbeit des Müllwerkers sei eine überdurchschnittlich belastende Tätigkeit, so das LSG. Die Belastungsdosis bei der Tätigkeit des Klägers sei - und so fordere es das Gesetz - deutlich höher als bei der Gesamtbevölkerung im Durchschnitt. Das sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Knie von Müllwerkern tagtäglich beim Laufen, Springen und Heben massiven Knick-, Scher- und Drehbewegungen ausgesetzt seien. An der Ursächlichkeit der Arbeit für die diagnostizierte Meniskopathie hatte das Gericht keine Zweifel.

(Hessisches Landessozialgericht, Urteil v. 07.05.2012, Az.: L 9 U 211/09)

(LOE)

Foto : ©Fotolia.com/Jan Becke


Rechtstipp vom 20.06.2012
aus dem Rechtsgebiet Sozialrecht

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