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Treppensturz beim Public Viewing

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Treppensturz beim Public Viewing
Beim Public Viewing muss der Betreiber dafür sorgen, dass kein Besucher zu Schaden kommt.

Beim Public Viewing können auch Unfälle passieren. 2010 stürzte eine Frau am Mainzer Rheinstrand auf einer nassen Treppe und brach sich das Handgelenk. Dafür zog sie gegen den Gastwirt vor Gericht. Eine Treppe, die in den Rhein führte, war Auslöser eines Prozesses vor dem Oberlandesgericht (OLG) Koblenz: In Mainz war beim Public Viewing eine Frau auf der vorletzten, nassen Stufe ausgerutscht und in den Rhein gefallen. Dabei brach sie sich das Handgelenk. Sie verklagte daraufhin den Betreiber der Gaststätte oberhalb des Rheins auf 28.600 Euro Schadensersatz und 3000 Euro Schmerzensgeld. Ihrer Ansicht nach hatte der Gastwirt seine Verkehrssicherungspflicht verletzt, weil er nicht explizit vor den nassen Stufen und der Sturzgefahr gewarnt hatte. Der Gastwirt brachte dagegen vor, dass er Warnschilder aufgestellt und auch Sicherheitspersonal eingesetzt habe.

Das OLG gab dem Gaststättenbetreiber Recht. Es war der Meinung, dass er seine Verkehrssicherungspflicht ausreichend erfüllt hatte. Denn die sehr breite und gut einsehbare Treppe führte direkt in den Rhein. Aufgrund des Wellengangs und weil Besucher ihre Füße dort im Rhein badeten, musste man damit rechnen, dass die Stufen nass sind. Die Nässe auf den Stufen war auch unmittelbar für jeden erkennbar. Die Treppe in den Rhein warne damit vor sich selbst, entschieden die Berufungsrichter.

Zwar hat der Gastwirt grundsätzlich eine Verkehrssicherungspflicht und muss dafür Sorge tragen, dass seine Gäste nicht zu Schaden kommen und gegebenenfalls vor Gefahren warnen. Er muss aber nur solche Maßnahmen ergreifen, die ein umsichtiger und verständiger Mensch für notwendig und ausreichend erachtet, um vor Schaden zu bewahren. Allerdings beginnt die Verpflichtung erst, wo eine Gefahr auch für den aufmerksamen Verkehrsteilnehmer überraschend auftritt oder für ihn nicht ohne weiteres zu erkennen ist. Im vorliegenden Fall war aber jedem die Sturzgefahr wegen der nassen Treppenstufen leicht erkennbar.

(OLG Koblenz, Beschlüsse v. 7. und 31. Mai 2012, Az. 8 U 1030/11)

(WEL)

Foto : ©Fotolia.com/Ingo Bartussek


Rechtstipp vom 28.06.2012

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