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Der Brexit kommt: Was wird nun aus meiner Limited?

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Im Juni 2017 haben die Brexit-Verhandlungen zwischen London und Brüssel offiziell begonnen. Beendet sein werden sie spätestens im März 2019.

In der Zwischenzeit besteht für alle Limited-Unternehmer in Deutschland dringender Handlungsbedarf.

Worin bestehen die Hauptprobleme?

Persönliche Haftung

Das größte Problem für Limited-Unternehmer stellt zweifelsfrei die unmittelbar drohende persönliche Haftung dar. Da die EU-Niederlassungsfreiheit nach dem Brexit für England nicht mehr gelten wird, haften die Limited-Gesellschafter – wenn sie vorher nicht verschmolzen haben – fortan persönlich.

Zeitdruck

Eine Umwandlung oder grenzüberschreitende Verschmelzung muss (!) vor Beendigung der Brexit-Verhandlungen vollzogen sein, da nur Kapitalgesellschaften aus EU-Mitgliedsländern miteinander verschmolzen werden können.

Da es sich bei dem grenzüberschreitenden Verschmelzungsverfahren um ein Gerichtsverfahren handelt, hängt der Verlauf nicht zuletzt auch vom Arbeitsaufkommen und Arbeitstempo der deutschen und englischen Handelsregister und des englischen Gerichts ab. Es steht daher zu befürchten, dass viele Limited-Unternehmer das Verfahren nicht rechtzeitig abschließen werden, da im nächsten Jahr (2018) mit einem Ansturm von Verfahren zu rechnen ist.

Nachteile der Liquidation

Wird eine Limited in Deutschland und England liquidiert, um anschließend mit einer deutschen Kapitalgesellschaft weiter zu machen, kommt es zu einer Unterbrechung des laufenden Geschäftsbetriebes. Alle laufenden Verträge der Limited mit Arbeitnehmern, Banken, Lieferanten, Kunden usw. müssen übertragen werden. Dies bedarf immer der ausdrücklichen Zustimmung des Vertragspartners. Hier werden Limited-Unternehmer die damit verbundenen Kosten, Risiken und den Zeitaufwand individuell einschätzen müssen.

Informationsmangel

Dem Director einer Limited liegen oft nur wenige zuverlässige Informationen zu den Kosten und dem Ablauf einer grenzüberschreitenden Verschmelzung mit einer deutschen GmbH vor. Zum anderen wissen sie nicht um die Nachteile etwaiger Alternativen oder deren wirtschaftliche Konsequenzen.

Online-Anbieter teilen oft falsche oder völlig unrealistische Kostenschätzungen mit, allein um Kunden anzulocken. Dabei dürfen diese Dienstleister ihre Kunden weder rechtlich beraten, noch im Verschmelzungsverfahren gerichtlich vertreten. Was also bei der Limited-Gründung funktioniert hat, funktioniert nicht bei der Verschmelzung einer Limited mit einer GmbH.

Worin besteht die Lösung?

Die einzige wirtschaftlich sinnvolle Lösung liegt aus hiesiger Sicht in der grenzüberschreitenden Verschmelzung der Limited in eine GmbH.

Dank der Umsetzung der EU-Richtlinie 2005/56/EG ins nationale Recht Englands und Deutschlands ist die Verschmelzung seit 2008 möglich.

Das Verschmelzungsverfahren ermöglicht die nahtlose Übertragung des Geschäftsbetriebes der Limited von einem Tag auf dem anderen auf die GmbH (sogenannter „Verschmelzungsstichtag“).

Das Verschmelzungsverfahren sollte – anders als im Falle einer Liquidation – steuerlich neutral ablaufen.

Es handelt sich um ein Gerichtsverfahren beim High Court in England, sodass die Genehmigung des englischen Gerichts erforderlich ist.

Die Durchführung der Verschmelzung erfolgt über einen deutschen Notar in Zusammenarbeit mit einem beim englischen High Court zugelassenen Anwalt (Solicitor).

Neben den Notarkosten entstehen Kosten für den englischen Anwalt sowie Gerichts- und Handelsregisterkosten, die die GmbH-Gründung betreffen. Die Höhe der Notarkosten wird in Deutschland nach Bedeutung und Wert des Geschäfts berechnet. Für jedes Geschäft sieht das bundesweit einheitliche Gerichts- und Notarkostengesetz einen bestimmten Gebührensatz vor. Ausgehend vom jeweiligen Gebührensatz errechnet sich die konkrete Gebühr nach der vom Geschäftswert abhängigen Gebührenstaffelung.

Der Einfachheit halber ein Beispiel

Bei einem Aktivvermögen der Limited i.H.v. 105.000,00Euro betragen die Notarkosten für die Verschmelzung sowie die Gründung einer GmbH in etwa 4500,00 Euro. Beläuft sich das Aktivvermögen einer Limited auf etwa 736.000,00 Euro, erhöhen sich diese Kosten auf etwa 10.000,00 Euro. Je größer also das Aktivvermögen der Limited, desto höher fallen auch die Notarkosten aus.

Die Kosten des englischen Anwalts orientieren sich hingegen an den niedrigsten Notargebühren und werden unabhängig vom Geschäftswert oder der Aktivbilanzsumme der Limited erhoben.

Idealerweise können der englische Anwalt und der Notar ausreichende Erfahrung auf dem Gebiet der grenzüberschreitenden Verschmelzung vorweisen.

Sämtliche Details sollten im Voraus zwischen dem Notar, dem englischen Anwalt und dem Steuerberater besprochen und koordiniert werden, um einen geordneten und bestmöglichen Verfahrensablauf gewährleisten zu können.


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