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Haftungsausschluss einer internationalen Veranstaltung in D? – GER/ENG version

  • 3 Minuten Lesezeit
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Eine US-amerikanische NPO plant eine Veranstaltung in Deutschland durchzuführen. Für die Teilnahme an der Veranstaltung wird per Haftungsbeschränkung (Haftungsauschluss sowie Einverständniserklärung) festgelegt, dass für diese Veranstaltung das Recht des US-Bundesstaats zu Grunde gelegt wird, in dem der Sitz des Veranstalters ist. 

Es stellt sich nun die Frage, ob im Schadensfall (insbesondere bei Personenschäden) dann tatsächlich nur das Recht des angegebenen US-Bundestaats zur Anwendung kommt?

Des Weiteren ist fraglich, ob per Haftungsausschluss generell die Haftung für die veranstaltende Organisation und deren MitarbeiterInnen bzw. deren Vorstand bei Personenschäden ausgeschlossen werden kann? 

Zunächst lässt sich feststellen, dass für außervertragliche Schuldverhältnisse in Zivil- und Handelssachen, die eine Verbindung zum Recht verschiedener Staaten aufweisen, in der EU die ROM II-Verordnung gilt. Dies insbesondere für unerlaubte Handlungen. Art. 14 Abs. 1 Rom II-VO sieht vor, dass die Parteien das Recht wählen können, dem das außervertragliche Schuldverhältnis unterliegen soll. Die erwähnte Haftungsbeschränkung (Haftungsauschluss nebst Einverständniserklärung) stellt üblicherweise eine solche Rechtswahl dar. Diese Rechtswahl müsste jedoch, um wirksam zu sein, erst nach Eintritt des schadensbegründenden Ereignisses erfolgt sein, es sei denn alle Parteien gehen einer kommerziellen Tätigkeit nach; in diesem Falle ist auch eine vorherige frei ausgehandelte Rechtswahl zulässig. Vorliegend wird die Rechtswahl vor dem Schaden getroffen, so dass eine (wirksame) Rechtswahl ausscheidet.
Mangels einer Rechtswahl bestimmt Art. 4 Rom II-VO das auf unerlaubte Handlungen anwendbare Recht. Wenn der Ersatzpflichtige und der Geschädigte zum Zeitpunkt des Schadenseintritts ihren gewöhnlichen Aufenthalt in demselben Staat hatten, so unterliegt die unerlaubte Handlung dem Recht dieses Staates. Für juristischer Personen, Gesellschaften und Vereine wird auf den Ort der Hauptverwaltung abgestellt. Wenn angenommen wird, dass die NPO ihre Hauptverwaltung in den USA hat, scheidet somit die Anwendung des Rechts der USA bezüglich aller Teilnehmer, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt nicht in den USA haben, aus. Anders wäre die Situation, wenn die NPO durch eine deutsche Niederlassung handelt. Haben die Parteien keinen gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt, ist das Recht des Staates anzuwenden, in dem der Schaden eintritt (Art. 4 Abs. 3 Rom II-VO). Dies gilt unabhängig davon, in welchem Staat das schadensbegründende Ereignis (hier: Deutschland) stattfand. Dies dürfte in dem Fall ausschlaggebend sein. Es ist auch eine Ausweichklausel vorgesehen (Art. 4 Abs. 3 ROM II-Abweichend von Vorgenanntem findet das Recht eines anderen Staates Anwendung, mit welchem die unerlaubte Handlung eine offensichtlich engere Verbindung aufweist. Diese sollte beim geschilderten Fall aber nicht anwendbar sein.

Für andere Arten von Schaden (beispielsweise: Umweltschädigung, unlauterer Wettbewerb und Produkthaftung) gelten jedoch wiederum andere Vorschriften. Es wird hier unter allen Umständen anwaltlich empfohlen, die Haftungsbeschränkung (Haftungsausschluss etc.) vorab prüfen zu lassen.

English Version: 

A US-American NPO is planning to hold an event in Germany. For participation in the event, a limitation of liability (exclusion of liability and declaration of consent) stipulates that the law of the US state in which the organizer's headquarters are located is the basis for this event. 

The question now arises whether in the event of damage (especially in the case of personal injury) the law of the specified US state is actually applicable? 

Furthermore, it is questionable whether liability for the organizing team and its employees or its board of directors can generally be excluded in the event of personal injury by means of an exclusion of liability? 

First of all, it can be stated that for non-contractual obligations in civil and commercial matters which have a connection to the law of different states, the Rome II Regulation applies in the EU. This applies in particular to tortious acts. Article 14 (1) Rome II Regulation provides that the parties may choose the law to which the non-contractual obligation is to be governed. The aforementioned limitation of liability (exclusion of liability incl. declaration of consent) usually represents such a choice of law. However, in order to be effective, this choice would have to be made after the occurrence of the event giving rise to the damage, unless all parties are engaged in commercial activities in which case a prior freely negotiated choice of law is also permissible. In this case the choice is made before the damage occurs so that a (valid) choice is not possible.
In the absence of a choice of law, Article 4 Rome II-VO determines the law applicable to torts. If the person liable to pay compensation and the injured party had their habitual residence in the same country at the time when the damage occurred, the tort is governed by the law of that country. For legal persons, companies and associations, the place of the head office is used. If it is assumed that the NPO has its head office in the USA, the application of the law of the USA is thus excluded with regard to all participants who do not have their habitual residence in the USA. The situation would be different if the NPO acts through a German branch. If the parties do not have a common habitual residence, the law of the country in which the damage occurs is applicable (Art. 4 para. 3 Rome II Regulation). This applies irrespective of the country in which the event giving rise to the damage occurred (here: Germany). This should be the decisive factor in this case. An escape clause is also provided for (Art. 4 para. 3 Rome II-Deviating from the above, the law of another country with which the tort has an obviously closer connection is applicable. However, this should not be applicable in the case described above.

For other types of damage (for example: environmental damage, unfair competition and product liability), however, different rules apply. It is recommended by lawyers in all circumstances that the limitation of liability (exclusion of liability etc.) to have it checked in advance.


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