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Falschbeurkundung im Amt! Prospektfehler bei Schiffsfonds GHF Global Bulker III

Rechtstipp vom 07.06.2018
Aktualisiert am 13.06.2018
Rechtstipp vom 07.06.2018
Aktualisiert am 13.06.2018

Unter der Bezeichnung „GHF GLOBAL BULKER III“ bot die Gesellschaft für Handel und Finanz mbH aus Leer im Jahr 2008 interessierten Kapitalanlegern die Möglichkeit an, sich als Kommanditist an der Reederei MS „GLOBAL HEMERA“ zu beteiligen.

Das von der Reederei betriebene Frachtschiff MS „GLOBAL HEMERA“ wurde im Juni 2008 zu einem Kaufpreis von 16.450 TUSD erworben. Es wurde als sogenannter Bulkcarrier konzipiert für den Transport von trockenen Massengütern wie Eisenerz, Kohle oder Getreide und sollte in einem Erlöspool eingesetzt werden.

Der Fonds sollte zu einer „Erfolgsgeschichte“ für die Anleger werden. Für die gesamte Laufzeit (2008-2025) wurde ihnen in dem Verkaufsprospekt eine Gesamtauszahlung inklusive Veräußerungserlös von 277,96 % in Aussicht gestellt.

Doch es kam alles anders.

Die rückläufige Entwicklung der Chartererlöse am Schiffmarkt führte dazu, dass der Fonds in eine nicht mehr zu korrigierende wirtschaftliche Schieflage geriet, an deren Ende am 07. November 2011 die Eröffnung der Insolvenzverfahren über das Vermögen der Reederei stand.

Der Großteil des Kapitals der Investoren dürfte nach heutiger Prognose verloren sein.

Jetzt könnte es neue Hoffnung für die Anleger geben, ihr bislang verloren geglaubtes Geld im Wege des Schadensersatzes zurückzuerlangen.

Mit Urteil vom 23.05.2008 hat das Landgericht Aurich der Klage eines Anlegers des Schiffsfonds GHF Global Bulker III stattgegeben und die Treuhandkommanditistin des Fonds zum Schadensersatz verurteilt.

Das Landgericht ist der Auffassung, dass der Verkaufsprospekt des Fonds GHF Global Bulker III den Anleger nicht vollständig über alle Umstände, die für seine Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind, zutreffend und vollständig aufgeklärt hat. Dies betrifft insbesondere das strafrechtliche Ermittlungsverfahren, das am 11.08.2008 gegen den Mittelverwendungskontrolleur Park eingeleitet wurde. Auf der Seite 30 des Urteils heißt es dazu wörtlich: „(…) Rechtsanwalt Park wurde von dem Amtsgericht Leer mit Strafbefehl vom 21.10.2008 zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr verurteilt. Über diese Vorgänge hätte die Beklagte mittels eines Nachtrags aufklären müssen.“

Da dies nicht geschehen ist, war der Kläger so zu stellen, als hätte er die Kapitalanlage nicht erworben, sodass ihm die Beklagte die Zeichnungssumme am Fonds Bulker III Zug um Zug gegen Herausgabe der noch bestehenden Rechte an der Beteiligung zu ersetzen hat.

"Nach unserer Kenntnis hat ein Gericht erstmals Prospektfehler bei dem GHF Global Bulker III erkannt. Schadensersatzansprüche lassen sich bei Prospektfehlern deutlich einfacher durchsetzen, da eine fehlerhafte Anlageberatung nicht im Einzelfall nachgewiesen werden muss. Insofern dürfte die Entscheidung, die allerdings noch nicht rechtskräftig ist, wegweisend für Schadensersatzansprüche weiterer Bulker III-Anleger sein“, erklärt Rechtsanwalt Dr. Bernd Zimmermann aus der Anwaltsgemeinschaft Dr. Vollmer, die den Anspruch für ihren Mandanten durchgesetzt hat.


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