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P&R – Massive Ungereimtheiten beim Container-Kauf

Rechtstipp vom 11.05.2018
Rechtstipp vom 11.05.2018

Die vorläufigen Insolvenzverwalter beschreiben chaotische Zustände bei den insolventen P&R-Gesellschaften. Anlegern, die kein Zertifikat abgefordert haben, sollen konkrete Container überhaupt nicht zugeordnet worden sein. Aber auch dort, wo die Gesellschaft Zertifikate ausgestellt hat, gibt es massive Ungereimtheiten, die den Verdacht schüren, dass zum Teil gar keine Container erworben wurden oder andere als nach den Angeboten ausgewiesene.

Alte Container statt neuer Container

Die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH hatte in ihren jeweils mit einer dreistelligen Nummer versehenen Angeboten ausdrücklich den Kauf von „neuen“ Containern ausgewiesen. Es handelt sich dabei um die Verträge mit den Kennbuchstaben „LF“. Die Recherche zu Containern eines von uns vertretenen Mandanten, dem Zertifikate ausgestellt wurden, brachte eine Vielzahl von Ungereimtheiten zutage. Eine Stichprobe bei öffentlich einsehbaren Registern ergab, dass als neu von unserem Mandanten in 2016 erworbene Container schon älter als ein Jahr waren.

Kleinere Container als bestellt

Die Recherche brachte noch Weiteres hervor. Ein von uns vertretener Mandant hatte 2014 neue 40-Fuß-Container gekauft. Erst einige Zeit später, nämlich 2016, hatte er für diese Container Zertifikate abgefordert. Dabei stellte sich nun heraus, dass es sich bei den angegebenen Containern um 20-Fuß-Container handelt, die auch erst 2015 – also ein Jahr nach dem Kauf durch unseren Mandanten – produziert worden waren.

Das legt den Verdacht nahe, dass es die im jeweiligen Angebot ausgewiesenen Container zum Teil gar nicht gab. Erst anlässlich der Zertifikatabforderung kümmerte man sich offensichtlich um eine konkrete Zuordnung, ohne dass diese dem vereinbarten Vertrag entsprechen musste. Dabei dürfte der nur halb so große 20-Fuß-Container erheblich weniger wert gewesen sein als ein vertragsgemäßer Container.

Ausnahme oder systematische Täuschung?

Ist das jetzt ein zufälliger Ausnahmefall, ein Versehen? Oder verdeutlicht das dargestellte Beispiel, dass bei der P&R-Gruppe bereits seit Jahren mit fragwürdigen Methoden und zulasten der Anleger gehandelt wurde? Wurden die Anleger über die Angebote und Umsetzung der Verträge getäuscht?

Auch die Geschäftszahlen, soweit sie veröffentlicht wurden, bestätigen erhebliche Ungereimtheiten. So hatte die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH ausweislich ihres Jahresabschlusses 2015 einen Umsatz von 610 Mio. Euro getätigt. Dabei dürfte es sich um die mit den Anlegern abgeschlossenen Verträge über die Neucontainer gehandelt haben. Dem stehen auch passende Aufwendungen von ca. 580 Mio. Euro für das Jahr gegenüber. Da aber nach allen bisherigen Mitteilungen der Containererwerb ausschließlich über die P&R Equipment & Finance Corp. in der Schweiz erfolgt sein soll, müsste diese eigentlich entsprechende Aufwendungen für den Ankauf neuer Container getätigt haben. Für 2015 sind in der Gewinn- und Verlustrechnung aber nur Aufwendungen in Höhe von 146 Mio. Euro ausgewiesen. Selbst bei Einbeziehung der Zahlen des Vorjahres und des Nachfolgejahres ergibt sich kein schlüssiges Bild.

Hat man anstelle der neuen Container letztlich auch bei der P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH nur gebrauchte Container der anderen Gesellschaften hin- und hergeschoben und/oder nur Luftschlösser verkauft?

Rechtsanwältin Jana Narloch berät und vertritt betroffene Anleger der P&R-Gesellschaften. Die Erstanfrage ist kostenlos.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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