Einsicht in Krankenunterlagen: Dürfen Patienten Ihre Patientenakte bzw. Krankenakte einsehen?

aus dem Rechtsgebiet Medizinrecht

Der Anspruch auf Einsicht in die Patientenakten bzw. Krankenunterlagen ergibt sich aus Art. 1 und 2 GG und aus § 10 MBO-Ärzte: "Ärztinnen und Ärzte haben Patientinnen und Patienten auf deren Verlangen grundsätzlich in die sie betreffenden Krankenunterlagen Einsicht zu gewähren; ausgenommen sind diejenigen Teile, welche subjektive Eindrücke oder Wahrnehmungen der Ärztin oder des Arztes enthalten. Auf Verlangen sind der Patientin oder dem Patienten Kopien der Unterlagen gegen Erstattung der Kosten herauszugeben."

Ihr Anspruch bezieht sich auf grundsätzlich auf
sämtliche Aufzeichnungen über die Anamnese,
objektive Befunde,
Diagnosen und
sämtliche Eintragungen über therapeutische Maßnahmen
sowie auf die Aufzeichnungen apparativer und bildgebender Diagnosemaßnahmen.

Anderes gilt jedoch im psychotherapeutischen bzw. psychiatrischen Bereich. Hier besteht der Anspruch auf Akteneinsicht nicht in dem oben geschilderten Maße. Der Grund hierfür liegt darin, dass es für Patienten aus dem psychiatrischen bzw. psychotherapeutischen Bereich eine besondere Belastung sein könnte, wenn Ihnen ohne weiteres ihre Krankenunterlagen eröffnet werden. Hier ist in jedem Einzelfall durch den Arzt zu entscheiden, ob und in welchem Maße er die Akteneinsichtnahme für gerechtfertigt hält.

Ich berate Sie gerne zu diesem Thema. Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir eine E-mai. Wir melden uns umgehend bei Ihnen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

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Mit freundlichen Grüßen

Annett Reichelt
Rechtsanwältin

Inhalt des Videos

Guten Tag, mein Name ist Annett Reichelt. Ich bin Inhaberin der Kanzlei Jurist-Berlin und heute geht es um die Frage, ob ein Patient das Recht hat, seine Krankenunterlagen, beziehungsweise seine Patientenakte, einzusehen. Da kann ich Sie beruhigen. Ein solches Recht existiert. Das Recht auf Einsicht in die eigenen Krankenunterlagen resultiert aus dem Recht auf Selbstbestimmung und personaler Würde, gemäß Artikel 1 und Artikel 2 des Grundgesetzes. Daneben resultiert dieses Recht als Nebenrecht aus dem Behandlungsvertrag gemäß § 10, Abs. 2, MBO Ärzte. § 2 Abs. 2 MBO Ärzte lautet nämlich wie folgt: Ärztinnen und Ärzte haben Patientinnen und Patienten auf Verlangen grundsätzlich Einsicht in die sie betreffenden Krankenunterlagen zu gewähren. Ausgenommen sind hiervon lediglich diejenigen Teile, welche subjektive Eindrücke oder Wahrnehmungen der Ärzte, beziehungsweise der Ärztinnen enthalten. Auf Verlangen sind dem Patienten, beziehungsweise der Patientin, Kopien der Unterlagen gegen Erstattung der Kosten herauszugeben. Das Recht auf Einsichtnahme in die eigenen Patientenunterlagen umfasst sämtliche Aufzeichnungen über die Anamnese, sämtliche objektiven Befunde, sämtliche Diagnosen und sämtliche Eintragungen über therapeutische Maßnahmen sowie auf die Aufzeichnungen apparativer oder bildgebender Diagnosemaßnahmen. Das Recht auf Einsicht in die Patientenunterlagen umfasst nicht solche Aufzeichnungen, die lediglich persönliche Eindrücke im Rahmen von Patientengesprächen niederlegen. Weiterhin nicht erfasst sind beispielsweise solche Vermerke, die sich mit den Motiven hinsichtlich eines getroffenen Behandlungsentschlusses beschäftigen. Besonderheiten bestehen darüber hinaus, wenn es um die Einsichtnahme in Patientenakten im Bereich der Psychotherapie, beziehungsweise Psychiatrie geht. Der Bundesgerichtshof hat in seinen bislang zu diesem Thema ergangenen Entscheidungen es dem eigenen Verantwortungsbereich des Arztes überlassen, ob er den Patienten im Bereich der Psychiatrie, beziehungsweise Psychotherapie Einsicht in die Patientenunterlagen gewährt. Der Grund für das eingeschränkte Einsichtnahmerecht liegt darin, dass es für die Patienten hier ein nicht unerhebliches Risiko birgt, wenn dem Patienten die Kenntnis der eigenen Krankengeschichte uneingeschränkt zugänglich gemacht wird. Der Grund für das eingeschränkte Akteneinsichtsrecht hier besteht darin, dass es für die Patienten in diesem Bereich ein nicht unerhebliches Risiko geben kann, wenn sie über sämtliche Aufzeichnungen betreffend ihrer Krankheit informiert werden. Aber das ist Einzelfallentscheidung. Grundsätzlich können wir festhalten, dass Sie selbstverständlich das Recht haben, Ihre Patientenakte einzusehen und auch selbstverständlich Kopien hiervon fordern können, sofern Sie – gegen Kostenerstattung. Weitere Informationen finden Sie auf meiner Homepage www.jurist-berlin.de Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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            Rechtsanwältin Annett Reichelt (Kanzlei Jurist-Berlin, Medizinrecht und Familienrecht) Rechtsanwältin Annett Reichelt

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