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Verbraucherinsolvenz – Privatinsolvenz auf Beratungshilfeschein

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Schulden können erdrückend sein, insbesondere dann, wenn man fälschlicherweise meint, sich einen Anwalt nicht leisten zu können. Was Sie vielleicht nicht wissen: Es gibt die Möglichkeit der Beratungshilfe.

Die Beratungshilfe

Bürger mit geringem Einkommen können einen Anspruch auf Beratungshilfe haben. In dem Fall werden die Anwaltskosten von der Staatskasse getragen und Sie müssen lediglich einen einmaligen Betrag von 15,00 € zahlen. Ob für Sie Beratungshilfe in Betracht kommt, können Sie über einen der im Internet kostenlos zur Verfügung gestellten Beratungshilfe-Rechner testen.

Beratungshilfe erhalten Sie nur auf Antrag, den Sie bei dem für Ihren Wohnort zuständigen Amtsgericht stellen müssen. Die Antragsformulare können auf den Internetseiten des zuständigen Gerichts abgerufen werden.

Noch ein Hinweis: Selbstständige und Unternehmer haben keinen Anspruch auf Beratungshilfe.

Zum groben Ablauf der Schuldenbereinigung:

1. Außergerichtlicher Schuldenbereinigungsplan

Bevor Sie als Privatperson/Verbraucher Insolvenzantrag stellen können, müssen Sie einen außergerichtlichen Einigungsversuch mit Ihren Gläubigern unternehmen. Erst und nur, wenn dieser gescheitert ist, dürfen Sie einen Antrag auf Insolvenzeröffnung stellen.

Da Sie alle Gläubiger gleich behandeln müssen, erfolgt der Einigungsversuch mit einem sog. außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan. In diesen Plan werden alle Gläubiger mit ihren aktuellen Forderungen aufgenommen. Ob und in welcher Höhe Sie Ihren Gläubigern eine Zahlung oder mehrere Zahlungen zur Ablösung Ihrer Schulden anbieten können, hängt von Ihren Einkünften ab. Wenn Sie Unterstützung von der Familie erhalten können, ist das bei einer Einigung mit den Gläubigern sehr hilfreich. Je höher die Zahlung ist, die Sie Ihren Gläubigern anbieten können, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Gläubiger dem außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan zustimmen und das Insolvenzverfahren vermieden werden kann.

Stimmen alle Gläubiger dem außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan zu, ist die Einigung mit den Gläubigern erfolgreich und ein Insolvenzantrag ist nicht mehr erforderlich. In dem Fall erlangen Sie nach Erfüllung Ihrer Zahlungsverpflichtung aus dem Plan Restschuldbefreiung – auch ohne Insolvenz.

Lehnt nur ein Gläubiger den außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan ab, ist die außergerichtliche Einigung gescheitert und Sie können Insolvenzantrag stellen.

Das außergerichtliche Schuldenbereinigungsplanverfahren dauert in der Regel 8 bis 12 Wochen.

2. Gerichtliches Schuldenbereinigungsplanverfahren

Hat die Mehrheit der Gläubiger dem außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplanverfahren zugestimmt und sind deren Gesamtforderungen höher als die der nicht zustimmenden Gläubiger, besteht die Möglichkeit, ein gerichtliches Schuldenbereinigungsplanverfahren durchzuführen. In diesem können die fehlenden Zustimmungen nur von einzelnen Gläubigern durch das Gericht ersetzt werden. Das heißt, selbst wenn einzelne Kleingläubiger dem gerichtlichen Schuldenbereinigungsplan nicht zustimmen sollten, kann der Plan dennoch wirksam werden. Auch in diesem Fall muss kein Insolvenzverfahren mehr durchgeführt werden und Sie können nach Erfüllung des gerichtlichen Schuldenbereinigungsplans Befreiung von Ihren restlichen Verbindlichkeiten erlangen.

Dieses Verfahren dauert je nach Verlauf ca. 8-16 Wochen.

3. Insolvenzverfahren – Restschuldbefreiung

Wird kein gerichtliches Schuldenbereinigungsplanverfahren durchgeführt oder ist auch dieses erfolglos, eröffnet das Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren und bestellt einen Insolvenzverwalter. Er hat vor allem die Aufgabe, Ihre Vermögenssituation zu überprüfen und festzustellen, ob Sie pfändbares Einkommen oder verwertbares Vermögen besitzen, das an Ihre Gläubiger zu verteilen ist. Regelmäßig dauert das Insolvenzverfahren einschließlich Wohlverhaltensperiode 6 Jahre. Das heißt, spätestens nach 6 Jahren können Sie Restschuldbefreiung erlangen. Sie können die Dauer des Verfahrens auf 5 Jahre verkürzen, wenn Sie bis zum 60. Monat des Insolvenzverfahrens die Kosten des Verfahrens bezahlen. Eine Verkürzung auf insgesamt 3 Jahre ist möglich, wenn Sie innerhalb von 36 Monaten ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens die Verfahrenskosten und 35 % der Forderungen beglichen haben.

Sollten Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.


Rechtstipp vom 31.03.2016
Aktualisiert am 14.02.2018
aus der Themenwelt Privatinsolvenz und dem Rechtsgebiet Insolvenzrecht

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