Muss ich mir einen anderen Jobs suchen, obwohl ich noch gegen die Kündigung klage?

  • 2 Minuten Lesezeit

Kündigung erhalten? So sichern Sie Ihren Annahmeverzugslohn! 📝⚖️

Nach einer Kündigung stehen Arbeitnehmer häufig vor der Herausforderung, wie sie den Annahmeverzugslohn sichern können. Dieser Anspruch besteht, wenn der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis kündigt, die Kündigung aber unwirksam ist und der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft anbietet. Doch Vorsicht: Das Verhalten des Arbeitnehmers kann den Anspruch beeinflussen, insbesondere wenn er böswillig einen anderweitigen Verdienst unterlässt.

Was ist böswilliges Unterlassen? ❌💼

Unter böswilligem Unterlassen versteht man, wenn ein Arbeitnehmer nach einer Kündigung vorsätzlich keine zumutbare Arbeit annimmt, um weiterhin den Annahmeverzugslohn vom ehemaligen Arbeitgeber zu erhalten. Gemäß § 11 Nr. 2 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) muss sich der Arbeitnehmer auf den Annahmeverzugslohn das anrechnen lassen, was er hätte verdienen können, wenn er es nicht böswillig unterlassen hätte, eine zumutbare Arbeit anzunehmen.

Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) 🏛️🔍

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat am 7. Februar 2024 (Az. 5 AZR 177/23) entschieden, dass böswilliges Unterlassen eine umfassende Abwägung aller Umstände des Einzelfalls erfordert.

In dem entschiedenen Fall hatte der Arbeitnehmer der Agentur für Arbeit mitgeteilt, dass er nur gezwungenermaßen Stellenangebote annehmen würde und potentielle Arbeitgeber sofort über das laufende Gerichtsverfahren gegen seinen letzten Arbeitgeber informieren werde. Eigenständige Bemühungen um eine neue Beschäftigung unterließ er komplett. Das Gericht stellte fest, dass dieses Verhalten gegen die Pflichten eines Arbeitnehmers verstößt und als böswilliges Unterlassen zu werten ist.

Was bedeutet das für Sie? 🤔💼

Wenn Sie eine Kündigung erhalten haben und Annahmeverzugslohn beanspruchen möchten, sollten Sie folgende Punkte beachten:

Melden Sie sich arbeitsuchend: Nach der Kündigung müssen Sie sich unverzüglich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden und deren Vermittlungsangebote annehmen.

Bemühen Sie sich aktiv um eine neue Beschäftigung: Eigenständige Bewerbungsbemühungen sind notwendig. Vermeiden Sie es, potentielle Arbeitgeber über laufende Gerichtsverfahren zu informieren, wenn dies nicht notwendig ist.

Erfüllen Sie Ihre sozialrechtlichen Handlungspflichten: Die Pflichten nach dem Sozialgesetzbuch (SGB III) sind relevant, aber nicht alleine ausschlaggebend für die Beurteilung von Böswilligkeit. Ihr Verhalten insgesamt zählt.

Praxisbeispiele und Konsequenzen 📚✍️

  • Beispiel 1: Ein Arbeitnehmer meldet sich arbeitsuchend, bewirbt sich jedoch aktiv und ernsthaft um neue Stellen. Hier liegt in der Regel keine Böswilligkeit vor.
  • Beispiel 2: Ein Arbeitnehmer meldet sich arbeitsuchend, äußert jedoch gegenüber der Agentur für Arbeit und potentiellen Arbeitgebern, dass er nicht wirklich an einer neuen Stelle interessiert ist. Dieses Verhalten kann als böswilliges Unterlassen gewertet werden und den Anspruch auf Annahmeverzugslohn mindern oder sogar ausschließen.

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