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Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum!

Rechtstipp vom 17.12.2009
Rechtstipp vom 17.12.2009
Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum!
Bis zum 24. Dezember 2009, 14 Uhr kann man auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt noch schönen Schmuck für den Weihnachtsbaum finden.

Jedes Jahr verleihen rund 28 Millionen prächtig geschmückte Weihnachtsbäume deutschen Wohnzimmern festlichen Glanz. Doch der feierliche Kerzenschein hat auch seine Schattenseiten. Irgendwo müssen die vielen Weihnachtsbäume schließlich herkommen. Inzwischen stammen nur noch ca. 15 Prozent der Weihnachtsbäume tatsächlich „von drauß‘ vom Walde“. Die Mehrzahl wird in meist riesigen Weihnachtsbaumkulturen angebaut, die erhebliche Probleme für die Natur mit sich bringen können. Aus solchen Weihnachtsbaumkulturen stammen die Importe aus Dänemark und anderen europäischen Staaten. Und auch hierzulande ist der Anbau von Weihnachtsbäumen inzwischen ein attraktiver Land- und Forstwirtschaftsbereich. Das Redaktionsteam von anwalt.de stellt die umweltrechtlichen Probleme vor und gibt Tipps für den Weihnachtsbaumkauf.

Nur die schönsten Bäume kommen in die Stube

Mittlerweile zeigen sich die Verbraucher wenig kompromissbereit mit dem Weihnachtsbaum. Nur die schönsten und prächtigsten Exemplare gelangen überhaupt ins Wohnzimmer. Bis so ein Weihnachtsbaum in den Verkauf gelangt, braucht es ca. 9 bis 12 Jahre. Eine Weihnachtsbaumkultur bringt erst in den letzten 2 bis 3 Jahren Erträge. Bis dahin kann es sogar zu einem Totalverlust der Baumkultur kommen. Darum setzen gerade Betriebe, die sich auf große Weihnachtsbaumkulturen spezialisiert haben, chemische Mittel ein, um beispielsweise Schädlingsbefall zu vermeiden, einen geraden Wuchs zu gewährleisten oder für eine schöne satte Nadelfarbe der Bäume. Es wird derzeit sogar bereits an Weihnachtsbaum-Klonen gearbeitet, die dann gegen Schädlinge resistent sind. Hinzu kommt, dass von den angebauten Weihnachtsbäumen nur wenige auch tatsächlich überhaupt in den Verkauf gelangen. Darüber hinaus werden häufig die Baumkulturen erst nach einem Kahlschlag riesiger Flächen angelegt, so dass also zuerst Natur zerstört wird.

Umgekehrt bringen die landwirtschaftlichen Betriebe mit Weihnachtsbaumkulturen für sich ins Feld, dass dort Lebensraum für Tiere geschaffen wird. Weiter verweisen die Anbieter auf die Produktion von Biomasse und damit die Bindung von CO2 mit ca. 12to/Jahr, die Erzeugung von lebensnotwendigem Sauerstoff (ca. 9to/Jahr) und die Bindung von Staubpartikeln in Höhe von ca. 250to/Jahr sowie die Speicherung und Verdunstung von Wasser, insbesondere auf Hängen mit einer niedrigen Humusauflage. Durch den Bewuchs wird die Auswaschung von Nährstoffen aus tieferen Bodenschichten verhindert, viele Kleintiere und Vögel finden dort ihren Lebensraum und schließlich können die Weihnachtsbaumkulturen bei entsprechender Anpflanzung durchaus eine Bereicherung der Landschaft darstellen.

Nicht vergessen werden sollte, dass nicht jede Tannenbaumkultur auf rein kommerziellen Gründen beruht. Mit einer Baumkultur kann auch ein entscheidender Beitrag zum Artenerhalt geleistet werden. Gerade wenn es sich um Baumarten handelt, deren Bestand bedroht ist, kann eine Aufforstung sinnvoll und nützlich sein. Als Beispiel sei hier auf die Weißtanne verwiesen, die im Jahr 2004 Baum des Jahres war und durch Wildverbiss und sauren Regen in ihrem Bestand gefährdet ist. Hier spielt eher der Gedanke der Aufforstung eine Rolle, die ja zugunsten des Waldschutzes in gewissem Sinne ebenfalls wichtig ist. Um den Waldschutz zu fördern, haben daher viele Bundesländer ihre Wald- und Forstgesetze novelliert oder planen dies, damit die Anforderungen gerade für kleine Anbauflächen nicht zu hoch sind.

Störungen des Landschaftsbildes

Gerade die großen Weihnachtsbaumkulturen können erheblich das Landschaftsbild stören. Daher sehen die Natur- und Forstgesetze der Bundesländer Regeln für die Genehmigung dieser Weihnachtsbaumkulturen vor. Der Anbau muss von den Verwaltungsbehörden, also Forst-, Landwirtschaftsämter und Naturschutzbehörden genehmigt werden. In schwierigen Fällen können diese auch die Beseitigung der Baumpflanzungen verlangen. Wird die Genehmigung erteilt, kann die Behörde Auflagen für die Bepflanzung erlassen, etwa Anwendungsverbote für Herbizide, zeitliche Anbaubeschränkungen etc.

Deshalb kommt es immer wieder vor, dass es wegen solcher Weihnachtsbaumkulturen zu Verwaltungsgerichtsprozessen kommt, die sich gegen die Versagung der Genehmigung oder gegen eine Beseitigungsanordnung wenden. Hier wird dann ganz genau geprüft, wie erheblich die Störung des Landschaftsbildes durch die Baumkulturen ist. Die Genehmigung darf nur versagt werden, wenn die Störung als hässlich und unlusterregend empfunden wird. Die Größe der Baumkultur spielt dabei eher eine geringe Rolle, es kommt immer auf den Einzelfall an. Das bestätigte der Verwaltungsgerichtshof Mannheim in einem aktuellen Fall (VGH Mannheim, Beschluss v. 21.09.2009, Az.: 5 S 1654/09): Dort sollte eine flächenmäßig relativ kleine Weihnachtsbaumkultur auf einem Hang angelegt werden. Da die Bäumchen nicht gut in Tälern wachsen und zur Vermeidung von Frostschäden, werden die Kulturen oftmals auf Hügeln gepflanzt. Auch wenn die Fläche, auf der Weihnachtsbäume angelegt werden sollten, relativ klein ist, kann eine exponierte Lage der Baumkultur die Versagung einer Genehmigung wegen Störung des Landschaftsbildes rechtfertigen. Dass die Bäumchen zum Zeitpunkt des Erlasses noch nicht ihre vollständige Wuchshöhe von drei Metern erreicht hatten, spielt nach Ansicht des VGH keine Rolle. Entscheidend ist, mit welcher maximalen Wuchshöhe tatsächlich zu rechnen ist. Um solche Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes zu vermeiden, werden daher solche Weihnachtsbaumkulturen eher in entlegenen Gebieten, z.B. unter Strommasten angebaut.

Umweltbelastungen durch Anbau

Die Weihnachtsbaumkulturen bringen weitere nachteilige Folgen für die Umwelt mit sich. Denn in den großen Forstbetrieben, die sich auf Weihnachtsbaumkulturen spezialisiert haben, kommen Dünger, Herbizide und Insektenvernichtungsmittel zum Einsatz, die erhebliche Umweltbelastungen mit sich bringen.

Weil der Naturschutz immer mehr in das öffentliche Bewusstsein rückt, werden inzwischen Öko- und Bio-Weihnachtsbäume angeboten. Man kann sie an dem Siegel des FSC (Forest Stewardship Council) erkennen. Das FSC-Gütezeichen steht für eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Waldnutzung. Dabei handelt es sich zwar um kein Öko-Siegel, allerdings steht es für einen internationalen Mindeststandard einer verantwortungsbewussten Forstwirtschaft. Die Bäume mit dem FSC-Siegel stammen entweder aus dem Wald selbst oder aus Forstbetrieben, die auf umweltschädliche Dünger, Pestizide, Kahlschläge und Entwässerungsmaßnahmen verzichten.

Laut dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) wird im Öko-Weihnachtsanbau besonderer Wert auf eine umweltverträgliche Forstwirtschaft gelegt. Zum Beispiel werden Unkräuter mechanisch statt chemisch beseitigt. Die Gräser zwischen den Baumreihen schmecken Schafen besonders gut, die wiederum für eine ökologische Düngung des Tannenwaldes sorgen. Da keine Pestizide eingesetzt werden, gibt es dort auch genug Insekten, die einen Schädlingsbefall verhindern. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Bäumchen meist teuer sind.

Plastik- und Topfbäume sind keine Alternative

Allerdings kann man zur Not auch auf Forstbetriebe vor Ort zurückgreifen. Sie bieten Bäumchen an, die im Laufe der jährlichen Forstung ausgeschlagen wurden. Oft kann man auch selbst in den Wald ziehen und sich sein Exemplar vor Ort fällen. Dann weiß man wenigstens, dass der Weihnachtsbaum nicht von einer Großkultur stammt.

Aber auch an der Plastikvariante bestehen Zweifel. Eine neue Studie aus Australien hat nun ergeben, dass Plastikbäumchen im Vergleich zum natürlichen Weihnachtsbaum eine erheblich schlechtere CO2-Bilanz aufweisen. Erst wenn das Plastik-Tannengrün siebzehn Jahre genutzt wird, rechnet es sich in Hinblick auf die klimatischen Auswirkungen gegenüber einem Naturbaum. Ein natürlicher Weihnachtsbaum benötigt bei Zucht, Transport und Verbrennung drei Kilogramm CO2, wohingegen der Plastikbaum auf achtundvierzig Kilogramm CO2 kommt.

Weihnachtsbäume in Pflanztöpfen werden bei Verbrauchern von Jahr zu Jahr beliebter. Schließlich muss dann kein lebender Baum gefällt werden. Allerdings können nur wenige Weihnachtsbäumchen das Fest überleben. Ihre Wurzeln werden passend für den Topf geschnitten, so dass die sie im Freien meist nicht mehr richtig anwachsen können. Hinzu kommt, dass die Bäumchen mehrere Wochen meist im warmen Zimmer stehen. Dadurch werden sie aus ihrem Winterschlaf gerissen und erfrieren später, wenn sie draußen neu eingepflanzt werden.

Kundenwünsche bestimmen das Angebot

Ein Weihnachtsbaum gehört für die meisten Menschen schlichtweg zum Weihnachtsfest dazu. Und weil dem so ist, gibt es auch nicht die Lösung schlechthin für das Problem mit dem Weihnachtsbaum. Wer nicht seine Yukka-Palme mit Lichterketten und Kugeln schmücken möchte, dem sei ein Weihnachtsbaum von Herzen gegönnt. Für die Umwelt wäre schon ein wichtiger Schritt erreicht, wenn man überhaupt ein Bewusstsein für die Folgen in der Natur entwickelt. Zumal sich insbesondere kleinere Land- und Forstwirtschaftsbetriebe einem enormen Preisdruck ausgesetzt sehen. Mittlerweile werden Weihnachtsbäume sogar von Discountern angeboten. Wenn hier Herkunft und Anbaubedingungen der Weihnachtsbäume stärker in das Interesse der Kunden rücken und diese auf naturgerechte Produkte in ihrer Region zurückgreifen, muss man auch das Angebot entsprechend auf den Naturschutz ausrichten.

(WEL)

Foto : ©iStockphoto.com


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