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Fristlose Kündigungen sind oft unwirksam

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Arbeitnehmer haben bei fristloser Kündigung häufig gute Chancen


Ein geregeltes Einkommen ist unverzichtbar, um die eigene Lebensgrundlage zu sichern. Da trifft es den Arbeitnehmer hart, wenn er eine Kündigung durch den Arbeitgeber erhält - und dies umso härter, wenn die Kündigung fristlos erfolgt. Denn in diesem Fall steht der Arbeitnehmer quasi von jetzt auf gleich ohne Arbeit und ohne Einkommen vor einer ungewissen Zukunft.

Eine fristlose (außerordentliche) Kündigung ist sicher das in einem negativen Sinne einschneidendste Ereignis im Arbeitsleben, da das Arbeitsverhältnis sofort beendet ist. Es liegt daher auf der Hand, dass eine fristlose Kündigung nicht leichtfertig ausgesprochen werden kann, sondern nur aus ganz außergewöhnlichen Gründen erfolgen darf, die das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer so massiv zerstört haben, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist.

Bei genauerem Hinsehen erweist sich allerdings manch ein Entlassungsgrund keineswegs als so schwerwiegend, dass die Voraussetzungen für eine zulässige fristlose Kündigung wirklich gegeben sind, sodass es sich in vielen Fällen lohnt, dagegen vorzugehen.

Wie reagiert man richtig auf eine fristlose Kündigung?

Eine außerordentliche bzw. fristlose Kündigung ist aufgrund der unmittelbaren Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht nur ein entscheidender Bruch im Arbeitsleben mit der Folge des Wegfalls eines regelmäßigen Einkommens. Eine fristlose Kündigung hat noch weitere weitreichende Folgen, nämlich eine Sperrzeit von 12 Wochen bei der Bundesagentur für Arbeit. Während dieser Zeit erhalten Sie als fristlos gekündigter Arbeitnehmer kein Arbeitslosengeld I (ALG I). Daher sollten Sie eine außerordentliche Kündigung keinesfalls einfach so akzeptieren, sondern von Ihrem Recht Gebrauch machen und eine Kündigungsschutzklage erheben. So haben Sie die Möglichkeit, eine Weiterbeschäftigung im Unternehmen zu erwirken oder - wie in den meisten Fällen - eine angemessene Abfindung zu erzielen und die fristlose Kündigung zu einer regulären Kündigung abzuändern.

Allerdings muss auch bei einer fristlosen Kündigung eine Klage rechtzeitig erfolgen; hier gilt eine Frist von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung, innerhalb derer Sie die Kündigungsschutzklage einreichen müssen. Verpassen Sie diese Frist, ist die fristlose Kündigung wirksam.

Fristlose Kündigung nur unter bestimmten Voraussetzungen rechtmäßig

Es gibt unterschiedliche Gründe für eine außerordentliche bzw. fristlose Kündigung. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass stets ein vom Arbeitgeber vorgeworfener gravierender, fahrlässig oder vorsätzlich verursachter Verstoß des Arbeitnehmers vorausgeht, der eine weitere Zusammenarbeit aus Sicht des Arbeitgebers unmöglich macht, da das Vertrauensverhältnis erheblich gestört ist. Dazu zählen in erster Linie etwa Straftaten innerhalb des Unternehmens, wie zum Beispiel Beleidigungen oder Tätlichkeiten gegenüber Kollegen, sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz oder Vermögensdelikte (beispielsweise Diebstahl). Auch schwerwiegende Pflichtverletzungen des Arbeitnehmers (Verstöße gegen arbeitsvertragliche Regelungen) können eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen.

Unter bestimmten Umständen ist für eine fristlose Kündigung jedoch auch schon der Verdacht eines schwerwiegenden Vergehens ausreichend (sogenannte Verdachtskündigung).

Für die Rechtmäßigkeit einer fristlosen Kündigung setzt der Gesetzgeber zudem weitere Bedingungen voraus. So muss ein milderes Mittel, wie beispielsweise eine Versetzung, eine Abmahnung oder eine ordentliche Kündigung, grundsätzlich ausgeschlossen sein. Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, die Verhältnismäßigkeit zu wahren und die Möglichkeit eines milderen Vorgehens zu prüfen. Bei einem vergleichsweise wenig bedeutsamen Verstoß des Beschäftigten kann vom Arbeitgeber erwartet werden, anstelle der fristlosen eine ordentliche (und etwas später wirksame) Kündigung auszusprechen.

Der Arbeitgeber muss ebenso wie bei anderen Kündigungen eine Interessenabwägung durchführen; das Interesse des Arbeitgebers, das Beschäftigungsverhältnis sofort zu beenden, muss größer sein als das Interesse des Arbeitnehmers, das Beschäftigungsverhältnis fortzusetzen. Maßgebliche Faktoren hierbei sind unter anderem Art und Schwere des Vergehens, Verschuldungsgrad bzw. Fahrlässigkeitsgrad sowie die sozialen Verhältnisse des Arbeitnehmers.

Zudem gilt eine 2-wöchige Kündigungsfrist, das heißt, der Arbeitgeber muss die außerordentliche Kündigung binnen zwei Wochen aussprechen, nachdem er von den relevanten Tatsachen, erfahren hat (§ 626 Abs. 2 BGB).

Darüber hinaus muss der Betriebsrat angehört werden, falls das Unternehmen einen solchen hat. Die sogenannte Anhörung des Betriebsrates ist für den Arbeitgeber bei jeder Kündigung verpflichtend; der Betriebsrat hat gemäß § 102 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht. Der Arbeitgeber muss dem Betriebsrat alle relevanten Informationen zur und über die Kündigung mitteilen. Andernfalls ist die fristlose Kündigung schon aus diesem Grund unwirksam.

Grundsätzlich gilt: für die Wirksamkeit einer fristlosen Kündigung müssen alle genannten Voraussetzungen erfüllt sein. Das heißt

  • schwerwiegende Gründe
  • Interessenabwägung zugunsten des Arbeitgebers 
  • Ausloten der Möglichkeit weniger einschneidender Maßnahmen 
  • Beachtung der Fristen 
  • und Beteiligung des Betriebsrates müssen alle gegeben sein.

Kostenfreie Erstberatung zu Ihrer fristlosen Kündigung

Eine außerordentliche bzw. fristlose Kündigung ist für den Beschäftigten in der Regel besonders einschneidend - doch chancenlos sind Sie als Arbeitnehmer nicht. Denn fristlose Kündigungen sind häufig fehlerhaft und unwirksam, da nicht alle notwendigen Voraussetzungen erfüllt oder durch den Arbeitgeber nicht hinreichend beachtet worden sind. Aus diesem Grund ist ein rechtliches Vorgehen gegen eine außerordentliche Kündigung in vielen Fällen erfolgversprechend bzw. lohnenswert.

Als auf Arbeitsrecht spezialisierte und insbesondere bei Kündigungen erfahrene Kanzlei unterstützen wir Sie gerne auf dem Weg zur Durchsetzung Ihrer Rechte. Dazu beraten wir Sie kostenlos und unverbindlich im Rahmen einer Ersteinschätzung und klären mit Ihnen die möglichen rechtlichen Vorgehensweisen und Ihre Erfolgsaussichten.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Allgemeines Vertragsrecht, Arbeitsrecht

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