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Schulweg für Referendare: Dienstreise oder Pendlerpauschale?

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Schulweg für Referendare: Dienstreise oder Pendlerpauschale?
Wesentliche Teile des Referendariats finden in der Schule statt.

Ist das Studium endlich geschafft, wartet auf angehende Pädagogen der nächste Schritt zum Lehrerdasein: das Referendariat. Unter Umständen werden die Absolventen dabei allerdings Schulen und Ausbildungszentren zugewiesen, die nicht an ihrem Wohnort liegen.

Die dadurch entstehenden Fahrtkosten können für Referendare Werbungskosten darstellen und entsprechend bei der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Ob das in Form der Pendlerpauschale oder nach Dienstreisegrundsätzen erfolgen muss, ist aber bei Fahrtkosten immer wieder ein beliebtes Streitthema.

Zuweisung an auswärtige Ausbildungsschule

Das Finanzgericht (FG) Münster entschied kürzlich über den Fall einer verheirateten Grundschullehrerin, die ihr Referendariat an einer ca. 54 Kilometer von ihrer Familienwohnung entfernten Ausbildungsschule absolvierte. Von Mai bis Dezember 2012 war sie dort an insgesamt 101 Tagen beschäftigt.

Einmal pro Woche musste sie nicht in die Schule, sondern nahm an einem – näher an ihrem Wohnort gelegenen – Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) an Seminaren teil. Die angehende Lehrerin erklärte, dass am ZfsL ihre regelmäßige Arbeitsstätte sei und sie ihre Fahrten zur Ausbildungsschule als Dienstreisen bei der Steuer angeben könne.

Pendlerpauschale für einfache Entfernung

Dienstreisen haben den Vorteil, dass jeder mit dem Pkw tatsächlich gefahrene Kilometer mit 30 Cent angesetzt werden kann – für Hin- und Rückweg wären das also 108 Kilometer. Im Rahmen der Pendlerpauschale sind das zwar ebenfalls 30 Cent, aber nur für die einfache Entfernung – in diesem Fall also für nur 54 Kilometer. Bei 101 Tagen macht das einen Unterschied von immerhin 1636,20 Euro.

Das Finanzamt ging allerdings davon aus, dass es sich bei der Schule um die regelmäßige Arbeitsstätte der Referendarin handelte und damit nur die Pendlerpauschale Anwendung findet. Die Betroffene meinte hingegen, ihre regelmäßige Arbeitsstätte wäre am ZfsL.

Schwerpunkt des Referendariats an der Schule

Vor Gericht hatte die angehende Lehrerin damit allerdings keinen Erfolg. Die Schule als betriebliche Arbeitgebereinrichtung wurde von den Referendaren über einen längeren Zeitraum regelmäßig aufgesucht. Auch den Schwerpunkt des Referendariats sah das FG in den vier Tagen pro Woche, die sie an der Schule verbrachte und nicht in dem einen Seminartag.

Die Tatsache, dass das Referendariat zeitlich begrenzt ist, steht – wie auch bei anderen befristet beschäftigten Arbeitnehmern – der Annahme einer regelmäßigen Arbeitsstätte nicht entgegen. Demnach konnten die Fahrten zur Ausbildungsschule als regelmäßige Arbeitsstätte nur in Form der einfachen Pendlerpauschale als Werbungskosten angesetzt werden.

Bei dem Rechtsstreit ging es noch um die Steuererklärung für das Jahr 2012. Seit 2014 steht im Gesetz nämlich nicht mehr „regelmäßige Arbeitsstätte“, sondern „erste Tätigkeitstätte“. Allerdings hätte auch bei Zugrundelegung der neuen Formulierung das Urteil ebenso ausfallen können.

Fazit: Die Ausbildungsschule von Lehramtsreferendaren kann deren regelmäßige Arbeitsstätte sein, mit der Folge, dass Werbungskosten nur im Rahmen der Pendlerpauschale für die einfachen Entfernungskilometer steuerlich geltend gemacht werden können.

(FG Münster, Urteil v. 20.04.2016, Az.: 7 K 2639/14 E)

(ADS)

Foto : ©Fotolia.com/zokov_111


Rechtstipp vom 01.07.2016
aus der Themenwelt Familie und Beziehung und den Rechtsgebieten Schulrecht, Steuerrecht

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