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Was ist Churning und wie erkenne ich dieses?

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Der Begriff Churning kommt aus dem englischen von „to churn" und bedeutet so viel wie umrühren. Im Finanzbereich wird dieser Begriff verwendet, um das häufige Umschichten eines Depots durch einen Vermögensverwalter oder Broker zu bezeichnen. Das häufige Umschichten führt dazu, daß sich derjenige der umschichtet (Bank, Vermögensverwalter u.a.) hohe Provisionen verschafft, die zu Lasten des Anlegers gehen. Häufig kommt Churning bei Termingeschäften vor, ab und an jedoch auch im Wertpapierbereich.

Der Begriff entstand in Anlehnung an die Butterherstellung, bei der die Milch gerührt und der Rahmen abgeschöpft wird, bis keine Milch mehr vorhanden ist. Oder anders gesagt eine Kuh kann man nur so-lange melken, wie sie Milch abgibt.

Churning ist nicht einfach nachzuweisen, denn das Umschichten des Anlagekapitals kann gerechtfertigt sein, durch eine ungünstige Börsenlage, häufige Kursschwankungen und der Vermögensverwalter kann dieses damit rechtfertigen, daß das Umschichten erforderlich ist. Verdächtig ist das Umschichten immer dann, wenn Ihr Kapital trotz guter Börsenentwicklung schrumpft. Je risikobereiter Sie sind oder sich einstufen lassen, desto öfter kann der Verwalter das Kapital umschichten, ohne sich der Gefahr auszusetzen, sich einen Verstoß gegen die Interessen des Anlegers nachweisen zu lassen.

Kann ich als Normalanleger Churning überhaupt erkennen?

In der Tat ist dieses nicht so einfach. Ein erstes Indiz für ein übermäßig häufiges Umschichten ist eine hohe Anzahl von Transaktionen innerhalb einer kurzen Zeit. So hielt das Landgericht Düsseldorf beispielsweise ca. 200 Transaktionen in einem Zeitraum von 12 Handelstagen für übermäßig viel und bejahte das Vorliegen eines Churnings.

Ein weiteres Beispiel für Churning ist folgendes:

Die Anlageberater einer Bank veranlassen ihre Kunden durch mehrmalige Anrufe pro Woche dazu, häufige Kaufs- und Verkaufsorder zu erteilen, die nur den Zweck haben, die Gebühreneinnahmen der Bank

in die Höhe zu treiben. Wenn die Kauf- und Verkaufsempfehlungen nicht aus sachlichen Gründen geboten sind, dient dieses nur dazu, die Provisionen und Gebühren aus der Ausführung von Effektenordner zu erhöhen.

Hier ist es wichtig, daß die Bank die Kunden über sämtliche bei der Durchführung eines Effektengeschäftes anfallenden Kosten informiert. Dieses ergibt sich aus der Wertpapierdienstleistungs- Verhaltens- und Organisationsverordnung oder unter Umständen auch aus dem zwischen der Bank und den Kunden abgeschlossenen Vertrag. Kosten sind ein wesentlicher Faktor für die Rendite einer Anlage.

Wann eine Provisionsreiterei und wann eine sachgerechte häufige Umschichtung des Depots des Anlegers vorliegt, kann nicht pauschal nach einem festen Parameter bestimmt werden. Wenn Sie als Anleger jedoch erkennen, daß aufgrund der angefallenen Provisionen kein Gewinn erzielt wird, wird in der Regel eine Provisionsreiterei/Churning vermutet.

Also prüfen Sie genau welche Gebühren bei den einzelnen Transaktionen anfallen und welcher Gewinn Ihnen nach Abzug der Provisionen verbleibt.


Rechtstipp vom 01.10.2013
aus der Themenwelt Finanzen und Versicherung und dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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