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Teurer Schmuck gehört nicht in den Reisekoffer

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Teurer Schmuck gehört nicht in den Reisekoffer
Wer auch im Urlaub nicht auf seinen teuren Schmuck verzichten kann, sollte ihn im Handgepäck transportieren.

Endlich sind Pfingstferien und da stellt sich für die Reiselustigen die Frage, was man für den bevorstehenden Urlaub alles in den Koffer packen soll. Dabei gilt stets: Teure Gegenstände wie z. B. Schmuck oder einen Laptop sollte man lieber ins Handgepäck stecken oder zumindest beim Einchecken deklarieren. Verschwinden sie nämlich nach Gepäckaufgabe aus dem Reisekoffer, kann man den entstandenen Schaden nicht vollständig ersetzt verlangen, sondern muss sich nach Ansicht des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt ein Mitverschulden in Höhe von ¾ anrechnen lassen.

Familienschmuck aus Koffer verschwunden

Eine Familie kam aus dem Urlaub zurück und wartete bei der Gepäckausgabe auf dem Flughafen vergeblich auf einen Koffer, während sie die anderen zwei sofort mitnehmen konnte. Das verschwundene Gepäckstück wurde erst zwei Tage später an den Wohnsitz der Familie geliefert. Nach dem Öffnen stellte sich heraus, dass aus dem verschlossenen und zusätzlich durch ein Schloss gesicherten Koffer der gesamte Familienschmuck gestohlen worden war. Der Familienvater erstattete daraufhin Strafanzeige und klagte auf Zahlung von Schadenersatz. Er habe den Schmuck nur deswegen in den Koffer gelegt, weil ihn das Bodenpersonal ein Jahr zuvor gebeten hatte, Schmuck zukünftig im Koffer und gerade nicht im Handgepäck zu transportieren. Er habe daher keinen Fehler gemacht und gegen den Frachtführer einen Anspruch auf Schadenersatz.

Urlauber haben leichtfertig gehandelt

Das OLG Frankfurt bejahte zwar einen Schadensersatzanspruch des Familienoberhaupts gemäß Art. 22 II MÜ (Montrealer Übereinkommen). Es glaubte der „ehrlichen und seriösen“ Familie, dass sich der Schmuck ursprünglich tatsächlich im Koffer befunden hatte und der Diebstahl zu einer Zeit begangen wurde, als die Fluggesellschaft im Rahmen der Gepäckabfertigung Einfluss darauf nehmen konnte – schließlich wurde ausgerechnet der Koffer mit dem wertvollen Schmuck verspätet an die Familie ausgehändigt und der Verlust des Schmucks sofort nach Öffnen des Koffers bemerkt. Außerdem konnte der Frachtführer bzw. einer seiner Leute aufgrund der Durchleuchtung der Koffer während der Gepäckabfertigung ohne Probleme dessen Inhalt ausspionieren und diesen entwenden.

Dennoch musste sich die Familie ein erhebliches Mitverschulden in Höhe von ¾ anrechnen lassen. Schließlich handelt man leichtfertig, wenn man Wertgegenstände in den Reisekoffer steckt. Denn bei dem „heutigen Massenverkehr“ kann es immer wieder mal passieren, dass ein Koffer verschwindet. Daher sollte man kostbare Dinge wie Schmuck im Handgepäck transportieren, da man hierüber stets die Kontrolle hat, oder den Schmuck zumindest deklarieren. Auch wenn der Vater ein Jahr vorher gebeten wurde, den Schmuck gerade nicht im Handgepäck zu transportieren, so hätte er aufgrund des erheblichen Wertes des Schmucks von immerhin fast 16.000 Euro vor Abflug noch einmal explizit klären müssen, wie er den wertvollen Schmuck transportieren soll.

Das Gericht erwähnte, dass ein derart leichtfertiges Verhalten sogar dazu führen kann, dass ein Diebstahlopfer auf seinem Schaden vollständig sitzen bleibt, etwa weil der Koffer nicht verschlossen wurde. Vorliegend musste der Frachtführer aber ¼ des entstandenen Schadens ersetzen, weil die Familie nicht damit rechnen musste, dass Gegenstände aus einem verschlossenen Koffer, der überdies auch noch mit einem weiteren Schloss gesichert war, gestohlen werden, z. B. unter Zuhilfenahme eines Generalschlüssels.

(OLG Frankfurt, Urteil v. 21.11.2013, Az.: 16 U 98/13)

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com/timsa


Rechtstipp vom 11.06.2014
aus dem Rechtsgebiet Reiserecht

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